MICHELAU

Einmal "Michlaa" hin und zurück

Typisch fränkisch: Der ICE fährt an „Michlaa“ vorbei. Foto: Klaus Oelzner

In Michelau aussteigen und nach wenigen Schritten in „Michlaa“ ankommen: Die Bahn macht's möglich. Ein bislang (noch) unbekannter Scherzbold hat mit der mundartlichen Stationsbezeichnung der Bahnstation, zu sehen am Eingang von der nahe vorbeiführenden Straße kommend, in Michelau die Grundlage für eine ganz besondere Stationsbezeichnung gelegt. Das Schild wirkt täuschend ähnlich, sowohl farblich, als auch in Form und Aussehen. Einheimische wissen mit dem Namen natürlich etwas anzufangen. Bei Auswärtigen könnte es Probleme geben. Die zuständige DB-Tochter Station und Service – so war auf Nachfrage dieser Zeitung zu erfahren - will die seit kurzem vorhandene Novität an der Bahnstrecke Bamberg-Lichtenfels-Hochstadt-Marktzeuln-Saalfeld beziehungsweise Hof als Alleinstellungsmerkmal vorerst dulden.

1874 hält erster Zug in Michelau

„Michlaa“, seit dem 18. Jahrhundert die Wiege der Korbmacherei, verlassen und auf Gleis 1 (in westliche/südliche Richtung) oder durch die Unterführung auf Gleis 2 (in östliche/nördliche Richtung) im Bedarfshalt „Michelau“ einen Triebwagen in „die große weite Welt“ besteigen: Das ist nun möglich. Die Geschichte des Bahnhalts in Michelau reicht bis ins Jahr 1874 zurück. Dazu hat der frühere Michelauer Bürgermeister Herbert Perzel in seinem großartigen Michelau-Buch etliche Seiten verfasst. Zu Beginn galt der Halt nur für Postzüge. Kurz danach konnten auch Fahrgäste der Eisenbahn in Michelau ein- und aussteigen. Es war der 1. Juni 1874. „Ein historisches Datum“, wie Perzel schreibt. An jenem Tag seien über 200 Ortsbewohner zur Jungfernfahrt eingestiegen. Der Dekan und der Lehrer seien dabei gewesen. Von Michelau fuhr der Zug nach Lichtenfels, wo kräftig gefeiert wurde. Abends gings wieder zurück.

Fahrkarten verschenkt

Der erste Bahnhof bestand aus einem Blockhaus für den Bahnwärter, einer Holzbaracke und einem Ein- und Ausfahrtszeichen. Vier Jahre später wurde die Haltestelle zu einem richtigen Bahnhof ausgebaut. Ein Gönner des Bahnhofs, Kaufmann Leonhard Otto Gagel, habe damals Unmengen an Fahrkarten gekauft und im Ort verschenkt, um so die Zahl der Reisenden zu erhöhen.

In den folgenden Jahren ging es stetig aufwärts mit der Bahnstation Michelau. Mit der Trennung von Bahn- und Postdienst allerdings folgte eine Abstufung von der Bahnstation zum Haltepunkt. 1900 durchfuhren 174 Züge den Bahnhof. Im 2. Weltkrieg gab es drei Tieffliegerangriffe auf den Bahnhof. Anfang der 1960er Jahre wurde am Bahnhofsgebäude eine Gaststsätte eingebaut. „Das waren die letzten goldenen Jahre der Bahn“, schreibt Herbert Perzel. Danach habe man der Verlagerung des Verkehrs auf die Straße Tribut zollen müssen. 1970 folgte die Aufgabe des Stückgutverkehrs der Güterstation in Michelau.

Bald danach wurde das ursprüngliche, stattliche Bahnhofsgebäude von der Bahn abgerissen und durch einen „baulich geschmacklosen Container“ (Perzel) ersetzt. Vor etwa einem Jahr war auch für diese „Bausünde“ das Ende gekommen. Der Haltepunkt Michelau erhielt ein neues Gesicht. Geblieben ist die auf massiven Stahlträgern ruhende Dachkonstruktion und der Treppenabgang zum Gleis 2. Wie ein Bahnsprecher auf Nachfrage dieser Zeitung mitteilte, konnten durch den Neubau der Beleuchtungsanlage die technischen Anlagen aus dem ehemaligen Empfangsgebäude Michelau heraus gebaut werden.

Da eine anderweitige Nutzung des Gebäudes nicht möglich gewesen sei, sei das alte Gebäude abgerissen worden. Im Dezember 2012 waren die Arbeiten abgeschlossen. Die Bahnstation Michelau ist heute Bedarfshalt und wird in jede Richtung zweimal stündlich bedient.

Hochdeutsch: Das offizielle Stationsschild MICHELAU in der Bahnstation.