REDWITZ

Fledermauswanderung: Mit dem Bat-Recorder im Biotop

Gerhard Hübner zeigte den Exkursionsteilnehmern eine Langohrfledermaus, die offenbar durch giftige Holzschutzmittel zu Tode kam. Foto: Andreas Welz

Den Geheimnissen der Fledermäuse auf der Spur war Sonntagnacht eine Gruppe von Naturfreunden an den Teichen bei Redwitz. Unter der sachkundigen Leitung von Gerhard Hübner, Ansprechpartner für Fledermäuse in der Kreisgruppe Coburg des Landesbundes für Vogelschutz, konnten die rund 40 Teilnehmer sogar den Ruf der Fledermaus hören. Mit einem Ultraschall-Detektor entdeckten sie verschiedene Arten.

Fledermaus ist nicht gleich Fledermaus, erfahren die Teilnehmer. Das fängt bei der Größe an – von der winzigen Zwergfledermaus bis zum vorwiegend auf Laufkäfer spezialisierten Großen Mausohr mit einer Spannweite von rund 40 Zentimetern. Die Zwergfledermaus mit ihren zwitschernden Rufen ist weniger als fünf Gramm schwer, ruft aber am lautesten.

Vom Bauhof in Redwitz führte der Nachtspaziergang zu den Biotopen an den Baggerseen. Dicht über der Wasseroberfläche strichen die Wasserfledermäuse, tauchten kurz ein, wenn sie das Beutetier mit den Füßen schnappten. Die rund zehn Kinder waren begeistert. Sie trugen abwechselnd den Bat-Recorder, der alle Rufe der Nachtsegler aufnahm. Die Rufanalyse auf dem Laptop ergab, dass noch drei weitere Arten in dieser Nacht unterwegs waren: Die Mücken-, die Rauhautfledermaus und sogar eine Mopsfledermaus, eine stark gefährdete Art, die äußerst selten vorkommt.

Sehr soziale Tiere

Mit allerhand Informationen würzte Hübner die Exkursion, erzählte beispielsweise von den „Wochenstuben“, den Quartieren, in denen sich die trächtigen Fledermausweibchen zusammenfinden, um ihre Jungtiere zur Welt zu bringen. Die „soziale Thermoregulation“ habe dabei eine große Bedeutung. Die Mütter rücken eng zusammen, wärmen sich so in Schlechtwetterperioden gegenseitig. „Das zeigt, dass Fledermäuse auch sehr soziale Tiere sind“, betonte Hübner. Die Fledermaus-Flugwege beeinflussen auch den Bau von Straßen und Windkrafträdern, nannte er einen weiteren Aspekt, wie das Wissen um die Lebensweise der Tiere Anwendung findet.

„Ihren schlechten Ruf haben Fledermäuse zu Unrecht. Es sind wunderbare, faszinierende Tiere“, so der Vogelkundler. Sie hätten weder etwas mit Mäusen noch mit Vögeln zu tun – und mit einem Graf Dracula seien die Tiere, entgegen sich hartnäckig haltender Mythen, auch nicht verwandt. Gerhard Hübner räumte mit derlei Vorurteilen auf. Die hiesige Flora und Fauna ist ihm vertraut. Hübner ist tätig im Landschaftspflegeverband des Landkreises Lichtenfels, betreut das Projekt „Weidelandschaft Obermain“.

„Unsere Fledermäuse benötigen gezielte Schutzmaßnahmen, wenn ein weiterer Bestandsrückgang oder gar das Aussterben besonders bedrohter Arten verhindert werden soll.“
Gerhard Hübner, Kreisgruppe Coburg des Landesbunds für Vogelschutz

Die Exkursionsteilnehmer lernten, dass unsere heimischen Fledermäuse größtenteils in ihrem Bestand gefährdet und ausnahmslos geschützt sind. Von den 24 Arten in Bayern lebten allein in der Region Coburg-Lichtenfels 17 Arten. Sie ernähren sich ausschließlich von Insekten und Spinnentieren und halten bis zu fünf Monaten Winterschlaf. Dabei sinkt ihre Körpertemperatur auf wenige Garde über Null ab.

„Unsere Fledermäuse benötigen gezielte Schutzmaßnahmen, wenn ein weiterer Bestandsrückgang oder gar das Aussterben besonders bedrohter Arten verhindert werden soll“, unterstrich Hübner. Dieses Ziel könne über die Aufklärung der Bevölkerung und praktische Rücksichtnahme bei Renovierungsarbeiten erreicht werden. Fledermäuse schützen hieße, eine Landschaft mit der lebensnotwendigen Vielfalt an Biotopen zu erhalten oder wiederherzustellen. Er warnte vor dem Einsatz von lindanhaltigen Anstrichen, die ohnehin verboten seien. Durch giftige Holzschutzmittel in Dachstühlen sterben immer wieder die kleinen Flattermänner. Dabei zeigte er eine Fledermaus, die offenbar auf diese Weise zu Tode kam.

KINA - Manche fliegen weit zum Schlafen
Auch das Braune Langohr lebt in der Region Coburg-Lichtenfels. Foto: Fredrik von Erichsen/dpa

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