MARKTGRAITZ

Nathalie Grammon will „rote“ Bürgermeisterin werden

Nathalie Grammon will „rote“ Bürgermeisterin werden
Im Karton warten die Stofftiere schon darauf, zum Flohmarkt gebracht zu werden. Foto: Till Mayer

Mogli und Balu sind heute ziemlich schüchtern. Balu versteckt sich so gut, dass er gleich ganz verschwunden ist. Unter der untersten Treppenstufe leuchten zwei Augen im Dunkel. „Das ist Mogli“, lacht Nathalie Grammon.

Und schiebt einen Karton voller Stofftiere ein wenig zur Seite. Da lugt ein Tiger frech hervor. „Die sind für den Flohmarkt der Tierschutzfreunde Obermain gedacht“, erklärt die 48-Jährige.

Sofatiger, Samtpfoten, das merkt der Besucher auch im Wohnzimmer schnell, die hat Nathalie Grammon fest in ihr Herz geschlossen. Selbst auf die Kissen sind Katzenmotive gedruckt. Auf dem Couchtisch liegen Magazine, auf denen die Covergirls ebenfalls vier Pfoten haben.

Für den Tierschutz engagiert sich die 48-Jährige schon seit Jahren. Früher beim Tierschutzverein Lichtenfels, jetzt bei den Tierschutzfreunden Obermain. Dort leitet sie unter anderem eine Jugendgruppe mit. Beruflich arbeitet sie als Sachbearbeiterin bei der AOK.

Politik für Menschen, damit hat die 48-Jährige gerade erst angefangen. Und tritt für die Sozialdemokraten gleich als Bürgermeisterkandidatin an – und als Außenseiterin. Große Hoffnung auf einen überraschenden Wahlsieg rechnet sie sich nicht aus.

Den Ortsverein wieder beleben

Aber es geht ihr nicht nur darum, demokratisch-pflichtbewusst den Bürgerinnen und Bürgern eine Wahlmöglichkeit mehr zu bieten. Nathalie Grammon hat einen Plan, und der ist langfristig angelegt. Derzeit stellen die Sozialdemokraten keinen einzigen Gemeinderat. Das gesamte Gremium ist mit Bürgerblock-Freie Wähler und CSU ausschließlich in der Hand des bürgerlichen Lagers. Der traditionsreiche SPD-Ortsverein selbst ist Geschichte.

Das soll sich ändern. Wiedereinzug in den Gemeinderat und Revitalisierung des Ortsvereins sind die Hauptziele der Sozialdemokratin. Ziele, die sie mit Ausdauer angehen will. „Alte Genossen aus dem ehemaligen Ortsverein helfen mir. Beim Weihnachtsmarkt waren wir Sozialdemokraten seit langem wieder mit einem Stand vertreten“, freut sich Nathalie Grammon. Apfelpunsch und heiße Schokolade haben da die Genossen dem Wahlvolk angeboten.

Nathalie Grammon will „rote“ Bürgermeisterin werden
Für ihre Stubentiger hat Nathalie Grammon ein Gehege auf der Terrasse errichtet. Foto: Till Mayer
Nathalie Grammon kann keine lange Mitgliedschaft in der Partei aufweisen. Neben ihrem Engagement für Tierschutz half sie jahrelang ehrenamtlich in einer Wohngruppe für Jugendliche. Auch im Turnverein Marktgraitz steigt sie jetzt als Schriftführerin ein. Einmal pro Monat organisiert sie für den Verein eine Wanderung. Das Elternhaus in Bayreuth sei sozialdemokratisch geprägt gewesen, berichtet sie. Aber zur Politik kam sie erst vor drei Jahren. Bei einer Demo in Redwitz gegen die Stromtrasse. Das führte zum Eintritt in die SPD.

Seit 2018 wohnt sie in Marktgraitz. Würde dort gerne auch das gemietete Wohnhaus kaufen. „Marktgraitz hat mir von Anfang an gefallen. Die Menschen haben mich offen und herzlich aufgenommen. Hier will ich bleiben“, erklärt sie. Aber natürlich weiß sie, dass sie ein anderes Standing hat als die Mitbewerberin und der Mitbewerber, beide gebürtige Graatzer.

Frischer Wind und Außenansicht

„Dass ich bei der Wahl nur Außenseiterchancen habe, ist mir bewusst“, meint die Sozialdemokratin. Gegen einen alteingesessenen Bürgermeister oder eine bestens bekannte und beliebte Marktgraitzer Pflegedienst- und -heimchefin anzutreten, ist kein leichtes Unterfangen. Ihr Ziel sei es zunächst, die Unzufriedenen hinter sich zu sammeln und eigene Lösungsvorschläge zu bieten. „Sollte ich in eine Stichwahl gelangen, ist alles möglich“, so Nathalie Grammon. „Wer hätte vor sechs Jahren gedacht, dass der junge SPD-Kandidat Andreas Hügerich in Lichtenfels so überzeugend gewinnt?“, fragt sie.

Nathalie Grammon will „rote“ Bürgermeisterin werden
Kein Zweifel, Nathalie Grammon hat ein großes Herz für Katzen. Foto: Till Mayer

„Nach 24-jähriger Amtszeit des Bürgermeisters wäre ein frischer Wind mit ein wenig Außenansicht keine schlechte Idee“, sagt sie augenzwinkernd. Als Bürgermeisterin würde sie gegen den Leerstand von Häusern angehen, sich für die Vereinswelt, einen Dorfladen und für einen Jugendtreff einsetzen, listet die Sozialdemokratin auf. Auch das Zusammenleben der Generationen müsse gefördert werden, fügt sie hinzu.

Und wenn es mit dem Hauskauf klappt, würde sie es sich, Mogli und Balu in ihrer neuen Heimat Marktgraitz gerne so richtig wohnlich machen.

Weitere Artikel zur Kommunalwahl am 15. März finden Sie unter www.obermain.de.

Nathalie Grammon

Geboren: 3. Dezember 1971 in Bayreuth

Familienstand: geschieden

Ausbildung und Beruf:

seit 11/2019 AOK Coburg;

1996 bis 10/2019 bei der AOK-Pflegekasse Kulmbach Sachbearbeiterin im Abrechnungsbereich, Vertragswesen, stellvertretende Teamleitung;

1991 bis 1996: Zahnarzthelferin in Bayreuth;

1988 bis 1991: Ausbildung zur Zahnarzthelferin in Bayreuth;

1988 bis 1991 Staatliche Berufsschule Bayreuth;

1984 bis 1988 Johannes-Kepler-Realschule Bayreuth mit Abschluss der Mittleren Reife;

1978 bis 1984 Grund- und Hauptschule Meyernberg/Bayreuth;

Hobbys: Wandern, Natur, ehrenamtliche Betreuerin einer Kinder- und Jugendwohngruppe.

Nathalie Grammon will „rote“ Bürgermeisterin werden
Für ihre Stubentiger hat Nathalie Grammon ein Gehege auf der Terrasse errichtet. Foto: Till Mayer
Nathalie Grammon will „rote“ Bürgermeisterin werden
Kein Zweifel, Nathalie Grammon hat ein großes Herz für Katzen. Foto: Till Mayer

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