LICHTENFELS

Vierzehnheiligen: Cyriakus, der Diakon mit gefesseltem Dämon

Vierzehnheiligen: Cyriakus, der Diakon mit gefesseltem Dämon
Der Nothelfer Cyriakus. Foto: Dr. Hertel

In der Serie: „14 x Vierzehnheiligen“ stellen wir im August den weniger bekannten Nothelfer Cyriakus vor. Sein Gedenktag ist am 8. August.

Cyriakus wurde von Papst Marcellinus um 300 in Rom zum Diakon geweiht. Die Legende sagt, er wurde von Kaiser Maximian verurteilt, als Zwangsarbeiter beim Bau einer Thermenanlage mitzuwirken, und später gefoltert und enthauptet. Cyriakus Reliquien kamen unter anderem nach Bamberg. Er wird als Patron des Weinbaus verehrt. Ihm werden noch heute in einer Kapelle bei Lindenberg in der Pfalz am Sonntag nach dem 8. August bei der Cyriakus-Wallfahrt die ersten Trauben dargebracht.

Nach Schlacht in Sulzfeld am Main nahm Verehrung in Franken stark zu

Nachdem an Cyriakus Gedenktag im Jahr 1266 die Mehrheit des Domkapitels von Würzburg sich in der Schacht in Sulzfeld am Main, einer der großen Ritterschlachten des Mittelalters, gegen den gewaltsam um das Amt kämpfenden Bischofskandidaten der Minderheit durchgesetzt hatte, nahm die Verehrung in Franken stark zu. Cyriakus ist Patron der Zwangsarbeiter und der schwer körperlich Arbeitenden. Auch bei Gewitter, Versuchungen und bösen Geistern wird er angerufen. Helfer in der Todesstunde ist er ebenfalls.

Nothelferweg von Klosterlangheim nach Vierzehnheiligen

Zu einem der schönsten Wanderwege im Gottesgarten am Obermain gehört der Nothelferweg, der von 1448 bis zur Säkularisation 1802/03 zwei historische Orte verband: Das Zisterzienserkloster Langheim mit Vierzehnheiligen. Moderne Skulpturen setzen heute neue Akzente auf diesen historischen Verbindungsweg mit seinen attraktiven Angeboten für Wanderer, Pilger und kulturinteressierte Gäste. Von Klosterlangheim führt der Nothelferweg zunächst durch sanft geschwungene Hügel vorbei an Waldrändern und Feldern und steigt stetig im Schatten eines ausgedehnten Mischwaldes an.

Wanderweg auch für Familien mit kleinen Kindern geeignet

Skulpturen in unregelmäßigen Abständen erinnern an alle 14 Nothelfer: Deren wichtigste Attribute bilden mit den Namen der Heiligen jeweils ein Kreuz. Am „Weißen Kreuz“ ist der Anstieg des Nothelferwegs geschafft; überaus lohnend ist von hier ein kurzer Abstecher zum „Viktor-von-Scheffel-Blick“, einem Aussichtspunkt, der mit gigantischem Blick über das obere Maintal für die Mühe des Aufstiegs belohnt.

Vierzehnheiligen: Cyriakus, der Diakon mit gefesseltem Dämon
Der Nothelferweg-Infostand in Klosterlangheim. Foto: Andreas Motschmann

Mit einer Länge von 4,6 Kilometern kann der Weg in einer guten Stunde bewältigt werden. Er ist für Schulklassen und Familien mit kleinen Kindern leicht zu gehen, aber auch für ältere Wanderer attraktiv. Ausreichend Ruhemöglichkeiten in Form von Sitzsteinen und -bänken laden zur Rast und zur Besinnung ein. Am Ziel des Nothelferweges liegt nicht nur die prächtige Basilika, sondern auch die alte Klosterbrauerei Trunk, in der man sich vor dem Rückweg stärken kann. Nicht nur spontane Wanderungen, sondern ebenso eine geführte Wanderung im Rahmen eines Tagesseminars des Diözesanhauses werden Jahr für Jahr auf dem Pilgerweg durchgeführt.

Aus Dankbarkeit für die Heimkehr nach Vierzehnheiligen gelaufen

Dem Autor dieser Serie ist seit seiner Kindheit der Weg nach Vierzehnheiligen bekannt. Dass sein Vater Krieg und Gefangenschaft überlebte und am 24. August 1945 in sein Heimatdorf zurückkam, blieb bei ihm in dankbarer Erinnerung, der auch Taten folgten. Jahr für Jahr brach der Vater am dritten Sonntag im August, also um Bartholomä, zu seiner privaten Fußwallfahrt von Altenkunstadt nach Vierzehnheiligen auf.

Schlag vier Uhr in der Früh ging er los, vorbei an manch offenem Fenster mit dem einen oder anderen Schnarchlaut. Vorbei an der Pfaffendorfer Kapelle bis Burkheim. Die ersten Bauern öffneten ihre Stalltüren und grüßten den einsamen Pilger. Am ehemaligen Ökonomiehof des Klosters Langheim vorbei ging er linker Hand auf die alte Chausseestraße und durch den Langheimer Wald nach Vierzehnheiligen.

Idee der Wallfahrt stammt von Heimkehrer aus dem Weltkrieg

Als er sich nach 1945 mit Kriegsveteranen unterhalten hatte, die als Soldaten bereits im Ersten Weltkrieg eingesetzt gewesen waren, hatten sie ihm erzählt, dass mancher von ihnen nach 1918 ebenfalls einmal im Jahr aus Dankbarkeit für die Heimkehr nach Vierzehnheiligen gelaufen sei. So wie er hätten sie ihre Erlebnisse im Schützengraben, die Angriffe mit Senfgas und andere Schikanen aus dem Ersten Weltkrieg im Langheimer Wald hinaus geschrien. Nur dort sei es ihnen möglich gewesen. Und dort hätte es der Herrgott auch gleich direkt hören können. Mein Vater habe sie verstanden; auch er kam jedes Mal erleichtert in Vierzehnheiligen an. Seitdem sieht der Autor die Wälder rund um Vierzehnheiligen und den Weg von Altenkunstadt bis zum Gnadenort in einem anderen Licht.

 

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