KLOSTERLANGHEIM

Rettungspilot aus Klosterlangheim

Rettungspilot aus Klosterlangheim
Matthias Geiger bei einem Heli-Einsatz über dem indonesischen Dschungel. Foto: red

An jenem Abend, wenige Tage nach dem verheerenden Erdbeben vom 28. September 2018 auf der indonesischen Insel Sulawesi, gehen Matthias Geiger viele Gedanken durch den Kopf. Von seiner Veranda in Palu schaut er in den Sternenhimmel. In einem Haus übernachtet er wegen möglicher Nachbeben besser nicht. Seine Frau Lisa und sein damals sechsjähriger Sohn Joel sind evakuiert. Sie sind davongekommen, während Tausende Menschen ihr Leben verloren haben.

Rettungspilot aus Klosterlangheim
Matthias, Lisa und Joel Geiger – gemeinsam meistert die junge Missionarsfamilie viele Herausforderungen in Indonesien. Foto: red

Überrascht von einem Erdbeben der Stärke 7,7 mit einem verheerenden Tsunami, der bereits fünf Minuten später auf Land trifft. Die Zerstörungswucht ist immens, und was der Tsunami stehen lässt, erledigt eine Bodenverflüssigung, die zahlreiche Häuser in sich zusammen fallen lässt. Hunderte Menschen werden einfach so vom Boden verschluckt, nur wenige Kilometer von seiner Unterkunft entfernt. Mit Worten lässt sich so etwas schwer beschreiben.

Erstversorgung in die Wege geleitet

Rettungspilot aus Klosterlangheim
Verletzte Menschen aus unwegsamen Gegenden in Krankenhäuser zu fliegen, ist eine der Kernaufgaben der Helimissionare. Foto: red

Weil die Geigers nach einem Heimaturlaub früher als ursprünglich geplant schon wieder in Palu waren (einen Tag vor dem Beben), konnte der Klosterlangheimer mithelfen, um inmitten einer zerstörten Infrastruktur mittels Satellitentelefon Hilfe zu organisieren. „Wir konnten gemeinsam mit unseren Partnern Nahrungsmittel, sauberes Wasser, Medizin, Rettungsteams und Ärzte in die verschiedenen Gebiete fliegen und helfen. Wir verteilten mehrere Hilfsgüter und brachten Ärzte und Medizin in die betroffenen Gebiete“, so Matthias Geiger – Details sind nachzulesen im Blog auf der familieneigenen Homepage. Matthias Geiger (34) ist Hubschrauber-Pilot und als solcher seit 2012 bei der Helimission im Einsatz. Kein leichtes Leben. Aber ein jederzeit spannendes. Nach Abschluss einer Werkzeugmechaniker-Lehre bei einem Autozulieferer wollte er sich zunächst zum Techniker weiterbilden, um eine Firma in der Schweiz zu übernehmen, was sich jedoch zerschlug.

Erste Kontakte zur Helimission

Beinahe zeitgleich entstand der Kontakt zur Helimission. Technik, fliegen, helfen – da kam vieles zusammen, was Matthias Geiger ansprach und wofür er bereit war, Opfer zu bringen. 2006 absolvierte er in Michigan/USA die einjährige Ausbildung zum Fluggerätemechaniker, im Januar 2008 ging er erneut in die Staaten, um in Arizona eine halbjährige Ausbildung zum Berufshubschrauberpilot zu durchlaufen. Bei der HDM Luftrettung in Nürnberg konnte er anschließend die Voraussetzungen zum Dienst in der Helimission schaffen und die erforderlichen Flugstunden aufbauen.

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Der auf das Erdbeben folgende Tsunami 2018 brachte Tod und Zerstörung über die indonesische Insel Sulawesi. Foto: red

Kernaufgabe sind Rettungs- und Versorgungsflüge

Der Dienst bei der Helimission ist außerordentlich vielfältig. Kernaufgabe sind Rettungs- und Versorgungsflüge vor allem dort, wo man auf den Hubschrauber angewiesen ist. Alle Heli-Missionare sind Christen, ihr Dienst gilt aber natürlich vorbehaltlos allen Menschen in Not, egal welcher Nation oder Religion sie angehören. Ein solcher Dienst ist nicht möglich ohne eine Frau an der Seite, die bereit ist für ein Leben ohne Sicherheiten, wie man es hier in Deutschland gewohnt ist. Mit Sozialpädagogin Lisa ist er seit 2011 verheiratet, 2012 kam Sohn Joel auf die Welt, und seither ist Matthias Geiger für die Helimission im Auslandseinsatz. Von 2013 bis 2016 gingen die Geigers nach Äthiopien – ihre erste Station.

Rettungspilot aus Klosterlangheim
Das Bild vermittelt das Ausmaß der Verwüstung. Tausende Tote, Verletzte und Obdachlose mussten durch die Hilfsorganisati... Foto: red

Matthias Geiger berichtet von einer hochschwangeren Frau aus einem äthiopischen Buschdorf, die ohne den 45-minütigen Flug in eine weit entfernte Klinik wohl kaum überlebt hätte, so aber gesunde Zwillinge zur Welt bringen konnte. Aus Dankbarkeit nannte sie ein Kind „Tschika“ (so hieß die Stadt, in der sich das Krankenhaus befand), das andere Matthias. Nach Afrika war Palu in Indonesien ab Oktober 2016 der neue Einsatzort für die junge Familie.

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Zahlreiche Häuser sind beim Erdbeben 2018 in Palu/Indonesien unbewohnbar geworden. Foto: red

Auf ein sicheres Einkommen mussten die Geigers dabei von Anfang an verzichten. Von der Helimission beziehen sie kein Gehalt, sie mussten sich selbst einen Kreis zuverlässiger Unterstützer aufbauen, um ihre Arbeit aufnehmen und die Familie finanzieren zu können. Die Spender sind zumeist Christen aus verschiedenen ober- und mittelfränkischen Gemeinden. Die Geigers sind von ihrer Mission nach wie vor überzeugt. Und daher fliegen sie am 2. Oktober wieder nach Indonesien – diesmal ins 2150 Kilometer von Palu entfernte Wamena auf Papua.

Wer mehr über die Familie erfahren oder sie unterstützen möchte, findet im Internet unter www.familiegeiger.eu weitere Infos.

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