MICHELAU

Exotisch, aber nicht aussterbend: Korbmacher im Mittelpunkt

Exotisch, aber nicht aussterbend: Korbmacher im Mittelpunkt
Einmal Lehrer, immer Lehrer: Wilfried Popp gibt Margot Weiß wertvolle Tipps. Foto: Gerda Völk

Der diesjährige Internationale Museumstag stand unter dem Motto „Museen – Zukunft lebendiger Traditionen“. Auch die Musen des Landkreis Lichtenfels hatten an diesem Tag ihre Türen für die Besucher weit geöffnet. Im Deutschen Korbmuseum in Michelau konnten die Besucher Korbflechtern und Flechtwerkgestaltern bei der Arbeit über die Schulter schauen.

Der vom Internationalen Museumsrat ICOM ausgerufene Tag fand bereits zum 42. Mal statt. Ziel des Aktionstages ist es, auf die thematische Vielfalt der mehr als 6500 Museen in Deutschland aufmerksam zu machen.

„Das Flechten kommt mir sehr entgegen, es hat etwas Meditatives.“
Margot Weiß, im ersten Lehrjahr als Flechtwerkgestalterin

Schweißtreibend und zeitaufwändig

Iris Schneider, Korbmachermeisterin und Fachlehrerin an der Staatlichen Berufsfachschule für Flechtwerkgestaltung in Lichtenfels, zeigt an diesem Nachmittag die Reparatur eines Stuhlgeflechts. Da die Sitzfläche aus Fertiggeflecht besteht, muss zunächst das so genannte „Splintpeddig“ entfernt werden. Eine schweißtreibende Arbeit, die auch relativ zeitaufwändig ist.

„Respekt, dass es immer noch Leute gibt, die sich mit Flechten beschäftigen“, würdigt Museumsbesucher Karl-Heinz Herold. Inzwischen sei Korbmacher ein „Exotenberuf, aber kein aussterbender Beruf“, kontert Iris Schneider. Die Stimmung ist gut im Raum, obwohl es durchaus mehr Besucher hätten sein können. Diese kamen schon am Vormittag, am Nachmittag dann war es verhältnismäßig ruhig.

„Das Flechten kommt mir sehr entgegen, es hat etwas Meditatives“, erklärt Margot Weiß, die gerade an einen Präsentkorb arbeitet. Die Bad Staffelsteinerin befindet sich im ersten Lehrjahr als Flechtwerkgestalterin. Margot Weiß absolvierte eine Lehre zur Zierpflanzengärtnerin, anschließend arbeitete sie mehrere Jahre in einer Reinigung. Seit September befindet sie sich in der Ausbildung. Doch bis es soweit war, hat sie nach dem Besuch der Fachschule für Flechtwerkgestaltung jede Nacht vom Flechten geträumt. Margot Weiß hofft, dass sie beide Berufe, den der Zierpflanzengärtnerin und den der Flechtwerkgestalterin, miteinander verbinden kann. Und die Chancen sind gut, den ihr ehemaliger Betrieb hat schon Interesse bekundet.

An diesem Nachmittag besucht auch Wilfried Popp, ehemaliger Fachlehrer, das Museum. Popp hat am Samstag den Museumsbesuchern das Handwerk nahegebracht. „Es gibt zwei Arten von Besuchern“, erklärt Popp auf Nachfrage. Die einen, die nach einem Rundgang durch die Räume wortlos das Museum verlassen, und die anderen, „die würden einem am liebsten ein Loch in den Bauch fragen“, schmunzelt Popp. Natürlich sind ihn die Besucher am liebsten, die Fragen stellen.

Kartoffelkörbe braucht's nicht mehr

Der ehemalige Fachlehrer besitzt ein umfangreiches Fachwissen zur Geschichte der Korbflechterei in Michelau. Früher haben die Familien mit Kleinlandwirtschaft ihren Lebensunterhalt bestritten. Für ein bisschen Bargeld haben sie dann Körbe geflochten. „Der gebräuchlichste Korb war der Kartoffelkorb“, berichtet Popp. Allerdings wird dieser Korb in Zeiten der Vollernter-Maschinen nicht mehr gebraucht.

Seit 2004 ist der ehemalige Fachlehrer in Pension. Aber einmal Lehrer, immer Lehrer. Von seinem umfangreichen Fachwissen profitieren an diesem Nachmittag auch die Besucher. Die „Lebenden Werkstätten“ wollen die alten Traditionen bewahren und die Flechtkunst und Flechtkultur erhalten.

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