LICHTENFELS

Urteil für Suffschlägerei am Lichtenfelser Schützenfest

Im Amtsgericht in der Kronacher Straße in Lichtenfels wird Recht gesprochen. Foto: Markus Drossel

„Ich sag' was dazu, weil ich hab' ja nix zu verlieren“, erklärte der Angeklagte kurz nach Prozesseröffnung zu der ihm angelasteten Körperverletzung. Dass er nichts zu verlieren hatte, stimmte aus seiner Sicht nicht. Bis zum Schluss bestand der 21-jährige Lichtenfelser auf seiner Unschuld, obwohl ihm die Erinnerung an sie fehlen dürfte.

Mit 15-minütiger Verspätung begann das Verfahren, aber Richter Matthias Huber nahm dem Produktionshelfer das Zuspätkommen zum eigenen Prozess nicht weiter krumm. Auch Staatsanwalt Matthias Jakob sollte kein Wort darüber verlieren, wohl aber die Anklage vorbringen. Die hatte den 20. Juli dieses Jahres in der Lichtenfelser Stadthalle zum Thema. Dort soll der Angeklagte vor der Bühne einem anderen Mann gegen 1.20 Uhr mit der Faust ein blaues Auge geschlagen haben. Doch der Angeklagte bestritt, um diese Uhrzeit überhaupt über die Schwelle des Einlasses gekommen zu sein.

Ein guter Schützenfestrausch

Security und Polizei hätten ihn noch vor der Stadthalle aufgegriffen - obwohl er eben nichts getan habe. Als Beweis für seine Unschuld bot er ein Gedankenspiel an: „Und hätte ich was gemacht, hätte ich geschaut, dass ich wegkomme.“ Richter Huber sprach im Folgenden besonders einen Aspekt des Vorfalls an, den des Alkoholgenusses. „Sie hatten 2,1 Promille - kann es sein, dass Ihnen die Erinnerung (an den Vorfall) fehlt?“ Dass ihm die Erinnerung an den Vorfall fehle, bestätigte der Gefragte so nicht. Aber dass er einen „guten Schützenfestrausch“ gehabt habe, das wohl. Und er blieb dabei: „Ich war nicht drin (Stadthalle)!“

Ein als Zeuge aufgerufener 24-Jähriger verfügte über andere Erinnerungen. „Er kam aus dem Nichts in die Runde gelaufen (…), hat ihm das Getränk aus der Hand geschlagen und gleich eine aufs Auge gehauen“, so der Maschinenanlagenbediener, dem noch ein Gerangel erinnerlich war, bei dem dann aber gleich die Security einschritt. „Wo hat sich das denn abgespielt?“, erkundigte sich Huber und erhielt eine klare Aussage: "Vor der Bühne.“ Das Opfer selbst hatte auch Gelegenheit, sich zu äußern. Der 18-Jährige entsann sich noch darauf, dass es erst ein Anrempeln und dann „gleich die Faust“ gab und das sehr wohl vor der Bühne. „Du warst besoffen wie sonstwas“, sagte er mit Blick auf den zwei Meter links von ihm entfernt sitzenden Angeklagten.

War es etwa ein Komplott?

Immer wieder blitzte in dem Verfahren auf, dass zwischen den beiden jungen Männern keine Freundschaft besteht. Der 21-Jährige mutmaßte sogar, dass es ein Komplott gegen ihn geben könnte und ging im Folgenden noch einmal darauf ein, dass er nicht in der Stadthalle gewesen sein könne, weil er dort ja Hausverbot habe. Aber neben einem Hausverbot hatte der junge Mann auch mehrere Einträge im Bundeszentralregister, wegen Diebstahl, Betäubungsmittelvergehen oder Sachbeschädigung. Nun hat er auch einen wegen Körperverletzung, denn sowohl Staatsanwalt als auch Richter sahen die Schilderung der Zeugen als glaubwürdig an. „Ich habe überhaupt keinen Zweifel, dass der Vorfall sich in der Stadthalle so abgespielt hat.“

Er hielt dem Angeklagten vor, massiv enthemmt gewesen zu sein. Doch entgegen der Forderung Jakobs, der von „kompletter Uneinsichtigkeit“ bei dem jungen Mann sprach und für eine viermonatige Haftstrafe zur Bewährung nebst 50 Arbeitsstunden plädierte, beließ Huber es bei einer Geldstrafe. Aber die dürfte der Verurteilte bei der Höhe von 1800 Euro als spürbar empfinden. Im Gericht sprach er davon, gegen das Urteil vorgehen zu wollen. Von wenig Akzeptanz für einen Schuldspruch zeugten auch seine letzten Worte vor dem Urteil: „Die Geschichte kann auch gut und gerne abgesprochen worden sein.“

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