MICHELAU

Im Portrait: Michelaus Bürgermeisterkandidat Spitzenberger

Seit über einem Jahr kämpft Jürgen Spitzenberger für ein Verkehrskonzept für die Michelauer Ortsdurchfahrt. Für den SPD-Bürgermeisterkandidaten bleibt das Thema auch im Wahlkampf der Schwerpunkt. Foto: Annette Körber

Es ist eine Binsenweisheit, dass das Lernen nicht mit dem Schulabschluss enden sollte. Jürgen Spitzenberger ist jetzt 52 Jahre alt. Der gelernte Werkzeugmacher hat sich beruflich, politisch und im Verein bis in leitende Funktionen hochgearbeitet. „Ich bin überall reingewachsen, im Verein genauso wie auf der Arbeit“, sagt er rückblickend.

Dabei habe er gemerkt, wie schön es ist, mit Menschen zusammenzuarbeiten und gemeinsam etwas zu erreichen. Das möchte er nun im Rathaus tun. Deshalb tritt der gebürtige Schwürbitzer, der seit 23 Jahren in Michelau wohnt, als Bürgermeisterkandidat der SPD an.

Er würde damit in die Fußstapfen seines Großvaters treten, der in Perneck im Böhmerwald Ortsvorsteher war, was dem Amt des Bürgermeisters entsprach. Auch wenn Spitzenberger ihn nicht kennenlernte, ist das für ihn ein zusätzlicher Ansporn. „Ein Bewohner von Michelau spricht mich immer wieder darauf an. Meine Großeltern mussten mit meinem Vater damals nach dem Krieg ihre Heimat verlassen, so wie unter anderem auch der Bewohner aus Michelau. Es sind immer sehr nette Gespräche“, erzählt er.

Ein Verkehrskonzept für die Ortsdurchfahrt

Im Portrait: Michelaus Bürgermeisterkandidat Spitzenberger
Seine Freizeit genießt Jürgen Spitzenberger gern bei Wanderungen. Foto: privat

Spitzenbergers wichtigstes Anliegen bleibt ein Verkehrskonzept für die Ortsdurchfahrt von Michelau. Für ihn ist es enttäuschend, dass sich da nichts tut, schließlich gehe es um die Sicherheit der Bevölkerung. Der verspricht er eines: „Wenn mir was wichtig ist, lass' ich nicht locker. Ich bleibe dran.“ Hartnäckig und engagiert: So kennt man ihn.

2012 hatte Spitzenberger schon einmal kandidiert, als die Michelauer außerplanmäßig ihr Gemeindeoberhaupt wählten. Damals unterlag er mit 47,4 Prozent denkbar knapp. Der Sozialdemokrat ist trotzdem stolz auf dieses Ergebnis: „Wenn man überlegt, gegen wen ich angetreten bin: gegen den amtierenden Bürgermeister und stellvertretenden Landrat!“ Er holte damals nicht nur in Schwürbitz die meisten Stimmen, sondern auch in Neuensee – als erster „roter“ Kandidat.

Im Portrait: Michelaus Bürgermeisterkandidat Spitzenberger
Auch im Neuenseer Forst ist Jürgen Spitzenberger gern unterwegs. Foto: privat
„Wenn mir was wichtig ist, lass' ich nicht locker. Ich bleibe dran.“
Jürgen Spitzenberger, SPD-Bürgermeisterkandidat

„Ich habe immer gesagt, 2012 war sicher nicht das letzte Mal. Ich werde nächstes Jahr 53 – da will ich es noch mal wissen“, zeigt er sich entsprechend kämpferisch. Der Rückhalt, den er in der Bevölkerung erlebe, bestärke ihn in seiner Zuversicht. „Jetzt werden die Karten neu gemischt. Ich denke, ich habe ganz gute Chancen. Das muss ich nutzen.“ Ein Risiko allerdings gibt es: dass das schlechte Image der SPD auf Bundesebene auch bei der Kommunalwahl durchschlägt. „Ich werde auch auf der Arbeit darauf angesprochen“, sagt der in leitender Position bei SMIA Beschäftigte. Persönlich hätte er sich bei der Wahl der Bundesvorsitzenden ein anderes Ergebnis gewünscht. „Aber das ist halt auch Demokratie.“ Auf jeden Fall will er am SPD-Logo festhalten. „Ich zieh's durch, in guten wie in schlechten Zeiten.“

Den Anstoß zu seinem politischen Engagement gab sein ehemaliger Parteifreund Paul Habich. Es ist eine Geschichte, die sich nicht trennen lässt von seinem liebsten Hobby: Fußball. Jahrelang stand Spitzenberger für den FC Schwürbitz auf dem Spielfeld, 1996 wurde er erstmals zum Vorsitzenden gewählt. „Bei mir hat sich immer alles um Fußball gedreht. Selbst bei Geburtstagen der Kinder war ich beim Spiel“, verdeutlicht er. Und am Tag nach seiner Hochzeit. Erst nach der Partie trat er mit seiner Frau Petra die Flitterwochen an.

