MICHELAU

Cantica Nova beleuchtet Rolle von Frauen zu Christi Geburt

Cantica Nova beleuchtet Rolle von Frauen zu Christigeburt
Der Chor Cantica Nova“ lenkte in seinem Konzert den Blick auf die Frauen, die in der Weihnachtsgeschichte eine zentrale Rolle spielen. Foto: Klaus Gagel

Die Rolle der Frauen zur Zeit Christi Geburt war der der Männer untergeordnet. Anders als Männer besaßen Frauen keine über ihre eigene Person hinausgehenden Rechte. Sie konnten keine politischen und öffentlichen Ämter bekleiden. Das Weib war dem Manne untertan. Und dennoch darf man den Einfluss der Frauen nicht unterschätzen. Das wurde in dem Konzert von Cantica Nova im Samstagabend in der Michelauer Johanneskirche deutlich.

Gemeinsam mit ihrer Chorleiterin Monika Schilkowsky hatten sich die Frauen des Chors „Auf den Weg gemacht“ zum Stall in Bethlehem. In ihren Liedvorträgen beleuchteten sie die Rolle der unterschiedlichsten Frauen, die alle in einer direkten oder indirekten Beziehung zum Kind in der Krippe standen.

Mit dem Adventshymnus „Machet die Tore weit“ stieß der Chor die Türen zum weihnachtlichen Geschehen weit auf. Auf dem Weg nach Bethlehem begegneten die vielen Besucher im Kirchenschiff zunächst Claudia Appia Quirinius, der Frau des römischen Statthalters in Syrien.

Nicht in den alltäglichen Dingen des Lebens verlieren

„Verliert Euch nicht“, lautete ihre Botschaft. Verliert euch nicht in den alltäglichen Dingen des Lebens. Als Frau des Statthalters, der Quirinius damals unbedingt werden wollte, fand sie sich und ihr Mann schnell umgeben von Papieren, Steuerlisten, Ordnungsfragen und vor allem von den Erwartungen der anderen. „Und du merkst nicht, dass du es bist, der verloren geht, mit Herz und Seele“, lautete ihr Weckruf an die Gläubigen.

Da ist auch die Herbergsmutter, die Maria und Josef wenigstens noch einen Platz im Stall zur Verfügung stellen konnte. Sie erinnert an die Menschen damals und heute, die hunderte Kilometer zu Fuß marschieren, sich Menschenschleppern anvertrauen, sich in Lastwagen pferchen lassen oder sich aufs Meers wagen, auf der Suche nach einem friedlicheren Leben. Nur mit Barmherzigkeit kann man der Ungerechtigkeit begegnen.

Eine zentrale Rolle spielte natürlich Maria im Weihnachtsgeschehen. Für sie ist die Geburt ihres Kindes ein tiefes einschneidendes Erlebnis. So viel Liebe, so viel Zärtlichkeit empfindet sie als sie das Neugeborene im Arm hält.

Verbindendes Element zwischen den Wortbeiträgen der verschiedenen Frauen waren die Lieder des Chors Cantica Nova. Wohltuend registrierte man, dass es sich dabei nicht um die altbekannten Weihnachtssongs handelte, die in Radio und Fernsehen so oft rauf und runter gespielt werden, dass man ihre süßliche Botschaft fast nicht mehr hören kann.

„Nun öffnet Eure Türen und Eure Herzen weit“, „Mitten in der Nacht neigt der Himmel sich zur Erde“ und „Hosianna, schmückt den Weg und machet Bahn“ waren nur drei der weniger bekannten Lieder. Dabei wagten sich die jungen Frauen auch an Liedvorträge, die die Sopranstimmen in ihren Höhen stimmlich spürbar forderten. Unterstützt von Eduard Herold an der elektronischen Orgel meisterten die jungen Frauen diese Herausforderung.

Vertraute Weisen erklangen dagegen beim „Carol oft the Drum“ besser bekannt in der Version des „Little drummer boy.“ Auch das „Adeste Fideles“, das in die deutsche Version „Herbei oh ihr Gläub`gen“ übersetzt wurde, weckte Erinnerungen an die eigene, kindliche Weihnacht.

Eine einfache Frau aus dem Volk

Auch die Hirtin, als Repräsentantin der einfachen Frauen aus dem Volk, hatte sich auf den Weg gemacht. Sie hat keine besonderen Ansprüche ans Leben: „Es spricht nichts dagegen, mit der Herde zu trotten“. Es ist ihr Leben, ein einfaches Leben, in dem die Geburt Christi ein Zeichen setzt. Auch wenn der Blick der Frauen von heute in erster Linie auf ihre Geschlechtsgenossinnen von damals gerichtet war, so ließen sie am Ende ihres beeindruckenden Konzerts auch Josef zu Wort kommen. „Eigentlich habe ich hier gar nichts verloren. Ohne mich wäre die Geschichte doch mehr oder weniger genauso verlaufen“, bekannte er. Und dennoch er hat Maria nicht verlassen, als sie schwanger war.

Und seine Selbstanalyse gipfelt in der Erkenntnis „dass Jesus immer an das erinnert, wer wir sein können. Und dass die Liebe das Größte in dieser Welt ist.“ Mit dem leise gesungenen Segenslied „The Lord bless you and keep you“ und dem Segen durch die Dekanin Stefanie Ott-Frühwald schloss das Weihnachtskonzert, an das sich nach lang anhaltendem Applaus ein gemeinsamer Ausklang vor der Johanneskirche anschloss.

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