LICHTENFELS

Vision 2030 in Lichtenfels: Mut, Motivation, Netzwerk

Von der Idee zum erfolgreichen Start-Up: Axel Hümmer, Eva Hümmer und Phillip Semmelmann (v. li.) haben in Ebensfeld einen aufstrebenden Online-Versandhandel für individuell gemischtes Pferdefutter gegründet. Foto: Mypferdefutter.de

Lichtenfels hat sich viel vorgenommen: Bis 2025 will die Korbstadt im Verhältnis zur Einwohnerzahl Spitzenreiter bei Neugründungen in Oberfranken werden. Bis dahin ist es aber noch ein weiter Weg. Eine aktive „Gründerszene“ ist bislang nicht vorhanden – es mangelt an einer Plattform zur Vernetzung, zum Austausch oder auch zur Beratung von Jungunternehmern oder solchen, die es werden wollen. Das soll aber nicht so bleiben.

Im Zuge der Vision 2030 ist ein Ideen- und Gründerzentrum geplant mit dem Ziel, die Ansiedlung von Neugründungen und die Innovationskraft in der Region voranzutreiben. Wie aber könnte eine solche Einrichtung aussehen? Welche Unternehmen werden dort ein Zuhause finden? Und wie lässt sich der Lichtenfelser Gründergeist nachhaltig beleben? Um Antworten auf diese Fragen zu finden, lohnt es sich, einen Blick auf erfolgreiche Gründer im Raum Lichtenfels zu werfen und über die Grenzen des Landkreises hinaus zu schauen, wo es bereits aktive Start-Up-Communities gibt.

High Tech made in Lichtenfels

Eine der wohl bekanntesten unternehmerischen Erfolgsgeschichten in Lichtenfels ist Concept Laser. Aus dem Start-Up, welches Frank und Kerstin Herzog vor rund 20 Jahren gegründet haben, entwickelte sich ein schnell wachsender Mittelständler, der nun zu den weltweit führenden Anbietern im Bereich des metallbasierten 3D-Drucks gehört. Frank Herzog sieht sich aber weniger als Start Up, sondern als klassischer Gründer, der insbesondere die Unterstützung zu schätzen weiß, die ihm in der Anfangsphase zu Teil wurde: „Es gab bereits High-Tech in Lichtenfels und Unternehmer mit visionärem Blick, die uns mit ihrer Erfahrung und natürlich auch mit dem nötigen Kapital wertvolle Starthilfe gegeben haben.“

„Es gab bereits High-Tech in Lichtenfels und Unternehmer mit visionärem Blick, die uns mit ihrer Erfahrung und natürlich auch mit dem nötigen Kapital wertvolle Starthilfe gegeben haben.“
Frank Herzog, Gründer von Concept Laser

Auch die Standortfaktoren spielen eine Rolle. So weist die Korbstadt eine sehr gute Verkehrsanbindung auf und profitiert zudem von der Nähe zu Hochschulen wie Coburg und Bamberg. „Das sind alles Faktoren, die dazu beitragen, die positive wirtschaftliche Entwicklung in der Region voranzutreiben“, so Herzog weiter.

Erfolgreicher Gründer aus Ebensfeld: Tobias Beuschel hat den Weg in die Selbstständigkeit nie bereut und sieht in einem ... Foto: Picabird gmbh

Ein weiterer Attraktivitätsfaktor wird in absehbarer Zeit hinzukommen. Die Rede ist vom Zentrum für Digitale Zukunftstechnologien (FADZ), welches die Stadt und der Landkreis Lichtenfels gemeinsam mit der Hochschule Coburg und Frank Herzog planen. Es soll mittelständischen Unternehmen den Zugang zu innovativen Fertigungstechnologien vereinfachen und Anlaufstelle für additive Fertigung in der Region werden. Lichtenfels könnte sich so zu einem Epizentrum des 3D-Drucks entwickeln und sowohl dem Fachkräftemangel trotzen als auch den demografischen Wandel positiv beeinflussen.

Gründer-Vorbilder aus Ebensfeld

Doch auch jenseits der additiven Fertigung gibt es Erfolgsgeschichten am Obermain, die Mut machen und als Vorbild für potenzielle Gründer vorangehen können. Dafür muss man nur nach Ebensfeld blicken. Hier trifft man auf Tobias Beuchel, der zusammen mit seinen Geschäftspartnern Daniel Beuschel und Daniel Strußenberg die picabird GmbH gegründet hat.

Vom Foodblog zum erfolgreichsten Onlinemagazin für vegane Ernährung

Das Start-Up ist Initiator und Betreiber mehrerer erfolgreicher Projekte: Mit der personalkampage.de haben die Spezialisten für Online-Marketing den Personalakquise-Prozess intelligent digitalisiert und verhelfen Unternehmen auf effizientem Wege zu Personal – mit Bewerbergarantie versteht sich. Zum Kundenstamm zählen sowohl Handwerksbetriebe und Mittelständler als auch große DAX-Konzerne. Die Ernährungsplattform wir-essen-gesund.de wiederum hat sich vom einfachen Foodblog zum erfolgreichsten Onlinemagazin für vegane Ernährung in Deutschland, Österreich und der Schweiz entwickelt – mit knapp einer halben Million monatlichen Lesern.

