MICHELAU

Bild des Monats: Wenn Fotografen Rot sehen

Ein Glückstreffer: Zum Thema „Rot in der Natur“ gelang es Herbert Steiner, eine leuchtend rote Feuerlibelle abzulichten. Die Art wandert in heißen Sommern in Deutschland sporadisch aus den Mittelmeerländern ein. Foto: Herbert Steiner

Keine andere Farbe hat eine so explosive Wirkung wie die Farbe Rot. Es ist die „schreiendste“ aller Farben. Sie springt uns regelrecht an. Rot steht für Begriffe wie Blut und Feuer, aber auch im übertragenen Sinn für Wut und Liebe ebenso wie für die roten Fahnen der Revolution. In der Werbung behauptet sich rot vor allen anderen Farben und auch in der Natur hat sie ihren Platz als Warnfarbe oder als dominierende Farbe zahlloser Blüten. „Rot in der Natur“ lautete deshalb das Pflichtthema mit dem sich die Michelauer Fotofreunde in ihrem Juni-Wettbewerb auseinandersetzen mussten.

Allein 24 der 38 eingereichten Aufnahmen entstammten der Pflanzenwelt. Die übrigen Aufnahmen waren der Tierwelt zuzuordnen, soweit es sich nicht um malerische Sonnenuntergänge handelte. Bemerkenswert war, dass am Ende die Aufnahme einer Libelle das Rennen für sich entschied. Herbert Steiner hatte das Glück, eine knallrote Feuerlibelle zu fotografieren. Das prachtvolle Insekt ist in den Mittelmeerländern, in Asien und Afrika weit verbreitet. An einem heißen Julitag 2015 wurde das Exemplar von einem warmen Südwind über die Alpen getragen. So gesehen war es ein Glückfall, einen dieser seltenen Einwanderer vor die Linse zu bekommen. Doch nicht der Seltenheitswert der Aufnahme gab den Ausschlag für die Spitzenplatzierung, sondern die tadellose Bild- und Farbgestaltung, die den Meister an der Kamera verriet.

Angesichts dieses „Glücksschusses“ musste sich Klaus Gagel mit dem zweiten Platz begnügen. Er punktete mit einer Makoaufnahme, bei der er Stempel und Staublätter einer roten Amaryllisblüte vor einem schwarzen Hintergrund perfekt ins Bild gesetzt hatte.

Überaus skurril mutete das Portrait eines Glattnackenrapp an, mit dem sich Peter Hartmann Platz drei sicherte. Der Schnabel und der nackte Hinterkopf der seltenen Ibisart sind leuchtend rot. Aufgenommen wurde der afrikanische Vogel im Vogelpark Walsrode.

Angesichts des außergewöhnlichen Aussehens des exotischen Vogels wurde ein krähender Zwerghahn, mit dem sich Herbert Steiner einen weiteren Preis sicherte, auf den vierten Platz verwiesen. Das schreiende Rot dient bei Vögeln als „Schlüsselreiz“ und fordert andere Männchen in der Paarungszeit zu Kämpfen heraus. Auch als Mensch sollte man sich mit einem von Testosteron strotzenden Kampfhahns besser nicht anlegen. Ein schönes Beispiel dafür, wie die Farbe rot in der Natur für Aggression steht.

Viel Ruhe verströmte dagegen ein beeindruckender Sonnenuntergang, den Marlis Völker von ihrem Küchenfenster aus aufgenommen hatte. Die Silhouette von Kloster Banz vor einem glutroten Himmel mit der mächtigen untergehenden Sonne setzt allerdings ein größeres Teleobjektiv voraus, damit der Sonnenball bildbeherrschend in Erscheinung tritt. Belohnt wurde Marlis Völker mit einem fünften Platz.

Nächste Runde am 6. Juli

Das nächste Bild des Monats wird am Freitag, 6. Juli, gewählt. Die Fotofreunde treffen sich dazu um 20 Uhr im Vereinszimmer im Kulturhaus in Neuensee. Diesmal ist das Thema frei. So können sich auch Gäste als Zuschauer oder außer Konkurrenz als Teilnehmer beteiligen. Benötigt werden vier digitale Bilddateien, die von der unabhängigen Jury bewertet werden.

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