LICHTENFELS/ALTENKUNSTADT

Die Kelten waren zuerst da: Auf gedd's - nauf'n Korches

Die älteste bekannte Karte vom Kordigast aus dem Jahr 1672. Foto: Repro: Andreas Motschmann

/Weismain Der neue Kelten-Abenteuerspielplatz Spielwienix auf dem 537 Meter hohen Kordigast ist eine Attraktion für Familien. Kelten gab es schon im fünften Jahrhundert vor Christus auf dem Kordigast. Keramikfragmente und Grabhügel verweisen auf ein politisches Zentrum. Ein nur noch in geringen Resten erhaltener Randwall hat früher die ganze Hochfläche umschlossen.

Diese geschichtete Steinmauer wurde gestützt durch senkrechte, hölzerne Pfosten und horizontal anbindende Anker. Ein Tor wie auf dem Staffelberg wurde bisher noch nicht gefunden. Vertrieben wurden die Kelten vermutlich von Germanen, die nach einem Klimawandel Nordeuropa verlassen hatten. Der Kordigast war vermutlich auch Begräbnis- und Opferstätte.

Geschichte und Geschichten um den Korches

Der Große und der Kleine Kordigast sind durch einen Sattel voneinander getrennt. Das „Klein“ bezieht sich auf die Fläche. Tatsächlich ist der Kleine Kordigast etwas höher. Um beide Bergteile ranken sich Sagen und Geschichten. Die Sage von der steinernen Hochzeit gibt es auch anderswo, die Sage vom Fisch im Berg ist auch vom Staffelberg und der Ehrenbürg bei Forchheim bekannt. Auf dem Großen Kordigast erklären zwei weitere Geschichten die Ursache für das Kreuz auf dem Gipfel.

Seit der schriftlichen Erstbelegung vom Jahre 1376 gilt als alleiniger Grundherr am Kordigast das Kloster Langheim. Seit genau 600 Jahren existiert der Hof am vorderen Kordigast, der 1419 „vöide Korches“ hieß. Ab 1818 gehörte er mit neun Einwohnern zur Gemeinde Pfaffendorf und seit 1972 zur Gemeinde Altenkunstadt. Die höchste Einwohnerzahl wurde 1950 mit 19 Personen registriert.

Unterschiedliche Bergbezeichnungen im Laufe der Jahrhunderte

Mensch und Tier zog es immer wieder zum Kordigast hinauf. Deshalb hatte er im Laufe der Jahrhunderte unterschiedliche mundartlich geprägte Namen. Vom slawischen Personennamen Chotegost wird heute der Bergname abgeleitet. Bis ins 19. Jahrhundert finden wir Bergbezeichnungen wie „Kotigiß“, Kotirsberg“ und „Köttiges“.

Die älteste bekannte Karte vom Kordigast aus dem Jahr 1672. Foto: Repro: Andreas Motschmann

Die ersten Bezeichnungen Kortegast im Jahr 1602 oder Kotgast sind eine reine Schreibform; niemand sprach sie so aus. Nach 1720 finden wir die Bezeichnung Köttiges. Diese Schreibweise könnte aus der Mundartform abgeleitet sein. Grundsätzlich kann man festhalten, dass bäuerliche Sprechvarianten die klösterlichen Kanzleien erst nach einer gewissen Zeit erreicht haben.

Aus dem am meisten gebräuchlichen „Kottigas“ und der Mundartform „Korches“ entstand Ende des 19. Jahrhunderts unsere heutige Bergbezeichnung. Kordigast gehört zu den in Nordostbayern nicht seltenen Namen slawischer Herkunft mit der Endsilbe -gast.

Nicht immer so bewaldet wie heute

Nicht immer war der Kordigast so bewaldet wie heute. In früheren Jahrhunderten gab es neben etlichen Einzelhöfen die Siedlung Rudental. Sie betrieben Land- und Weidewirtschaft und existieren nicht mehr. Hinzu kam der Bergbau. Dadurch war der Berg lange Zeit gänzlich waldfrei.

1672 kam es zu einer Auseinandersetzung zwischen dem Schloßgut Giechkröttendorf und den Dorfgemeinden in Pfaffendorf und Burkheim über den Schaftrieb in den Ortsfluren. Nach Auffassung des klösterlichen Verwalters – seit 1618 gehörte das Schloßgut Giechkröttendorf zum Kloster Langheim – reichten die Weiderechte seiner Schäferei bis hinunter zu den nördlichen Kordigast-Ausläufern. Dagegen beanspruchten Pfaffendorf und Burkheim ihrerseits Schaftriebsrechte in der Flur von Giechkröttendorf.

Auseinandersetzung wegen des Schaftriebs am Kordigast

Der Gutsverwalter beschlagnahmte einst kurzerhand die Schafherde des Pfaffendorfer Hirten, die sich seiner Meinung nach widerrechtlich auf klösterlichem Weidegrund aufgehalten hatte. Langheims Abt Alberich Semmelmann ließ daher 1672 eine kartographische Aufnahme des umstrittenen Gebietes anfertigen. Sie ist die älteste erhaltene Ansicht vom Kordigast. In der Bildmitte oben (B) erhebt sich auf der in hellen Ockertönen gehaltenen Albhochfläche das felsig-kahle Plateau des Großen Kordigast. Unterhalb ist mit dem schwer erkennbaren Buchstaben C der Kleine Kordigast, hier „Waldberg“ genannt.

Am hinteren Kordigast, politisch der Stadt Weismain einverleibt, stand ursprünglich ein Schafstall. 1870 errichtete hier Heinrich Baier aus Woffendorf einen Berghof, heute das „Gasthaus zur Steinernen Hochzeit“, das von vielen Wanderern gerne aufgesucht wird.

Beim Blick vom Gipfelkreuz hat man einen traumhaften Panoramablick über das Maintal, zum Thüringer Wald und bis ins Fichtelgebirge.

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