LICHTENFELS

P-Seminar am Meranier-Gymnasium Lichtenfels

P-Seminar am Meranier-Gymnasium Lichtenfels
Ernst Müller mit Elham Rahmane vor ihrer Skulptur. Foto: Werner Diefenthal

Es ist für junge Menschen nicht immer leicht, sich ein Thema für das P-Seminar auszusuchen. Mit dieser Wahl legen sie für Monate fest, woran sie arbeiten und letztlich ist dies auch für das Abiturzeugnis relevant. Sie wissen, es ist zeitintensiv, mit sehr viel Eigeninitiative verbunden und erfordert dabei ebenfalls ein gehöriges Maß an Selbstdisziplin.

Aber, und das ist die andere Seite, bringt es einen persönlich weiter, man lernt Dinge, die man im normalen Schulbetrieb nicht beigebracht bekommt, und wird dadurch auf das weitere Leben vorbereitet. So kann man die Worte der Teilnehmer des diesjährigen P-Seminars des Meranier-Gymnasiums zusammenfassen, die sich das Thema „Flucht und Migration“ ausgesucht hatten. Ein Thema, welches gerade die jungen Menschen beschäftigt, ist es doch in allen Medien allgegenwärtig.

P-Seminar am Meranier-Gymnasium Lichtenfels
Das P-Seminar: Jonas Elflein, Natalie Sand, Lilli Iser, Leon Schönbrunn, Julia Schirner, Niklas Wohlmuth, Lara Biehl und... Foto: Werner Diefenthal

Nach den Begrüßungsworten des Ersten Bürgermeisters Andreas Hügerich, der seinen Stolz auf die jungen Menschen, ihre Offenheit und ihre Arbeit zum Ausdruck brachte, und einigen Ausführungen durch Schulleiter Stefan Völker, gab Studiendirektorin Verena Schier einen Überblick über die Zeit, die sie gemeinsam mit den jungen Menschen in dieses Projekt investiert hatte.

Entstanden ist die Idee durch eine sogenannte Graphic Novel. „Ein neues Land“ des Australiers Shaun Tan. In dieser wird die Geschichte eines Mannes erzählt, welcher von seiner Familie Abschied nimmt und in ein fernes Land zieht. Dort lernt er fremde Menschen kennen und man begreift, was es heißt, wenn man seine Heimat hinter sich lässt. Doch nicht nur diese Graphic Novel, sondern auch ein Videospiel Namens „Life is strange 2“ verdeutlichte die Thematik und lieferte erste Anhaltspunkte.

Wie schwierig es ist, alles hinter sich zu lassen

P-Seminar am Meranier-Gymnasium Lichtenfels
Interessierte Besucher der Eröffnung vor den Plakaten und Exponaten. Foto: Werner Diefenthal

Mit Ausarbeitungen und Plakaten haben die Schüler sich die verschiedenen Aspekte der Flucht und Migration angenommen und dargestellt. Bei ihren Recherchen und der Teilnahme an den Deutschkursen für die im Landkreis lebenden Migranten wurde ihnen bewusst, wie schwierig es ist, alles hinter sich zu lassen und in einem fremden, einem „neuen“ Land und einem völlig anderen Kulturkreis, von vorne zu beginnen mit nichts als dem, was sie haben tragen können. Sichtlich bewegt erzählten die jungen Erwachsenen, was sie während dieser Zeit mit den Menschen, die sie getroffen haben, erlebten, und stellten die Ergebnisse ihrer Recherche vor.

Wie funktioniert das Asylverfahren in Deutschland?

Wie funktioniert das Asylverfahren in Deutschland? Dieser Frage wurde nachgegangen, aber auch wie die Fluchtrouten weltweit aussehen. Beleuchtet wurde auch, wo der Unterschied zwischen Wirtschaftsflüchtlingen und politisch bzw. religiös Verfolgen besteht, hier am Beispiel der Rohingya, einer Ethnie in Myanmar (Birma), welche dort nicht als einheimische Bevölkerungsgruppe anerkannt sind und daher keinen Anspruch auf die Staatsbürgerschaft Myanmars haben. Dabei wurde den Schülern klar, dass Asien mit über 87 Millionen Immigranten pro Jahr trauriger Spitzenreiter weltweit ist.

Was treibt eine Familie dazu, sich in die Fänge einer Schlepperorganisation zu begeben? Hier konnten sich die Schüler mit einer Familie unterhalten, welche mittels dieser nur aus Profitgier handelnden Kriminellen den Weg nach Deutschland letztlich doch noch geschafft haben. Auch auf die Frage der Immigration nach Amerika wurde eingegangen und die menschenunwürdigen Verhältnisse in den „Camps“, wo es oft weder genug sanitäre Einrichtungen noch eine ärztliche Versorgung gibt, beschrieben.

P-Seminar am Meranier-Gymnasium Lichtenfels
Das P-Seminar: (v.li.) Lilli Iser, Julia Schirner, Jonas Elflein, Leon Schönbrunn, Niklas Wohlmuth, Lara Biehl, Natalie ... Foto: Werner Diefenthal

Dicht gedrängt hörten die zahlreichen Besucher, darunter auch einige der Familien, mit denen die Schüler gesprochen haben, den Ausführungen zu. Man sah den jungen Menschen deutlich an, wie betroffen sie über das, was sie während der Arbeit an dieser Ausstellung erlebt haben, waren. Und sie brachten auch ihre Dankbarkeit zum Ausdruck an all jene, die sie unterstützt haben, sei es das Landratsamt, die Aktiven Bürger, die ihnen die Teilnahme an den Deutschkursen und dem Herbstfest ermöglicht hatten, oder dem Stadtmuseum, in welchem die Ausstellung zu sehen ist.

Die Wirkung nicht verfehlt

Der Holzkünstler Ernst Müller stellte am Ende einen jungen Afghanen vor, Elham Rahmane. Gemeinsam schufen sie eine Holzskulptur, auf der man Flucht, Vertreibung, Elend, aber auch die Hoffnung wiederfindet. Interessiert wurden die Plakate gelesen, aber auch die Reliefs des Holzkünstlers betrachtet, welche alle einen Bezug zu Flucht und Vertreibung haben. Man merkte den Besuchern an, dass die Informationen und die Kunstwerke ihre Wirkung nicht verfehlten.

Mit angeregten Gesprächen und teilweise nachdenklichen Gesichtern endete die Vorstellung der Arbeit des P-Seminars und man verlieh der Hoffnung Ausdruck, dass möglichst viele Besucher das Angebot annehmen und im Stadtmuseum die Ausstellung besichtigen. Geöffnet ist sie von Freitag, 24, bis Sonntag, 26., am Mittwoch, 29. Januar, sowie am Sonntag, 2. Februar, jeweils von 14 bis 17 Uhr. Die Ausstellung dauert noch bis zum Fasching an, dann zu den normalen Museumszeiten. 

Schlagworte