MICHELAU

Lizzy Aumeier feuert ein Gag-Feuerwerk ab

Mit ihrer drallen Figur kokettierte Ulknudel Lizzy Aumeier bei ihrem Auftritt in Michelau immer wieder. Foto: Klaus Gagel

Eine Sternstunde der Comedy erlebten die Besucher am Samstagabend im Michelauer Gemeindezentrum. Und dies lag nicht nur an dem herausragenden Können der Protagonisten, sondern auch an einem Publikum, das wesentlichen Anteil an der begeisternden Darbietung hatte. Für Lizzy Aumeier, die Hauptperson des Abends, mag das Ganze an „Versteckte Kamera“ erinnert haben. „Eigentlich müsste ich heut' Eintritt zahlen“, bekannte sie freimütig.

Wo hat man das schon erlebt, dass das Publikum zu Ehren der Künstler aus voller Brust „So ein Tag, so wunderschön wie heute“ anstimmte? Alles passte an diesem Abend wie die berühmte Faust aufs Auge. Und dabei wäre der Auftritt in der Korbmachergemeinde um ein Haar an der hartnäckigen Erkältung von Lizzy Aumeier gescheitert. Doch tapfer kämpfte und schnäuzte sie sich durch das Zwei-Stunden-Programm.

„Eigentlich müsste ich heut' Eintritt zahlen.“
Lizzy Aumeier zum begeistert mitgehenden Publikum

Unterstützt wurde sie dabei von ihrem Ehemann Andreas Stock und der exzellenten Geigerin Svetlana Klimova. Mit untrüglichem weiblichen Instinkt suchte und fand Lizzy Aumeier ihre Gegen- und Mitspieler im Publikum.

Der Griff an den Busen

Da war allen voran Leopold, der technische Zeichner, der sich längst im Ruhestand befindet, ebenso wie der ehemalige Krankenpfleger Erich, „der Mann fürs Alter“, der auch schon mal probehalber an Lizzys Busen fassen durfte.

Immerhin kennen sich beide von früher, vom Sandkastenspielen in der gemeinsamen Heimat Oberpfalz, auch wenn Lizzy sich nicht mehr an irgendwelche Details erinnern kann. Und da ist auch die junge Frau, die auf der Bühne ihr Tribal-Tattoo vorzeigen darf.

Mit Übergewicht vorsorgen

Locker und unverkrampft geht Lizzy mit ihrem Aussehen um. Zu ihrem Bedauern leben wir in einer Zeit, in der der Body-Maß-Index wichtiger ist als der Intelligenzquotient. Deshalb genießt sie ihre buddhistische Diät, auch wenn die erst im nächsten Leben wirkt. Immerhin hat sie privat vorgesorgt für die Rente – mit 15 Kilo Gewicht.

Lizzy Aumeier und ihre Sandkastenbekanntschaft Erich als Kommissar demonstrierten wie ein moderner Tatort auszusehen hat. Foto: Klaus Gagel

Ältere Frau und jüngerer Liebhaber, das würde auch Lizzy Aumeier gefallen. Doch ihr Auserwählter wollte nichts Festes. „Und da wären ihre Oberschenkel doch genau das Richtige.“

Geigerin der Extraklasse

Mit anderen Worten: Die Ulknudel haut einen Gag nach dem anderen raus, was dem begeisterten Publikum keine Zeit zum Luftholen lässt. Aber da ist ja auch noch die ehemalige Stipendiatin des Bayerischen Rundfunks, die am Meistersinger-Konservatorium Nürnberg mit sehr gutem Erfolg Kontrabass studiert hat. Mit Svetlana Klimova, der ehemalige Konzertmeisterin der Moskauer Symphoniker an der Geige, liefert sie sich einen musikalischen Zweikampf, der es in sich hat. Allein bei Antonio Vivaldis „Vier Jahreszeiten“ legt Svetlana mit ihrer Geige furioso los, was Lizzy entgeistert fragen lässt: „Was war denn das? Ein Tornado über Oberfranken!“

Politiker-„Blablabla“

„Was kommt denn da auf uns zu?“, „Wer regiert uns eigentlich?“, mit diesen Fragen zieht Lizzy über die Lobbyisten aus der Industrie und die Politiker her. Alexander Dobrindt, Horst Seehofer, Alice Weidel, die AfD-Fraktionschefin, bekommen ihr Fett weg. „Kasperle for president“, singt das Publikum begeistert als Refrain, während Lizzys Ehemann Andreas Stock als Politprofi der verschiedenen Parteien „Blablabla“ verkündet.

Auch die Tatort-Sendungen im Fernsehen leiden unter angeschlagenen Charakteren. Entweder sind die Kommissare posttraumatisch gestört oder sie haben Probleme, weil sie saufen. Oder sie haben eine Lactose-Intoleranz. Lizzy fragt: „Warum gibt es eigentlich keinen Kommissar, der fit ist, der sich sein Power-Müsli reingeschmissen hat und sich auf die nächste Leiche freut?“

In der Rolle einer Leiche

Als Kontrastprogramm begibt sich Lizzy Aumieier in die Rolle einer weiblichen Leiche, die von ihrem Kindheitsfreund Erich, dem „Kommissar“, aufgefunden und untersucht wird. Die Leichenschau („wo hab' ich denn noch Pulsadern?“, will Lizzy mit Blick auf ihre Oberschenkel wissen) bestätigt den Exitus.

Inzwischen hat Rentner Leopold Probleme mit seinen Füßen bekommen und muss seinen Schuh ausziehen. Denn wenn man älter wird, häufen sich eben die Wehwehchen. Macht nichts, schließlich gibt?s ja „Tinder“, die App für Partnersuche auch für Ältere. Da lernen auch die Jungen wie die 17-jährige Chemielaborantin aus der fünften Reihe was fürs Alter. Was ist Altfranzösisch? Da ist Französisch nur ohne Zähne. „Schatz, wenn ich sterben würde, würdest du dann mit anderen schlafen?“ „Dafür musst du nicht sterben.“

Lang anhaltender Applaus, standing ovation und rhythmisches Klatschen verabschiedeten die drei Künstler, die mit einem „So ein Tag, so wunderschön wie heute“ auf die Heimreises geschickt wurden.