MARKTZEULN

Lesertelefon: Laster-Irrfahrten im Wohngebiet

Immer wieder fahren sich Schwerlastgespanne im Wohngebiet „Am Berglein“ fest. Foto: Jutta Stark

„Am Berglein“ am Ortsrand von Marktzeuln ist ein schönes, vor allem normalerweise ruhiges Wohngebiet. Ein Paradies für junge Familien, unweit der Rodach, mit großem Kinderspielplatz. Seit die Rodachbrücke jedoch saniert wird, ist es vorbei mit dem dörflichen Idyll. In schöner Regelmäßigkeit fahren schwer beladene Laster durch die sich bergauf windenden Straßen – und fahren sich am Ende fest.

Im Namen der Anwohner hat sich Jutta Stark an die Redaktion des Obermain-Tagblatts gewandt. „Dass sich immer wieder schwere Laster in unser Wohngebiet verirren, ärgert uns Anwohner sehr“, schildert sie. „Das ist auch sehr gefährlich!“ Zumal die Lasterfahrer rückwärts den Berg wieder hinunter fahren müssen, da es in diesem Wohngebiet keine Wendemöglichkeit gibt. Auch Blechschäden habe es beim Rangieren schon gegeben, so Stark. Bei der Gemeindeverwaltung habe sie schon mehrfach vorgesprochen und auch die Polizei informiert.

Im Vertrauen auf das Navi

Ist vielleicht die Kennzeichnung der Ausweichstrecke fehlerhaft? „Die Beschilderung der Umfahrung ist von allen beteiligten Behörden genauestens geprüft und kann bei Beachtung eigentlich nicht zu solchen Manövern führen“, meint Polizeihauptkommissar Jürgen Hagel von der Polizeiinspektion Lichtenfels. Er selbst habe die Beschilderung mit einem Kollegen aus dem Verkehrsbereich kontrolliert. Die Polizei vermutet, dass das blinde Vertrauen auf die Navigationsgeräte der Hauptgrund für die Misere ist: „Viele Verkehrsteilnehmer beachten mehr das Navi als die Verkehrszeichen.“

Tonnagenbeschränkung ignoriert

Hinzu kommt wohl auch, dass seit Jahren die Tonnagenbeschränkung im historischen Kern Marktzeulns einfach ignoriert wird. Mitte Oktober 2015 wurde der Schwerlastverkehr von mehr als zwölf Tonnen Gesamtgewicht aus 'Zeuln verbannt. Doch das wird gerne ignoriert (auch das war schon Thema beim OT-Lesertelefon), ebenso wie eben nun auch die Sperrschilder der Rodachbrückensanierung. Dann steht der Lasterfahrer plötzlich vor der Vollsperrung – und biegt mangels weiterer Alternativen nach links ab in die „Quellengasse“ in Richtung „Berglein“. Was die Anwohner in der Folge zur Weißglut bringt.

„Viele Verkehrsteilnehmer beachten mehr das Navi als die Verkehrszeichen.“
Jürgen Hagel, Polizeiinspektion Lichtenfels

„Seit Beginn der Baustelle hat die Polizeiinspektion Lichtenfels zwei Kleinunfälle beim Rangieren mit Sachschaden aufgenommen“, erläutert Jürgen Hagel. „Wir haben natürlich von den ,verirrten‘ Lastern Kenntnis. Die Situation vor Ort wird sowohl vom zuständigen Kontaktbereichsbeamten als auch von den übrigen Streifen temporär überwacht.“ Bei einigen Kontrollen seien auch entsprechende Verkehrsteilnehmer gebührenpflichtig verwarnt worden.

Norbert Schmitt vom Staatlichen Bauamt Bamberg sieht ebenfalls keine Fehler in der Informationspolitik. Rechtzeitig und immer wieder sei auf die monatelange Sperrung hingewiesen worden.

Die Beschilderung sei ausreichend und richtig, betont er. „Insbesondere die Untere Verkehrsbehörde am Landratsamt Lichtenfels sieht keine Defizite und derzeit auch keine Verbesserungsmöglichkeiten.“ Allenfalls könnte der Markt Marktzeuln ein Hinweisschild mit der Aufschrift „letzte Wendemöglichkeit“ aufstellen, rät er. Auch Schmitt gibt der Ignoranz und der „Navi-Hörigkeit“ der Fahrer die Hauptschild am Ärgernis.

Große Hinweisschilder aufgestellt

„Der Markt Marktzeuln hat als Ultima Ratio in der Auffahrt zum Baugebiet ,Berglein' eine Warnbake mit dem Hinweis ,keine Wendemöglichkeit' aufgestellt“, sagt Stephan Schneider, Geschäftsstellenleiter der Verwaltungsgemeinschaft Hochstadt-Marktzeuln, dieser Redaktion. „Wir hoffen, dass damit auch die letzten ignoranten Fern- beziehungsweise Schwerverkehrsfahrer vom Befahren der Ortsstraße ,Am Berglein' abgehalten werden und gleichfalls der Lieferverkehr für Anlieger dieser Straße nicht vergrämt wird.“

Norbert Schmitt vom Staatlichen Bauamt rät: „Laster, die sich in die Quellengasse verirrt haben, haben eine letzte sinnvolle Wendemöglichkeit auf Höhe des Sportplatzes.“ Wer trotzdem weiterfährt, dessen verkehrsrechtlich illegale Irrfahrt endet dann definitiv im Wohngebiet.

Eigentlich nicht zu übersehen und schwer zum Umkurzen: Die Warnschilder, die die Gemeinde Marktzeuln aufstellen lassen hat. Foto: Markus Drossel