Mitarbeiter agieren in der Regel von Home Office aus

„Für uns ist ein Traum wahr geworden“, berichtet Tobias Beuschel und fügt hinzu: „Um diesen zu verwirklichen und weiter zu verfolgen, war und ist natürlich viel Zeit und harte Arbeit nötig. Aber wir bereuen es nicht. Ganz im Gegenteil: Wir würden unsere berufliche Situation und die damit verbundene Flexibilität und Gestaltungsfreiheit keinesfalls tauschen wollen.“ Interessant ist dabei auch die Art und Weise, wie junge Start-Ups im Online-Bereich arbeiten – die mittlerweile rund zehn Mitarbeiter agieren in der Regel vom Home Office aus und Sitzen unter anderem in Bamberg und Berlin.

Versand von individuell gemischtem Pferdefutter

Eine weitere Gründerstory spielt ebenfalls in Ebensfeld. Hier haben Axel Hümmer und Phillip Semmelmann mit mypferdefutter.de ein aufstrebendes Online-Business aufgebaut, das sich auf den Versand von individuell gemischtem Pferdefutter spezialisiert hat.

In Coworking Spaces wie hier in Coburg finden neu gegründete Unternehmen die nötigen Räumlichkeiten und die geeignete In... Foto: Zukunft.Coburg.Digital GmbH

Was mit einer „Schnapsidee im wortwörtlichen Sinne begann“, wie Axel Hümmer mit einem Augenzwinkern verrät, „hat sich innerhalb kurzer Zeit zu einem erfolgreichen Versandhandel entwickelt. Wir versenden unsere Futtermischungen sogar nach Österreich und Holland.“ Dank diverser leitender Positionen im Einzelhandel brachte Axel Hümmer bereits einen wertvollen Erfahrungsschatz in den Aufbau seines Geschäfts mit ein. Das ist natürlich nicht immer der Fall. Gerade deshalb hält auch er es für wichtig, in Lichtenfels eine Anlaufstelle für junge Gründer und Gründerinnen zu etablieren.

Eine Anlaufstelle für alle

Blickt man über den Landkreis hinaus, so trifft man mit dem Zentrum für Innovation und Neue Unternehmen (IGZ) in Bamberg und mit Zukunft.Coburg.Digital in Coburg bereits auf zwei etablierte Einrichtungen für Start-Ups: Sie bieten mit regelmäßigen Netzwerk-Veranstaltungen Gelegenheit zum Ideen- und Erfahrungsaustausch und stehen Jungunternehmern mit Beratungs- und Weiterbildungsangeboten zur Seite. Nicht zu vergessen die sogenannten Coworking Spaces, die vor allem Freiberuflern und Unternehmen in der Anfangsphase geeignete Arbeitsplätze und Infrastruktur zur Verfügung stellen und die Bildung einer Community ermöglichen. Bei dieser Form des Arbeitens können oftmals auch gemeinsame Projekte verwirklicht und neue Mitstreiter gefunden werden.

Wie könnte das Ganze nun für Lichtenfels aussehen? Wie Steffen Hofmann, Leiter des Amtes für Wirtschaft, Tourismus und Stadtmarketing, verrät, „soll das Ideen- und Gründerzentrum möglichst breit aufgestellt und eine Anlaufstelle für alle werden“. Schnittstellen kann und wird es sicherlich mit dem Forschungs- und Anwendungszentrum FADZ geben, welches sich bereits in der konkreten Planung befindet. Hier sollen die Anwendungsberatung und der Wissenstransfer, die Aus- und Weiterbildung sowie die angewandte Forschung für regionale Unternehmen in den Fokus gestellt werden.

Lichtenfels hat als Wirtschaftsstandort Potenzial

Wo auch immer der Weg in den nächsten Jahren hinführt – es lässt sich jedenfalls heute schon feststellen, dass Lichtenfels als Wirtschaftsstandort Potenzial hat, auch für Gründer und Gründerinnen. Was es hierzu vor allem braucht, sind mutige Menschen. Und dabei spielt es keine Rolle, ob man weiblich oder männlich ist, gerade die Mittelschule abgeschlossen, eine Hochschule besucht oder eine Ausbildung absolviert hat. Ebenso wenig ist zunächst auch nicht entscheidend, ob das Business im produktiven oder kreativen Bereich, in der IT oder auch im Handwerk aufgebaut wird.

Viel wichtiger ist das „Wie?“, welches mit einer soliden Unterstützung, insbesondere in der Gründungsphase, einhergeht. Und hierfür sind sowohl ein geeignetes Netzwerk als auch engagierte Unternehmer und Unternehmerinnen nötig, die bereit sind, ihr Wissen und ihre Erfahrung an die nächste Generation weiterzugeben.

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