MARKTZEULN

Gemeinderat: „Allianz B 303“ ohne Marktzeuln

Gemeinderat: „Allianz B 303“ ohne Marktzeuln
Marktzeuln möchte nicht der "Allianz B303" beitreten, da zu wenig Gemeinsamkeiten mit den Kommunen im östlichen Landkreis Coburg bestehen. Foto: Gerda Völk

Wie viele Gemeinsamkeiten hat Marktzeuln mit den Gemeinden Ebersdorf, Sonnefeld und Weidhausen im östlichen Landkreis Coburg? Eine Frage, mit der sich die Gemeinderäte in ihrer Sitzung am Montag auseinandersetzen mussten. Hintergrund ist eine Anfrage der Bürgermeister aus den drei Kommunen, die eine interkommunale Zusammenarbeit im Rahmen der Ländlichen Entwicklung anstreben.

„Für uns ist ab Lettenreuth Ausland, das ist ein anderes Land.“
Helmut Kießling, Gemeinderat

Vorangegangen waren die Bemühungen der drei Coburger Kommunen um ein gemeinsames Mittelzentrum, die allerdings scheiterten. Jetzt planen Sonnefeld, Ebersdorf und Weidhausen, unter dem Begriff „Allianz B 303“ enger zusammenzuarbeiten. Ihr Argument ist der Verlauf der Bundesstraße 303 als verbindendes Element. „Um dieser ,Allianz B 303‘ mehr Schlagkraft zu verleihen, wurde bei den im Landkreis Lichtenfels liegenden Gemeinden Michelau, Marktzeuln, Marktgraitz und Redwitz angefragt, ob sie nicht dieser Allianz beitreten wollen“, erklärte Bürgermeister Gregor Friedlein-Zech (FWM).

Keine Anknüpfungspunkte

Grundsätzlich seien interkommunale Kooperationen zu begrüßen, stellte der Bürgermeister fest. Jedoch sah er keine Anknüpfungspunkte für Marktzeuln, weder in der Geschichte, noch im kirchlichen und schulischen Bereich. Auch im Bereich von Wasser, Abwasser, Sport, Tourismus und Freizeit gebe es keine Berührungspunkte. Eine interkommunale Zusammenarbeit sei daher nur sehr schwer vorstellbar.

Tendenziell sei eine engere Zusammenarbeit nur sinnvoll mit weiteren Gemeinden des Landkreises Lichtenfels wie Hochstadt (Verwaltungsgemeinschaft), Redwitz (Schule, Schwimmbad), Burgkunstadt, Altenkunstadt, Weismain (Schulstandort, Freibad, Kordigast), Michelau (Abwasserzweckverband, Hallenbad) und der Kreisstadt Lichtenfels mit ihren Einkaufsmöglichkeiten und ihrem Angebot an Freizeitgestaltung. Zudem werde die Verwaltung durch die Planung weiterer Kooperationen nur zusätzlich belastet. Die Maßnahmen des eben erst angelaufenen Integrierten städtebaulichen Entwicklungskonzepts (ISEK) hätten auf jeden Fall Priorität, erklärte der Bürgermeister. Daher sei eine Teilnahme des Marktes Marktzeuln an einer Informationsveranstaltung am 28. Februar in der Domäne in Sonnefeld nicht notwendig. Auch die Gemeinde Michelau habe der Allianz bereits eine Absage erteilt.

Zu diesem Thema gab es kaum Diskussionsbedarf. Darüber war sich das Gremium über Parteigrenzen hinweg einig und erteilte der „Allianz B 303“ eine Absage. Helmut Kießling, der auch langjähriges Mitglied im katholischen Pfarrgemeinderat ist, brachte es, wie schon bei einer früheren Entscheidung zur kirchlichen Zusammenarbeit geschehen, auf den Punkt: „Für uns ist ab Lettenreuth Ausland, das ist ein anderes Land.“ Aus der gemeinsamen Historie ist nur ein Vorfall belegt, der sich im Herbst 1528 ereignete. Damals wurden Zeuln und Graitz von sächsisch-coburgischen Truppen besetzt, um gewaltsam eine protestantische Kirchenvisitation in beiden Pfarreien vorzunehmen.

Eine reine Formsache war die Aufhebung des Bebauungsplanes „Vordere Heuern“ in Marktzeuln. Dieser geht auf einen Beschluss des Gemeinderats vom 9. Oktober 2017 zurück.