150 Jahre Schützengesellschaft Michelau

MICHELAU

150 Jahre Schützengesellschaft Michelau

Es hätte ein schönes Jubiläumsfest werden sollen, das am dritten Wochenende im Juni geplant war. Aber wie so viele Veranstaltungen fällt auch die Feier zum 150-jährige Bestehen der Schützengesellschaft Michelau der Pandemie zum Opfer. Die Verantwortlichen des Vereins haben sowohl das Preisschießen als auch das Volksfest abgesagt.

Nichtsdestotrotz ist Zeit für einen Rückblick: Die Gründung der Gesellschaft beziehungsweise des Vorgängervereins erfolgte im Jahre 1871 als „Freudschaftsbund“. Bereits im Jahr darauf, 1872, fand am 29. September das erste überlieferte Schießen in der Gaststätte „Krone“ statt. Wilhelm Wohlfahrt lud dazu ein, offensichtlich der erste Vorsitzende des Bundes. Später fanden die Schießwettbewerbe beim „Fischkorb“ statt, ab 1882 etablierte sich das Schützenfest im Garten von Lorenz Spitzenpfeil (Bastl).

Vom „Freundschaftsbund“ zur „Schützengesellschaft“

Erst 1889 wird der „Zimmerstutzen-Verein“ erstmals erwähnt. Ab 1892 gab es jährlich das Hauptschießen, das während der Kirchweih Anfang August und am Sonntag danach stattfand. Die Schützengesellschaft entwickelte sich ständig aufwärts. Dank einer Gruppe zielstrebiger Männer – Schießen war damals Männersache – trug man zur kulturellen und sportlichen Entwicklung der Gemeinde maßgeblich bei. Das jährliche Schützenfest, das seit 1905 im Juni gefeiert wird, wurde zum festen Bestandteil des Gemeindelebens.

In der Generalversammlung am 5. Februar 1911 wurde beschlossen, zum 40-jährigen Bestehen eine Fahne mit der Aufschrift „Schützengesellschaft Michelau 1871 – 1911“ anzuschaffen. Sie wurde 1993 renoviert und existiert heute noch. Seit 1911 ist auch nur noch von der „Schützengesellschaft“ die Rede; den „Freundschaftsbund“ gibt es nicht mehr. Vorsitzender der 70 Mitglieder war Georg Lorper.

Gasthaus von Wirt Spitzenpfeil wird zur Vereinswirtschaft mit Schießstand

Mit dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges 1914 lag das Vereinsleben lange Zeit brach. Erst am 18. Januar 1919 fand wieder eine Versammlung statt.

Zum 50-jährigen Bestehen gab es 1921 am 5. und 6. Juni ein großes Fest, das – wie in den Annalen vermerkt – „in die Geschichte einging“. Mit Gastwirt Heinrich Spitzenpfeil wurde ein Vertrag geschlossen. Ein Schießstand wurde auf seinem Gelände errichtet, dafür hatte man Veranstaltungen und Versammlungen bei ihm abzuhalten. Viele Schützenfeste folgten, so wird von 1928 berichtet, dass neben einer „Geflügelscheibe“ sogar ein Ziegenbock herausgeschossen wurde. Der Andrang soll laut Chronik erheblich gewesen sein.

Eine Generalversammlung mit zwölf Mitgliedern

Am 5. und 6. Juni 1939 fand ein letztes Schießen statt, bevor wieder ein sinnloser Krieg das Vereinsleben zum Erliegen brachte. 1940 hielten die Schützen eine Generalversammlung mit zwölf Mitgliedern ab, die meisten waren zu dieser Zeit schon im Feld.

Erst am 15. April 1951 trafen sie sich wieder zur Generalversammlung, nachdem die Alliierten die Schützenvereine wieder erlaubt hatten. Der Schießstand wurde hergerichtet, und schon am 3. Juni 1951 gab es das erste Anschießen. Von dieser Zeit an entwickelte sich der Schießbetrieb prächtig und wurde von vielen Erfolgen gekrönt. Bereits 1958 zählte der Verein über 100 Mitglieder. Seit 1969 gibt es bei den Michelauer Schützen auch eine Damenriege, damals angeregt von Albert Karnitzschky.

Großer Bahnhof: Jubiläumsfest vom 6. bis 21. Juni 1971

Ende der 1960-er Jahre befassten sich die Schützen unter der Regie von Oberschützenmeister Lothar Schardt mit der anstehenden 100-Jahr-Feier. 1971 war die erste Jahreshälfte von Vorbereitungen auf das große Jubiläum geprägt. Mit voller Kraft wurde am Schießstand gearbeitet, der Umbau war in Verzug geraten und musste fertig werden. Kurz vor dem Hauptschießen wurden die Arbeiten abgeschlossen. Das Jubiläumsfest fand vom 6. bis 21. Juni mit zahlreichen Höhepunkten wie dem Festkommers und dem großen Umzug statt. Jubiläums-Schützenkönig wurde Albert Karnitzschky.

