LICHTENFELS/WOFFENDORF

Waldbesitzer feiern Jubiläum im Schreckensjahr

Die WBV feiert Jubiläum im Schreckensjahr
Die Waldbesitzervereinigung Lichtenfels-Staffelstein feierte in Woffendorf ihr 50-jähriges Bestehen. Forstmaschinen lenkten die Blicke der Besucher auf sich. Foto: Stephan Stöckel

„Die Waldbesitzer sind reiche Leute“, scherzte Pater Rufus Witt während des Gottesdienstes. Das Echo ließ nicht lange auf sich warten: „Wir sind reich an Arbeit durch die Aufarbeitung von Schadholz“, sagte der Vorsitzende der Waldbesitzervereinigung (WBV) Lichtenfels-Staffelstein Robert Hümmer bei seiner Begrüßung. Bei der 50-Jahr-Feier der Waldbesitzervereinigung (WBV) Lichtenfels-Staffelstein im Altenkunstadter Ortsteil Woffendorf benannten er und weitere Redner den Klimawandel mit seinen Sturm-, Dürre- und Hitzeereignissen als Verursacher der Mehrarbeit. Er war das alles beherrschende Thema bei der Veranstaltung, die auf dem Gelände des Woffendorfer Waldfestes stattgefunden hatte.

„Sie bestimmen, wo es lang geht in ihren Wäldern und nicht Aktivisten, die sich an Bäumen ketten.“

Josef Ziegler, Präsident des Bayerischen

Waldbesitzerverbandes

Hümmer klagte über Rundholzpreise, die durch Windwürfe und Käferbefall den Bach hinuntergegangen seien. All jenen, die den Klimawandel noch immer leugneten, schrieb der Vorsitzende, der auch Bürgermeister von Altenkunstadt ist, ins Stammbuch: „Sie haben die vergangenen Monate wohl am Nordpol verbracht.“

„Welche Bäume haben eine Zukunft?“

„Welche Bäume haben eine Zukunft?“, fragte Hümmer die anwesenden Experten. Forstoberrat Christoph Hübner vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) in Coburg erwiderte, dass fremdländischen Baumarten, wie die Douglasie, zwar hilfreich, aber kein Allheilmittel seien, da sie in Extremjahren an ihre Grenzen gelangten. In Zeiten des Klimawandels komme es vielmehr darauf an, so Hübner, klimatolerante Mischwälder zu schaffen.

Die WBV feiert Jubiläum im Schreckensjahr
Die Festrede hielt Präsident Josef Ziegler vom Bayerischen Waldbesitzerverband (li.). Vorsitzender Robert Hümmer von der...

Christoph Hübner ist neuer Forstdirektor

Ganz in diesem Sinne freute sich Landwirtschaftsdirektor Harald Weber vom AELF darüber, dass in den vergangenen Jahrzehnten im Landkreis Lichtenfels durch die Zusammenarbeit von Forstverwaltung und WBV zukunftsträchtige Mischwälder geschaffen wurden. Weber hatte Hübner als neuen Bereichsleiter Forsten am AELF in Coburg vorgestellt.

Der 36-jährige gebürtige Zapfendorfer tritt in die Fußstapfen von Forstdirektor Oliver Kröner, der seit kurzem das AELF in Bad Neustadt an der Saale leitet. Hübner hatte bislang an der Bayerischen Landesanstalt für Wald- und Forstwirtschaft in Freising gewirkt.

Die Politik denkt über eine CO2-Abgabe nach. Wer sich klimafreundlich verhalte, sollte nach Ansicht von Bundesumweltministerin Svenja Schulze, eine höhere Klimaprämie erhalten. Für den Präsidenten des Bayerischen Waldbesitzerverbandes (BWV), Josef Ziegler, gehörten die Waldbauern dazu. „Unsere Waldbewirtschaftung ist sehr klimafreundlich. Außerdem zählen wir zu den Hauptgeschädigten des Klimawandels“, begründete er seine Einstellung.

Die 170 000 Waldbesitzer in Bayern bezeichnete der Redner als eine starke zivilgesellschaftliche Gruppe. „Sie bestimmen, wo es lang geht in ihren Wäldern und nicht Aktivisten, die sich an Bäumen ketten“, sprach er den Zuhörern aus dem Herzen. Auch stellvertretender Landrat Helmut Fischer würdigte die Arbeit der Waldbauern. Der Vorsitzende der Forstwirtschaftlichen Vereinigung Oberfrankens (FVO), Wolfgang Schultheiß, wünschte sich mehr finanzielle Unterstützung vom Freistaat für die Naturverjüngung und den Bau von Zäunen zum Schutz gegen Wildverbiss. Kreisbäuerin Marion Warmuth beklagte, dass das Zubrot der Waldbewirtschaftung für viele Landwirte immer mehr schrumpfe.

Die WBV feiert Jubiläum im Schreckensjahr
Forstoberrat Christoph Hübner ist der neue Bereichsleiter Forsten am AELF Coburg.

Die Anfänger der Waldbesitzervereinigungen

Mit dem Brummen einer Motorsäge, die Waldbesitzer Josef Hofmann aus Unterneueses angeworfen hatte, wurde der Spaziergang von Ehrenmitglied Ludwig Winkler durch die Vereinschronik eröffnet. In den Jahren 1967 und 1968 waren im Bereich der Forstdienststelle Staffelstein, Maschinengemeinschaften zur Anschaffung von Motorsägen und Feilgeräten gegründet worden. Sie waren die Vorläufer der Waldbauernvereinigung Staffelstein-Jura gewesen, die am 18. Januar 1969 das Licht der Welt erblickte. Im Herbst desselben Jahres, am 18. Oktober, folgte die Waldbesitzervereinigung Lichtenfels. Durch Fusion der beiden Vereine entstand am 2. Juni 1999 die heutige WBV Lichtenfels-Staffelstein. Winkler zitierte den Ehrenvorsitzenden der WBV, Sebastian Tempel, der das Zusammengehen mit dem Zusammenwachsen von zwei Bäumen verglichen hatte: „Obgleich dieser stattliche Baum zwei Wurzeln hat, wurde aus ihm eine herrliche gemeinsame Krone.“

Auch der gesellige Teil kam nicht zu kurz

Die Nothelfer-Blasmusik aus Bad Staffelstein gestaltete die 50-Jahr-Feier musikalisch aus, dem ein Gottesdienst vorausgegangen war. Pater Rufus Witt ermunterte die Zuhörer, den Glauben als Kraftquelle für den Dienst in Familie, Gesellschaft und Politik zu nutzen. Der Landfrauenchor Lichtenfels, dirigiert von Eva Maria Schnapp und begleitet von Otto Bähr am Keyboard, umrahmte die Messe mit geistlichen und weltlichen Weisen. Einer Tombola, bei der es wertvolle Sachpreise zu gewinnen gab, und eine Waldmaschinenausstellung rundeten das Programm ab.

 

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