LICHTENFELS

Ein Kurs für Krankenpfleger aus aller Welt in Lichtenfels

Ein Kurs für Krankenpfleger aus aller Welt in Lichtenfels
Die ausländischen Pflegekräfte mit Landrat Christian Meißner (re.), Schulleiter Harald Engel (4. v. re.) und Dr. Dorothea Thieme (li.). Foto: Gerda Völk

Sie kommen aus osteuropäischen Ländern, von den Philippinen, aus Peru und Syrien. Aus ihren Heimatländern bringen sie eine abgeschlossene Krankenpflegeausbildung mit. An der Berufsfachschule für Krankenpflege in Lichtenfels am Regiomed Klinikum nehmen sie an einen sogenannten Anpassungslehrgang teil, mit dem Ziel, die bestehenden Unterschiede zwischen den in ihren Heimatländern erworbenen Kenntnissen an die Besonderheiten der deutschen Ausbildung auszugleichen. Am Ende dürfen sie dann die Berufsbezeichnung „Gesundheits- und Krankenpfleger“ tragen. Es ist der erste Anpassungslehrgang in Oberfranken.

19 Frauen und Männer drücken wieder die Schulbank, um in Verlauf von 240 Stunden in der Theorie die Besonderheiten des deutschen Gesundheitswesens kennenzulernen. Begleitet werden die theoretischen Kenntnisse von 200 Stunden Praxisunterricht. Wobei es durchaus auch Unterscheide gibt, wird im Gespräch mit den Teilnehmern des Anpassungskurses deutlich wird.

Von Verbänden und Fachausdrücken

Dass es in vielen Ländern nicht diese Vielfalt an Verbänden wie hierzulande gibt, wie einer Teilnehmerin aus der Ukraine zu berichten weiß, dürfte noch zu den geringsten Unterschieden gehören. Der Fachausdruck „Subkutane Injektion“ war einer Teilnehmerin aus Bosnien völlig unbekannt, obwohl sie bereits Injektion setzte.

Ein Kurs für Krankenpfleger aus aller Welt in Lichtenfels
Aus ihren Heimatländen bringen sie schon eine Ausbildung mit. Der Anpassungskurs vermittelt ihnen die Besonderheiten im ... Foto: Gerda Völk

In manchen ihrer Heimatländer liegt die Körperpflege von Patienten wie Waschen, Kämmen oder Zähne putzen in den Händen der Angehörigen. In anderen Ländern, vor allem in den osteuropäischen Ländern, arbeiten die Pflegekräfte sehr eng mit den Ärzten zusammen. In ukrainischen Altenheimen beispielsweise findet jeden Morgen eine Visite mit Ärzten und Pflegekräften statt, berichtet eine Teilnehmerin.

„Dies werde sich auch hierzulande verbessern, wenn die generalistische Pflegeausbildung kommt“, berichtete Dr. Dorothea Thieme, Leiterin der der Regiomed-Akademie und der Medical School Regiomed. Im Anpassungskurs geht es weniger um Anatomie oder Krankheiten. „Diese Kenntnisse sind aufgrund der vorangegangenen Pflegeausbildung schon vorhanden“, berichtet Schulleiter Harald Engel.

Offenheit und Lerneifer

Vielmehr stehen „deutsche Gepflogenheiten“ im Gesundheitswesen, wie rechtliche Rahmenbedingungen, Recht und Verwaltung oder freiheitsentziehende Maßnahmen (Fixierung) im Fokus des Unterrichts. „Die ausländischen Pflegekräfte bereichern die Schule durch ihre Freundlichkeit, ihren Lerneifer und ihre Offenheit“, lobt Engel.

„Sie sind heiß dahinter her, dass sie viele Informationen bekommen“. Die ausländischen Fachkräfte wollen nicht nur die Sprache lernen, sondern sich auch mit der deutschen Kultur auseinandersetzen, sagen sie. Im Umgang mit dem Patienten sei Verständnis, Geduld und ein freundliches Wesen genauso wichtig wie Fachkenntnisse. „Wir betrachten den Patienten wie ein Familienmitglied“, erklärt eine Pflegekraft aus den Philippinen.

Der Anpassungslehrgang wurde in Zusammenarbeit mit der Regierung von Oberfranken und der DiaLog Akademie Neuendettelsau-Nürnberg konzipiert.

Nach bestandener Prüfung kann bei der Regierung von Oberfranken eine Urkunde zum Führung der Berufsbezeichnung „Gesundheits- und Krankenpflegerin“ oder „Gesundheits- und Krankenpfleger“ beantragt werden. Landrat Christian Meißner wünschte den ausländischen Pflegekräften viel Erfolg und forderte sie auf, sich in ihrer Freizeit Oberfranken anzuschauen. Am 11. Dezember startet der nächste Kurs.

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