Zehn Jahre später, das 110-jährige Bestehen stand an, stellte Peter Stamm ein erstes Vereinswappen vor. Verschiedene Entwürfe wurden diskutiert, und schließlich fiel die Entscheidung für das Wappen mit Schießscheibe und Reuse im freundlichen Schützengrün, am unteren Rand der Fränkische Rechen. Es schmückt bis heute Vereinsnadeln, Uniformen und das Schießsportzentrum.

Querelen mit dem Festwirt: SG baut sich ihr eigenes Vereinsheim

Das Jahr 1989 brachte für die SG eine weitreichende Entscheidung. Nachdem einige Querelen mit dem Festwirt bis zu Gerichtsverhandlungen geführt hatten, sprach Oberschützenmeister Peter Stamm im Januar 1989 mit Bürgermeister Herbert Perzel über den Bau einer Schießanlage mit Vereinsheim. Bereits im Februar bestätigte die Gemeindeverwaltung, dass ein Areal nördlich der Mainfeldhalle zur Verfügung gestellt werden könnte.

Dann ging es Schlag auf Schlag. Am 28. April fand ein Planungsvorschlag von Walter Förtsch die Zustimmung des Vorstands, die Finanzierung (500 000 Mark für den ersten Bauabschnitt) war, nicht zuletzt durch viele Spenden, gesichert, und das große Werk konnte beginnen. Auch Gemeinde, Landkreis und die Regierung von Oberfranken stellten Mittel in Aussicht.

Nur durch tatkräftige Unterstützung der Mitglieder möglich

Am Ende sollte sich die gesamte Bausumme mit Außenanlagen auf 1,2 Million Mark belaufen. Ohne 7500 Stunden Eigenleistung der Mitglieder wäre dies ein schwieriges Unterfangen gewesen. Im Juni 1992 war Grundsteinlegung, im selben Jahr stand der Richtfestbaum am Dachfirst. 1994 fanden Königsessen und Kaiserproklamation im neuen Schießsportzentrum statt. Die offizielle Einweihung war am 9. Juni 1996, in dem Jahr, in dem auch das 125-jährige Jubiläum begangen werden konnte.

1998 löste Erwin Köhlerschmidt Peter Stamm als Oberschützenmeister ab. Unter seiner Leitung entstand im Jahr 2000 der 25-Meter- und der 50-Meter-Schießstand. In dieser Zeit holten die Schützen etliche Erfolge mit dem Kleinkalibergewehr bei Gau- und Oberfränkischen sowie bei Bayerischen Meisterschaften.

Seit 2005 wird das Schützenfest in kleinerem Rahmen gefeiert

Das Amt des Oberschützenmeisters ging 2003 an Fritz Turnwald. Das Schützenfest, das bisher auf dem Anger stattgefunden hatte, wurde 2005 auf das Gelände am SSZ verlegt. Auch wenn in etwas kleineren Rahmen gefeiert wird, hat die Veranstaltung nichts von ihrem Charme verloren.

In der Generalversammlung von 2019 dankte Fritz Turnwald ab, Hans-Jürgen Schug wurde Oberschützenmeister. Als 1. Schützenmeister steht ihm Turnwald aber weiterhin mit Rat und Tag zur Seite. 2. Schützenmeister wurde Lorenz Stettner. Natürlich wurde zu dieser Zeit der Blick auf das bevorstehende 150-jährige Jubiläum gerichtet.

Trotz Corona ein optimistischer Blick in die Zukunft

Doch es kam auch für die Michelauer Schützen anders als gedacht. Ein böses, kleines Virus macht alle Planungen zunichte. Auch wenn in diesen Tagen Besserung in Sicht ist und die Inzidenzwerte sinken, versteht man sicherlich, dass das Risiko einer solchen Jubiläumsveranstaltung für die Verantwortlichen zu groß gewesen wäre.

Schützenmeister Fritz Turnwald blickt trotzdem optimistisch in die Zukunft: „Mittwochabend können wir wieder Übungsschießen abhalten, das Vereinsheim kann wieder für Privatfeiern genutzt werden, auch das Anschießen soll am 23. Juni durchgeführt werden.“

Und das Jubiläum? Man kennt die Michelauer als findiges und feierfreudiges Volk, und so wird dies bestimmt zu besseren Zeiten in irgendeiner Form gebührend nachgeholt.