MARKTGRAITZ

Ziegen weisen Verbuschung in die Schranken

Teamwork bei den Ziegen: Die langen Robinienruten werden heruntergezogen, so dass mehrere hungrige Mäuler an die grünen ... Foto: Gerhard Hübner

Der markante Steilhang unter dem Gipfelkreuz des Bergleins bei Marktgraitz steht im Fokus des Landschaftspflegeverband Landkreis Lichtenfels (LPV). Der Hang wurde bereits vor vielen Jahren erstmalig freigestellt und soll dauerhaft offen bleiben.

Das extrem steile Gelände und der starke Verbuschungsdruck, vor allem durch Robinien, stellen große Herausforderungen dar. Der Hang sei erst im vergangenen Herbst mühevoll von einem Landschaftspflegetrupp komplett nach entbuscht worden, heißt es in einer Pressemitteilung des LPV. Doch heuer hätten die Neuaustriebe, begünstigt durch die regenreiche Witterung, wieder Höhen von über zwei Metern erreicht und ein fast undurchdringliches Dickicht im Westteil der Fläche gebildet.

Vierbeiner besser als Zweibeiner

Mit dem BayernNetzNatur-Projekt (BNN) „Weidelandschaft Obermain“ habe nun eine alternative Pflege- und gleichzeitig echte Nutzungsform durch Ziegenbeweidung realisiert werden können, um diese Probleme in den Griff zu bekommen. Die vierbeinigen Landschaftspfleger sind laut LPV für dieses Gelände viel besser geeignet als Zweibeiner mit Astscheren und Motorsensen. Letztere hätten tatsächlich schon nach speziellen Bergschuhen mit Stahlnägeln angefragt, um bei ihrer Arbeit nicht abzurutschen.

Dem Projektleiter Gerhard Hübner war an einer schnellen Umsetzung der Beweidung gelegen. Noch seien die fiesen Dornen der Robinie weich und die Austriebe nicht allzu hoch gewesen. Im kommenden Jahr hätte sich die Situation weiter verschärft.

Hohe Förderung

Um einen Ziegenhalter für diese Aufgabe zu gewinnen, musste laut Hübner eine feste Einzäunung des Gesamtareals her. Niemand würde sich mehr finden, das schwierige Gelände parzellenweise mit Zaunnetzen abzustecken und umzusetzen. Die knapp bemessenen Landschaftspflegesätze reichten in solchen Fällen gerade mal für die tägliche Betreuung der Tiere und die Zaunkontrollen aus. Das BNN-Projekt sei insofern ein Glücksfall, da über dieses die Zaunbaumaßnahme mit einer 85 Prozent-Förderung über den Bayerischen Naturschutzfonds aus Erträgen der Glücksspirale habe finanziert werden können.

Der LPV habe mit Daniel Stief schließlich einen versierten und in der Landschaftspflege erfahrenen Umsetzungspartner gefunden, berichtet der Projektleiter. Er komme aus Buckendorf und sei bislang vor allem im Bamberger Jura bei Weideprojekten tätig gewesen. Im Raum Lichtenfels werde er neben dem Berglein weitere Beweidungsaufträge übernehmen, wie zum Beispiel an der Burgruine Niesten bei Weismain. Am Berglein habe er momentan 30 Burenziegen und einen Bock eingestellt. Die Tiere des anerkannten Herdbuchzüchters seien in aller Welt gefragt und bereits nach Afrika, in die Karibik und sogar nach Nordkorea verkauft worden. Daneben versorge er vor allem um Ostern die heimische Gastronomie mit Zickleinfleisch. Zudem verriet Stief, dass bei einigen anstehenden Kirchweihfesten Bocksbraten aus seiner Zucht als Spezialität angeboten wird.

Das ganze Projekt stehe unter kritischer Beobachtung der Bürger vor Ort. Schließlich sei in der Vergangenheit bereits zweimal versucht worden, eine dauerhafte Ziegenbeweidung zu etablieren, die nicht zum gewünschten Erfolg führte und wieder aufgegeben wurde. Nun seien die Voraussetzungen anders.

Zufrieden mit Zwischenergebnis

Erster Bürgermeister Jochen Partheymüller und sein Stellvertreter Georg Bülling machten sich gemeinsam mit dem Geschäftsleiter des LPV, Manfred Rauh, und BNN-Projektleiter Gerhard Hübner ein Bild vor Ort und seien mit dem Zwischenergebnis nach 14-tägiger Beweidung sehr zufrieden gewesen.

Die Gemeinde als Grundeigentümer habe ein Interesse daran, dass vom Berglein der Ausblick in das Steinach- und Rodachtal gewahrt bleibe und umgekehrt der offene Steilhang als markantes Wahrzeichen von Marktgraitz von Ferne wahrgenommen werde, so der LPV. Die Offenhaltung des Hangs sei zudem ein wichtiger Beitrag zur Erhaltung und Wiederherstellung der Biodiversität, für die auch die Kommunen in der Verantwortung stünden. Auf dem speziellen Trockenlebensraum mit seinen Felsköpfen kämen gefährdete Arten wie der Warzenbeißer, eine seltene Heuschreckenart, vor. Auch der Kleine Schlehen-Zipfelfalter sei heuer dort beobachtet worden. Er sei auf niedrige Schlehenaustriebe als Eiablageplatz spezialisiert, die sich durch kontinuierlichen Beweidungsverbiss zu „Krüppelschlehen“ entwickeln und dann ideale Lebensraumstrukturen für eine dauerhafte Etablierung der Falterpopulation bieten.

Die Ziegen hätten ihre Vorliebe für die saftigen Robinienblätter entdeckt und schälen gerne die Rinde von den Ruten. Beste Voraussetzungen, um die Problempflanze dauerhaft zurückzudrängen, betont Hübner. Der Bestand sei bereits deutlich ausgelichtet, die Felsköpfe seien wieder erreichbar.

Unerwünschte Robinien

Robinien gehören zu den Schmetterlingsblütlern, die wie andere Leguminosen über ihre Wurzeln Stickstoff im Boden anreichern und aufdüngen. Auf Naturschutzflächen ist das unerwünscht. Denn langfristig werden dadurch konkurrenzschwache seltene Pflanzen wie die Kalkaster, die an den Hängen des benachbarten Dollteich noch massig vorkommt, verdrängt und stickstoffliebende Arten wie die Brennessel gefördert. Daher müsse sie zurückgedrängt werden, heißt es in der Pressemitteilung. Doch die Robinie zeige besonders am Berglein momentan noch eine enorme Regenerationskraft über Wurzelausläufer, die vom früheren dortigen Baumbestand stammten. Um diese zu brechen, brauche es längere Zeiträume, in denen die Ziegenbeweidung kontinuierlich und konsequent fortgeführt werden müsse. Positive Ergebnisse aus ähnlichen Weideprojekten, wie etwa an den Saalehängen in Sachsen-Anhalt, stimmten den LPV optimistisch, dass er am Berglein den richtigen Weg verfolge.

Von einem offenen Felskopf konnten Erster Bürgermeister Jochen Partheymüller (li.) und und sein Stellvertreter Georg Bül... Foto: Heinrich Maisel

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