LICHTENFELS

Fasching: Maapiraten entern Lichtenfelser Rathaus

Am 11.11.: Maapiraten entern Lichtenfelser Rathaus
Die Maapiraten haben am 11.11. das Lichtenfelser Rathaus gestürmt und präsentieren stolz ihre „Gefangenen“ vor ihrem Schiff. Foto: Gerda Völk

„Ihr wart schon mal zielsicherer“, unkte der Rathauschef, der sich mit seinen Stadträten im historischen Sitzungssaal des Lichtenfelser Rathauses verschanzt hatte. Noch hatte Bürgermeister Andreas Hügerich die besseren Karten. Doch dies sollte sich bald ändern.

Bereits zum sechsten Mal hatten sich die „Maapiraten“ pünktlich zum Faschingsbeginn am 11.11. um 11.11 Uhr zum Rathaussturm eingefunden. Dieses Mal hatten die Freibeuter aus Reundorf sogar ihr Schiff, die „Maaqueen“, mitgebracht, die Kommandozentrale des Faschingsgesehens in der Kreisstadt.

Am 11.11.: Maapiraten entern Lichtenfelser Rathaus
Die „Maaqueen“ war in diesem Jahr die Kommandozentrale beim Rathaussturm in der Kreisstadt. Foto: Gerda Völk

Mit zahlreichen Böllerschüssen verliehen die Freibeuter mit bedrohlichen Säbeln und einem dicken Seil ihrer Forderung nach Herausgabe des Schlüssels Nachdruck. Aus den Lautsprechern am Rathauseingang dröhnte Faschingsmusik, während sich die Piraten schon mal warm tanzten. Auch in diesem Jahr beobachtetem zahlreiche Lichtenfelser in gebührender Entfernung die Szenerie.

Am 11.11.: Maapiraten entern Lichtenfelser Rathaus
Die Maapiraten haben am 11.11. das Lichtenfelser Rathaus gestürmt und präsentieren stolz ihre „Gefangenen“ vor ihrem Sch... Foto: Gerda Völk

Widerstand war zwecklos

„Wo seid ihr? Zeigt euch am Fenster, ihr Knöllchentreiber“, forderte Jan Hafner in sicherer Entfernung vom Deck des Schiffs der Freibeuter aus in Richtung Rathausfenster. Bevor Taten folgten, versuchte der Maapirat mit guten Worten die Rathausbesatzung zur Herausgabe des Schlüssels zu bewegen. Es wäre doch besser, den Schlüssel des Rathauses gleich aus dem Fenster zu werfen, oder an einer Schnur herunter zu lassen. Widerstand sei ohnehin zwecklos. Die Männer vom Hamburger Fischmarkt habe man gestern schon vertrieben.

„Hinter uns steht das ganze Lichtenfelser Volk“, erklärte Jan Hafner. Wie schon die Jahre zuvor stürmte eine Abordnung der Narren in das Rathaus und nahm im Handstreich Bürgermeister und anwesende Stadträte gefangen. Das Handgemenge dauerte nur kurz, und schon wurden die „Gefangenen“ unter gejohle und gegröle mit einem dicken Seil ins Freie geschleppt.

Am 11.11.: Maapiraten entern Lichtenfelser Rathaus
Faschingskrapfen gab's für die großen und kleinen Besucher. Foto: Gerda Völk

Damit hat ab sofort das Bundesnarrengesetzbuch (BNGB) im Rathaus und in Kreisstadt seine Gültigkeit. So jedenfalls proklamierte es Jan Hafner vom Schiff der Freibeuter aus. „Ab dem 11. 11. bis einschließlich Faschingsdienstag gelten ausschließlich die Gesetze der Narren“, die mit dafür geeigneten Paragraphen auch gleichzeitig das gesamte Stadtgebiet und die dazugehörigen Dörfer unter die Feiertagsregelung der Narren stellten.

Am 11.11.: Maapiraten entern Lichtenfelser Rathaus
Von der „Maaqueen“ aus stürmten die Piraten das Rathaus. Foto: Gerda Völk

Wer randaliert, wird nach Thüringen verbannt

Die Bestrafung einer Zuwiderhandlung obliegt dem Maapiraten-Gerichtshof in Reundorf. Als Zeichen der Verbundenheit zum oberfränkischen Fasching solle sich jeder kostümieren. Dafür kommen Miesmacher, Nörgler und Langweiler ab sofort in Gewahrsam und werden im nächstliegenden Gewässer versenkt. Eine deutlich härtere Strafe trifft die Personen, die sich während der Feiertage prügelnd und randalierend durch die Stadt bewegen. Diese werden für den Rest ihres kümmerlichen Daseins nach Thüringen gebracht.

Ein weiterer Paragraph regelt das Feiern in der Innenstadt, welches auch nach 20 Uhr gestattet ist. Wie sagte Jan Hafner doch treffend: „Bis zum Aschermittwoch haben der Amtsschimmel und sein Gefolge nun zu schweigen.“ Dass jeder Bürger verpflichtet ist, am Faschingsumzug der Maapiraten teilzunehmen, sei nur am Rande erwähnt.

Am 11.11.: Maapiraten entern Lichtenfelser Rathaus
Gefesselt mit einem dicken Seil und mit einer Machete am Hals wird Bürgermeister Andreas Hügerich aus dem Rathaus geholt... Foto: Gerda Völk
 

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