OBERREUTH/TRÜBENBACH

Straße Oberreuth-Trübenbach: Eine Frage des Blickwinkels

Teilweise sind die Löcher knöcheltief: Weidhausens Bürgermeister Markus Mönch weiß um den schlechten Zustand der Straße zwischen Oberreuth und Weidhausen. Seine Gemeinde aber brauche die Straße eigentlich nicht, sagt er. Foto: Markus Drossel

Es ist eine schmale, nicht einmal zwei Kilometer lange Straße zwischen zwei kleinen Orten, die die Gemüter erregt und für kontroverse Diskussionen sorgt. Die einen ärgern sich, dass die Gemeindeverbindungsstraße zwischen Oberreuth und Trübenbach in einem überaus schlechten Zustand ist. Die anderen befürchten, dass die Route nach einer Sanierung für noch mehr Verkehrsteilnehmer zur attraktiven Abkürzung werden könnte. Mitten durch ein Naherholungsgebiet.

Konkret ist es Siegfried Engelhardt aus Lettenreuth, der in der Redaktion des Obermain-Tagblatts anruft und sich am Lesertelefon über den Zustand der genannten Straße ärgert. Es ist weniger der Bereich, der in die Zuständigkeit der Gemeinde Michelau fällt, sondern der 930 Meter lange Part im Hoheitsgebiet der Gemeinde Weidhausen. „Seit 50 Jahren wird hier Flickschusterei betrieben“, schildert er dem Redakteur. „Mittlerweile ist es unter aller Sau, ein Loch nach dem anderen. Ich kann da nur noch den Kopf schütteln.“

Nicht, dass Engelhardt nach eigener Aussage nicht schon mehrfach bei Landkreisstellen in Lichtenfels und Coburg sowie in der Weidhäuser Gemeindeverwaltung vorgesprochen habe. Der Erfolg aber blieb aus. „Diese Straße wird längst nicht nur von Michelauern genutzt, sondern auch von Redwitzern und Marktgraitzern und weiteren.“ Und alle würden sich über Weidhausen ärgern.

Unmissverständlich: Die Fahrzeuge dürfen maximal 7,5 Tonnen schwer sein, die die Gemeindeverbindungsstraße nutzen. Foto: Markus Drossel

Vor Ort mit dem Bürgermeister

„Dass die Straße in desolatem Zustand ist, steht außer Frage und daran gibt es keinen Zweifel“, sagt Weidhausens Bürgermeister Markus Mönch (parteilos), der sich für einen Vor-Ort-Termin mit dem Obermain-Tagblatt Zeit genommen hat. „Und natürlich stopfen wir seit vielen Jahren immer nur die Löcher. Aber das hat seinen Grund.“

„Zu 90 Prozent dient diese Straße als Verbindung zwischen Lettenreuth, Oberreuth beziehungsweise Michelau und Redwitz beziehungsweise Marktgraitz.“
Markus Mönch, Bürgermeister Weidhausen

Der Hauptgrund: Die Gemeindeverbindungsstraße wird, wie es auch OT-Leser Engelhardt beschreibt, als Abkürzung benutzt. Doch nicht, um dann weiter in den Landkreis Coburg zu fahren, sondern um wieder in den Kreis Lichtenfels zu gelangen. Beispielsweise von Leuten, die in Michelau arbeiten und nach Redwitz wollen. Und dann, statt die Staats- und Kreisstraßen, lieber den um wenige Kilometer kürzeren Weg durch das Weidhausener Naherholungsgebiet und durch den 230-Einwohner-Ort Trübenbach nehmen. Oder auch von Fahrern von schweren Lastern, denen das Navi diese Route anzeigt, weil sie nicht durch Marktzeuln fahren dürfen. Selbst der Werksverkehr von Firmen aus dem Landkreis Lichtenfels entdeckte diese Strecke für sich. Das alles ärgert Markus Mönch gewaltig.

„Eigentlich bräuchte die Gemeinde Weidhausen diese Straße nicht“, sagt Bürgermeister Markus Mönch. Foto: Markus Drossel

„Wir haben in der Gemeinde Weidhausen in Sachen Straßensanierungen großen Nachholbedarf, darunter große, viel befahrene Straßen. Aus diesem Grund haben wir vor vier bis fünf Jahren ein Straßensanierungskonzept erstellt“, so der Bürgermeister. Und darin hat die Gemeindeverbindungsstraße Oberreuth-Trübenbach definitiv keine Priorität.

Ein Fass ohne Boden

„Fünf- bis sechsmal pro Jahr flickt unser Bauhof die Löcher, doch das hält eben nur zeitlich begrenzt. Das liegt zum einen an zu schweren Fahrzeugen, zum anderen am zu schnellen Fahren.“ 30 Stundenkilometer waren bislang zulässig, das Gros der Autofahrer hat weit mehr auf dem Tacho. So auch beim Vor-Ort-Termin mit dem Bürgermeister. Obwohl die Schilder „Straßenschäden“ eigentlich Warnung genug sein sollten. Deshalb gelten seit Freitagmorgen 20 Kilometer pro Stunde.