Für die Familie war das normal. „Es waren immer alle dabei, wenn's um die Organisation von Kirchweih oder Johannisfeuer ging“, erzählt der Kandidat. Mittlerweile sind die drei Kinder erwachsen. Die älteste Tochter ist 28 und hat seit diesem Jahr selbst einen Sohn, die mittlere Tochter ist 22 und der Sohn 20 Jahre alt. Aber im Wahlkampf werden sie alle wieder eingespannt, sie tragen für ihren Vater Flugblätter aus. Er ist dankbar dafür: „Wichtig ist, dass die Frau und die Familie hinter einem stehen. Und das ist hundertprozentig der Fall.“

Sein Vorgänger als Vorsitzender beim FC Schwürbitz war Paul Habich, man kannte sich. Und da Spitzenberger schon immer SPD-Wähler war, lag es nahe, dass Habich ihn 2001 fragte, ob er sich vorstellen könnte, für die Jungen Sozialen Bürger zu kandidieren. „Ich hätte mich vielleicht schon vorher engagieren können“, meint er nachdenklich. „Aber ich war es nicht gewohnt, in der Öffentlichkeit zu stehen.“

„Ich hätte mich vielleicht schon vorher engagieren können. Aber ich war es nicht gewohnt, in der Öffentlichkeit zu stehen.“
Jürgen Spitzenberger

Das änderte sich mit seiner Arbeit als FC-Vorsitzender. Hatte er schon als Sportler viele Bekanntschaften geknüpft, kamen jetzt weitere Kontakte dazu. „Man kommt überall hin, organisiert Turniere, die Zusammenarbeit bei der Jugend mit dem FC Michelau ...“ Und so gewann der neue JSB-Kandidat auf Anhieb die meisten Stimmen und zog 2002 in den Gemeinderat ein. 2006 wechselte er zum SPD-Ortsverein Michelau, zu dessen Vorsitzendem er 2008 gewählt wurde. Im selben Jahr kandidierte er erstmals für die SPD und holte für sie die meisten Stimmen.

Zum Ausgleich am liebsten zur Hohen Aßlitz

Im Portrait: Michelaus Bürgermeisterkandidat Spitzenberger
Jürgen Spitzenberger steht zu seiner Partei – in guten wie in schlechten Zeiten. Foto: privat

Zeitgleich machte Spitzenberger beruflich Karriere. Mit damals 33 Jahren, als dreifacher, junger Vater, bildete er sich weiter, erhielt 2001 den Meistertitel und übernahm die Leitung der Abteilung Werkzeugbau, Fachrichtung Extrusion, damals noch bei Scherer und Trier. Später kam die Abteilung Anlagen- und Sondermaschinenbau dazu.

Ausgleich findet der viel Beschäftigte auf langen Spaziergängen im Neuenseer und Neuensorger Forst, zur Hohen Aßlitz oder zum Schifferbrunnen. „Das mach' ich ganz allein“, erzählt er. „In der Natur kann man vieles besser durchdenken als am PC.“ Mit seiner Frau fährt er dafür gern zum Wandern in die Berge. Wie jeder weiß, der auf Facebook mit ihm befreundet ist, fügt Spitzenberger lächelnd hinzu: Dort postet er dann die neuesten Schnappschüsse – von der Hohen Aßlitz genauso wie aus Tirol.

Weitere Artikel zur Kommunalwahl am 15. März finden Sie unter www.obermain.de/kommunalwahlen.

Jürgen Spitzenberger

• 52 Jahre alt

• verheiratet, drei Kinder, ein Enkel

• der gebürtige Schwürbitzer lebt seit 23 Jahren in Michelau

• berufliche Laufbahn: Jürgen Spitzenberger arbeitet bei SMIA. Er hat 1982 bei Scherer und Trier seine Ausbildung zum Werkzeugmacher begonnen und ist dort geblieben. 2001 hat er die Meisterprüfung in Feinwerkmechanik absolviert und die Leitung der Werkstatt übernommen. 2012 kam die Leitung der Abteilung Anlagen- und Sondermaschinenbau dazu.

• politisches Engagement: Jürgen Spitzenberger sitzt seit 2002 im Gemeinderat Michelau. Kandidierte er damals auf der Liste der Jungen Sozialen Bürger, wechselte er in der nächsten Legislaturperiode zur SPD, wo er 2008 auch den Vorsitz übernahm. Von 2008 bis 2014 fungierte er als SPD-Fraktionsvorsitzender. 2012 trat er erstmals als Bürgermeisterkandidat zur Wahl an, unterlag jedoch knapp. Seit 2014 bekleidet er das Amt des Dritten Bürgermeisters. Ebenfalls seit 2014 sitzt er im Kreisrat und engagiert sich als stellvertretender Kreisvorsitzender der SPD.

• ehrenamtliches Engagement: Von 1996 bis 2006 und von 2014 bis 2019 übernahm Jürgen Spitzenberger das Amt des Vorsitzenden beim FC Schwürbitz. Weitere fünf Jahre trainierte er die Jugend des Fußballvereins. Heute sitzt er im Vereinsausschuss.

 

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