LICHTENFELS

Stadtrat: Trinkwasser wird in Lichtenfels teurer

Keime im Trinkwasser
Der Preis für einen Kubikmeter Wasser steigt zum Jahreswechsel um acht Cent. Das beschloss der Stadtrat in seiner Sitzung am Montag. Damit kostet der Kubikmeter ab dem 1. Januar 2,43 Euro statt 2,35 Euro wie bisher.Symbolfoto: dpa/Otto Berg Foto: Oliver Berg (dpa)

Die Lichtenfelser müssen ab dem 1. Januar 2020 für ihr Trinkwasser etwas tiefer in die Tasche greifen. Das beschloss der Stadtrat am Montagabend einstimmig. So steigt der Preis für den Kubikmeter Wasser um acht Cent. „Damit zahlt ein durchschnittlicher Einfamilienhaushalt etwa zwölf Euro im Jahr mehr für sein Trinkwasser“, sagte Erster Bürgermeister Andreas Hügerich (SPD).

Als Grund für die Erhöhung nannte die kaufmännische Leiterin Denise Fritzmann drei Millionen Euro teure Investitionen in die Versorgung seit 2017. Im gleichen Zeitraum hätten die Stadtwerke zusätzlich für 960 000 Euro die bestehenden Wasserleitungen erneuert. Da die Versorgung grundsätzlich kostendeckend zu betreiben ist, sei die Preiserhöhung von 2,35 Euro auf 2,42 Euro pro Kubikmeter notwendig, so Fritzmann.

Die Betriebswirtin stellte außerdem den Wirtschaftsplan fürs nächste Jahr vor. Darin enthalten ist die Sanierung veralteter Gas- und Wasserleitungen. Geplant sind der Bau einer Verbindungsleitung zwischen Seubelsdorf und Reundorf, eines Hochbehälters mit Pumpwerk in Oberlangheim und von Photovoltaikanlagen auf dem Parkhaus Oberes Tor sowie in Kösten. Daneben muss das Leitungsnetz unterhalten und saniert werden. Insgesamt stehen Einnahmen von 9,439 Millionen Euro Ausgaben von 9,356 Millionen Euro gegenüber, was ein Plus von knapp 83 000 Euro bedeutet.

Die ebenfalls geplante Anbindung von Buch an die Fernwasserversorgung Oberfranken (FWO) sorgte bei Frank Rubner (CSU) für Gesprächsbedarf: „Hier war doch eine Wasserenthärtungsanlage geplant, damit die Bucher weiter ihr eigenes Wasser verwenden können. Dafür wurden bereits 300 000 Euro eingeplant.“

„Wir bauen keine Enthärtungsanlage, sondern mischen das Bucher Wasser mit dem der FWO und kommen damit einer Forderung des Wasserwirtschaftsamtes nach“, erläuterte Werkleiter Dietmar Weiß. Die 300 000 Euro würden anderweitig investiert. Die Bucher könnten also wie gewünscht ihr Wasser nutzen, wenn auch nur gemischt.

Genehmigte der Stadtrat den Wirtschaftsplan der Stadtwerke für 2020 einstimmig, entwickelte sich über die Prüfung der Jahresrechnung 2018 durch den Rechnungsprüfungsausschuss eine lebhafte Aussprache. Neu-WLJ-Mitglied Rudi Breuning (siehe nebenstehender Artikel) nutzte die Bestätigung einer ordentlichen Finanzlage der Stadtwerke zu einigen grundsätzlichen Ausführungen zu den defizitären Bereichen Nahverkehr und Parken.

Mit dem Personennahverkehr fuhren die Stadtwerke im vergangenen Jahr ein dickes Minus ein. Wie man dieses verringern kön... Foto: Markus Drossel

So würden die Verkehrsbetriebe 280 000 Euro Miese machen, die Verluste der Parkhäuser lägen mit einer Viertelmillion Euro. Das Gremium müsse sich Gedanken machen, diese immer höheren Defizite zu bremsen. „Ist der Fahrpreis für die Busse noch zu rechtfertigen?“, fragte Breuning. Auch eine Erhöhung der Parkgebühr stellte er in den Raum: „Wir hatten die Hoffnung, dass nach der Umstellung auf Schranken mehr Fahrer in den Parkhäusern parken, doch diese Hoffnung hat getrogen.“ Die Verluste ließen sich im Gesamthaushalt der Stadtwerke nur über die Bereiche Strom und Gas wieder erwirtschaften, merkte er weiter an.

„Durch teurere Fahrpreise wird das Defizit im Busverkehr nicht kleiner.“
Andreas Hügerich (SPD), Erster Bürgermeister

Bürgermeister Hügerich teilte Breunings Aussagen nicht: „Wir sind eine Stadt mit 29 Stadtteilen und wollen diese auch lebendig erhalten. Um dies mit dem Nahverkehr zu schaffen, müssen wir dazu Mittel bereitstellen.“ Die Stadt könne nicht die Fahrpreise erhöhen, da sie dem Verkehrsverbund Großraum Nürnberg (VGN) angehöre. Hügerich: „Durch teurere Fahrpreise wird das Defizit im Busverkehr nicht kleiner.“ Das gleiche gelte für die Parkhäuser.

