LICHTENFELS

Lichtenfelser Stadtrat gibt grünes Licht für 190 Wohnungen

Auf dem ehemaligen Güterbahnhof (hier beim Abriss im Januar 2018) sollen 190 neue Wohnungen entstehen. Allerdings muss der Boden noch auf Schadstoffe untersucht werden. Foto: Markus Drossel

Es ist ein neues Stadtviertel, zu dem der Stadtrat in seiner Sitzung am Montag grünes Licht gegeben hat. Auf dem Areal des ehemaligen Güterbahnhofs will der Investor „Wohnen und Leben“ aus Bad Soden im Taunus 38 Reihenhäuser, vier Mehrfamilienhäuser und vier sogenannte Servicehäuser mit 80 bis 100 Apartments, also insgesamt rund 190 Wohneinheiten, bauen. In diesem neuen Stadtviertel sollen auch sozial schwächere Familien die Chance auf den Erwerb eines Reihenhauses haben, wie es im Beschluss des Gremiums heißt.

Ein Investor plant, auf dem Gelände des ehemaligen Güterbahnhofs ein neues Quartier zu bauen. Der Stadtrat beschloss am ... Foto: Grafik: Planungsgruppe Strunz

Detailliert vorgestellt wurde das Vorhaben von Frank Schönfelder von der Planungsgruppe Strunz aus Bamberg. Er erläuterte auch die Schwierigkeiten, mit denen die Planer auf dem Gelände zwischen Bahnlinie, Bamberger Straße und dem ESV-Sportgelände konfrontiert waren. Eine war der Lärmschutz, dem mit einer zehn Meter hohen Schutzwand zu den Gleisen und einer speziellen Bauweise zur Hauptstraße laut Schönfelder Genüge getan wurde.

Auch Schrebergärten von Bodenverschmutzung betroffen

Problematischer ist dagegen die Bodenbelastung des Areals, die der damalige Eigentümer DB Netz AG im Jahr 2017 hat ermitteln lassen. Laut Planskizze sind etwa 50 bis 60 Prozent des Geländes in der Gefahrenklasse 2 verschmutzt. Im Übrigen scheinen der Aussage Schönfelders zufolge auch die benachbarten Schrebergärten betroffen zu sein.

Auf Nachfrage von Bernhard Christoph (Grüne) sagte der Planer, dass die Verunreinigung nicht so stark sei, dass man hier den Boden austauschen müsse. Eine Abdeckung oder Versiegelung des Bereichs würde ausreichen.

 

Nachdem auch Andrea Starker (CSU) Bedenken wegen der Schadstoffe im Erdreich geäußerte hatte, betonte Schönfelder, dass sein Investor sicher kein gesundheitsgefährdendes Gebiet erworben hätte: „Als Planer habe ich natürlich auch kein Interesse, ein Wohngebiet auf kontaminiertem Grund zu entwerfen.“

„Wir als Stadträte sitzen hier, um zu diskutieren. Wem das zu lange dauert, der soll nach Hause gehen.“
Helmar Zipp, SPD-Stadtrat

Die Stadt wird im Zuge der Bauleitplanung auf Anordnung des Landratsamtes auf alle Fälle ein weiteres Bodengutachten über die Verschmutzung des Geländes erstellen, um deren Grad und eine mögliche Gesundheitsgefährung festzustellen, hieß es von der Verwaltung.

Eine großer Teil des Bodens auf dem Areal des ehemaligen Güterbahnhofs ist mit Schadstoffen belastet (rote Flächen), wie... Foto: Grafik: Planungsgruppe Strunz

Auf Christophs weitere Nachfrage zum Thema „sozialer Wohnungsbau“ sagte Schönfelder, dass dies bei den Vertragsverhandlungen zwischen Stadt und Investor festgelegt werden müsse.

Nach dem Beschluss des Stadtrates am Montag startet nun die Bauleitplanung für das Gelände. Diese soll bis spätestens Frühherbst 2020 abgeschlossen sein, dann könne mit den Arbeiten begonnen werden.

Eine längere Diskussion gab es um den Antrag der Grünen auf Erlass einer Baumschutzverordnung. Der Verwaltungsentwurf sah vor, auf deren Erlass zu verzichten und die Thematik in den Arbeitsgruppen der Stadtentwicklung Vision 2030 zu bearbeiten. Mit diesem Vorgehen war Bernhard Christoph jedoch alles andere als einverstanden: „In meiner Zeit als Stadtrat ist dies der dritte Versuch, eine solche Verordnung zu erlassen. Zweimal wurde sie abgelehnt, jetzt soll sie zum dritten Mal nicht beschlossen werden. Dabei wollen die Lichtenfelser Bäume in der Stadt, und auch für das Stadtklima sind sie sehr wichtig.“

Um markante Bäume wie diese Linden am Platz gegenüber des Bahnhofs zu schützen, soll im Rahmen der Vision 2030 deren Sch... Foto: Steffen Huber

Zwar verstehe er, dass die Verwaltung den Baumschutz in die Arbeitskreise verweisen will, doch den ablehnenden Entwurf könne er nicht akzeptieren. Er wünsche zumindest eine Positivaussage, dass der Baumschutz in die nächsten Bau- und Planungsleitlinien einfließe. Diesen geänderten Entwurf nahm der Stadtrat dann auch einstimmig an.