Wohlgemerkt: Der Landwirt darf hier fahren. Kommt ihm jedoch ein Auto entgegen, wird es eng auf der schmalen Straße. Foto: Markus Drossel

Solider Straßenunterbau fehlt

Kommt ein Fahrzeug entgegen, müssen die Verkehrsteilnehmer in die Randbereiche ausweichen. Kein Wunder also, dass es vor allem die unbefestigten Randbereiche sind, die ausbrechen und mittlerweile teils 20 Zentimeter unter dem Niveau der Straßenmitte liegen. Und dass die Gräben, die eigentlich für die Entwässerung sorgen sollten, längst nicht mehr existieren. Alles in allem wird das Löcherstopfen zum Fass ohne Boden. Zumal ein solider Straßenunterbau fehlt.

Die Straßenränder brechen aus

Vorsicht, Straßenschäden: Maximal 30 Stundenkilometer sind erlaubt. Foto: Markus Drossel

„Klar müssen wir für die Verkehrssicherheit sorgen. Darüber hinaus aber prüfen wir auch, was rechtlich möglich ist, um die Situation zu lösen.“ Möglicherweise lässt die Gemeinde die Straße fräsen, aufschottern und neu verdichten. „Für die Landwirte würde das genügen. Und die Gemeinde Weidhausen bräuchte diese Straße eigentlich nicht, da es genug Alternativen gibt.“ Und vielleicht wird die zulässige Geschwindigkeit noch mehr reduziert. Und dann die Polizei vor Ort geholt wird.

„Zu 90 Prozent dient diese Straße als Verbindung zwischen Lettenreuth, Oberreuth beziehungsweise Michelau und Redwitz beziehungsweise Marktgraitz.“ Die Autokennzeichen beim Vor-Ort-Termin beweisen, dass Mönch recht hat: Die meisten Fahrzeuge haben LIF auf dem Nummernschild, kommen aus dem Kreis Lichtenfels und fahren dorthin zurück. Über das kleine Trübenbach.

„Als die Rodachbrücke bei Marktzeuln gesperrt war, war es besonders schlimm. Da haben wir den Verkehr dann auch mal gezählt: Es waren 500 bis 600 Fahrzeuge am Tag“, so Mönch.

Tiefe Schlaglöcher prägen die Asphaltschicht. Foto: Markus Drossel

Ein Fall für die Landkreise?

Bei der jüngsten Sitzung des Bauausschusses der Gemeinde Weidhausen kam übrigens der Vorschlag, das Anliegen Straßensanierung an die Landkreisverwaltungen heranzutragen. Genau das tat auch diese Redaktion. Die Antwort aus der Pressestelle des Landkreises Lichtenfels ist unmissverständlich: „Landkreise sind in der Baulast nur für Kreisstraßen zuständig.“

Die Straßenränder bröckeln. Foto: Markus Drossel

Und die Gemeinde Michelau? „Am Ende von Oberreuth endet die Gemeindegrenze und die Landkreisgrenze“, sagt Erster Bürgermeister Helmut Fischer. „Und wenn die Gemeinde Weidhausen der Meinung ist, dass sie die Sanierung nicht alleine schultern kann, muss sie an andere Institutionen herantreten.“ Eben an den Landkreis Coburg.

Einst als Feldweg angelegt: zur Geschichte der Straße

Bis 1972 war Trübenbach eigenständig und gehörte zum Landkreis Lichtenfels. Zu dieser Zeit wurde die Straße zwischen Oberreuth und Trübenbach auch angelegt, jedoch als normaler Feldweg mit 3,50 Meter Breite.

Gerade einmal ein Kilometer Straße liegt zwischen Trübenbach und Oberreuth. Foto: Markus Drossel

Später, als Trübenbach schon in die Gemeinde Weidhausen eingegliedert war und damit auch zum Landkreis Coburg gehörte, wurde die Straße hochgestuft zur Gemeindeverbindungsstraße. Auf den Feldweg wurde, ohne Unterbau, eine Asphaltschicht aufgezogen.

Der Verkehr nahm auf dieser Straße immer mehr zu. In den 1990-er-Jahren dann beabsichtigte die Gemeinde Weidhausen eine grundlegende Sanierung. Da der Ort jedoch zu diesem Zeitpunkt kein Zonenrandgebiet mehr war, gab es keine Förderungen für die geschätzten Kosten von einer Million D-Mark.

Und so war der Beschluss des Gemeinderats im März 1995 eindeutig: Die Räte stimmten mit 15:0 dafür, dass die Straße nicht saniert wird. Nicht jetzt und auch bis auf Weiteres nicht.