Den Verlust von 10 000 Busfahrgästen in 2018 führte Monika Faber (SPD) als Problem an: „Wieso fahren so wenige mit dem Bus? Das ist doch die Frage, die wir uns stellen müssen.“ Ihr Genosse Sven Eisele bezeichnete eine Erhöhung der Tickets als ein ökologisch völlig falsches Signal. Mathias Söllner (Grüne) forderte eine Optimierung der städtischen Buslinien, wie auch Emmi Zeulner (CSU) als entscheidenden Faktor für die Akzeptanz des Nahverkehrs die Taktung der Verkehrsmittel nannte. Hier lobte sie den Landkreis, der beim Öpnv bereits Verbesserungen eingeführt hatte.

„Hier haben einige wohl etwas falsch verstanden, oder wollen es falsch verstehen“, meldete sich Breuning noch einmal zu Wort. „Ich habe nicht gefordert, dass der Nahverkehr kostendeckend fahren soll. Ich muss aber als Mitglied des Rechnungspüfungsausschusses sagen dürfen, dass das Defizit nicht weiter wachsen soll.“ Er appellierte an die Landes- und Bundespolitik, die Kommunen beim Nahverkehr finanziell zu unterstützen. Trotz der Defizite beim ÖPNV und bei den Parkhäusern lief das letzte Jahr für die Stadtwerke finanziell gut, wie Wolfgang Och vom Bayerischen Kommunalen Prüfungsverband attestierte. Bei einer Bilanzsumme von 26,1 Millionen Euro in 2018 liege der Jahresüberschuss bei 235 000 Euro, 2017 habe dieser 122 000 Euro betragen.

In Großstädten sind Parkhäuser „Gelddruckmaschinen“

Als positiv bezeichnete Och den neuen Strom- sowie den Gasvertrieb. Beide sorgten für Gewinne, die in die allgemeine Rücklage flössen. „In Großstädten sind Parkhäuser Gelddruckmaschinen, aber in einer kleinen Stadt wie Lichtenfels fahren sie Verluste ein“, sagte Och, der sich nicht vorstellen kann, dass man mit einer Erhöhung der Preise das Defizit verringern könnte – weder beim Busverkehr noch bei den Parkhäusern.

Der Stadtrat beschloss am Montag, dass sich die Stadt an der Trägerschaft und am Betrieb des in der Kirschbaummühle ansä... Foto: Markus Drossel

Aus dem Stadtrat

• Das Gremium beschloss einstimmig, sich an der Trägerschaft und am Betrieb des Forschungs- und Anwendungszentrums für digitale Zukunftstechnologien (FADZ) zu beteiligen. So soll gemeinsam mit dem Landratsamt ein geeigneter Rechtsträger erarbeitet werden. Ebenso einstimmig beschlossen die Mitglieder den Beitritt zum „Förderverein FADZ“, der jedoch erst am 18. November gegründet werden soll. Der Beitrag betrage 100 Euro im Jahr. Auf Nachfrage von Monika Faber (SPD) sagte Bürgermeisteramtschef Sebastian Müller, dass der Beitrag für Privatpersonen bei 60 Euro, für Institutionen bei 100 Euro sowie bei Unternehmen zwischen 500 und 10 000 Euro liege, abhängig von der Größe.

• Einstimmig genehmigte der Stadtrat eine Bedarfsmeldung von fast 1,5 Millionen Euro für die Städtebauförderungsprogramme „Aktive Stadt und Ortsteilzentren“ sowie „Innen statt außen“ an die Regierung von Oberfranken für 2020. Größte Posten sind laut Stadtkämmerer Dominik Först der Umbau des Anwesens Marktplatz 10 (500 000 Euro) sowie eine Machbarkeitsstudie für die Kirschbaummühle, in der das FADZ untergebracht werden soll (150 000 Euro). Lob gab es dafür von allen Seiten, aber auch die Mahnung, die Dörfer nicht zu vergessen.

• Keine Gegenstimmen gab es vom Gremium für eine Änderung der Benutzungsordnung für die Stadtbücherei sowie für eine Änderung des Flächennutzungs- und Landschaftsplanes und die Aufstellung des Bebauungsplanes für das Sondergebiet Solarpark Klosterlangheim.

• Bürgermeister Hügerich gab einige Vergaben bekannt. So werden die Fensterbauarbeiten an der Herzog-Otto-Mittelschule für knapp 1,1 Millionen Euro von der Firma Rauh aus Zapfendorf erledigt. Emmi Zeulner (CSU) verwies darauf, dass die Stadt eine Förderung von 800 000 Euro vom Bund erhalte. Des Weiteren wurde die Deckensanierung des Brückleinsgraben für knapp 100 000 Euro an die Firma Schill & Geiger in Geroldsgrün vergeben. Die Decken- und Sanierungsarbeiten an der Friedhofsstraße übernimmt die Firma Wagner aus Kronach für ebenfalls knapp 100 000 Euro. Für ein Tragkraftspritzenfahrzeug mit Wasser erhält die Firma Brandschutztechnik Görlitz knapp 100 000 Euro.

 

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