Zu große Maßregelung der einzelnen Bürger

Zuvor hatten sich aber Philipp Molendo (JB), Frank Rubner (CSU), Johannes Oppel und Roland Lowig (beide WLJ) kritisch über eine eigene Baumschutzsatzung als zu große Maßregelung der Bürger geäußert, wogegen Arnt-Uwe Schille, Monika Faber und Ralf Schneider (alle SPD) den Kompromiss lobten.

Dies tat auch Robert Gack (CSU), der jedoch Bernhard Christoph bat, sich angesichts der zweieinhalbstündigen Dauer der Sitzung in seinen Redebeiträgen kürzer zu fassen. Darauf der Grüne: „Nach meinem Empfinden müssen im Stadtrat Argumente ausgetauscht werden.“ Er könne aber seinen Stadtratskollegen zusagen, dass er ab 2020 nicht mehr für das Amt kandidieren werde, und sich deshalb auch niemand mehr über seine langen Beiträge ärgern müsse, was Gack aber nun auch bedauerte.

Unterstützung bekam Christoph von Helmar Zipp (SPD): „Ich kann den Kollegen verstehen. 15 Jahre hat sich nichts in Sachen Baumschutzverordnung bewegt, da ist es normal, dass er einen verbindlichen Beschluss wünscht. Und zum Thema Diskussion: Wir als Stadträte sitzen hier, um zu diskutieren. Wem das zu lange dauert, der soll nach Hause gehen.“

Aus dem Stadtrat

• Der Stadtrat votierte für die Aufstellung des Bebauungsplanes B 65 Akazienweg in Buch als allgemeines Wohngebiet. Die Anwohner hatten dagegen die Aufstellung als reines Wohngebiet befürwortet, weil sie die Erweiterung einer Firma befürchteten. Diesem Anliegen konnte das Gremium nicht zustimmen. Es wird jedoch die Bedenken der Bürger insofern berücksichtigen, dass alle anderen Nutzungsarten als eine reine Wohnnutzung in jedem Einzelfall vom Stadtrat erst genehmigt werden müssen.

• Einstimmig beschloss der Stadtrat die Aufstellung des Bebauungsplanes B 41 Lärchenweg in Reundorf. Stadtbaumeister Gerhard Pülz erläuterte, dass in dem Plan die Nähe des Baugebiets zu Kloster Banz berücksichtigt werde. Deswegen sollen nur traditionelle und in die fränkische Landschaft passende Dach- und Gebäudeformen genehmigt werden.

• Grünes Licht gab die Bürgervertretung für die Umstufung des Mischgebiets in das allgemeine Wohngebiet B 25 Gustav-Heinemann-Straße. Allerdings mussten die Bedenken des Landratsamtes wegen einer hohen Lärmbelastung durch den Verkehr auf der Viktor-von-Scheffel-Straße und die Unternehmen gegenüber der Konrad-Adenauer-Straße in die Entwürfe eingearbeitet werden. Deswegen soll entlang der Viktor-von-Scheffel-Straße ein Streifen mit der Tiefe der ersten angrenzenden Grundstücke als Mischgebiet beibehalten werden.

• Gegen die Stimmen von Monika Faber und Helmar Zipp (beide SPD) lehnte das Gremium einen Antrag Zipps ab, Familien mit Kindern beim Erwerb von Baugrundstücken gesondert zu fördern. Begründet wurde dies mit den bereits vorhandenen staatlichen Förderungen wie dem Bundesbaukindergeld oder dem bayerischen Baukindergeld sowie der großen Nachfrage nach städtischem Baugrund. Laut Andreas Eberlein von der Stadtverwaltung darf die Stadt kein Vermögen verschenken. Deswegen müsste ein Preisnachlass für Familien durch die anderen Interessenten ausgeglichen werden.

• Auf Antrag der SPD-Fraktionsmitglieder Monika Faber, Helmar Zipp und Dietmar Heinkelmann stellte die Verwaltung Fördermöglichkeiten von Freistaat und Bund für sozialen Wohnungsbau vor.

• Der Stadtrat bestimmte Dritten Bürgermeister Winfried Weinbeer zum städtischen Wahlleiter für die Kommunalwahl am 15. März 2020 und Peter Zillig von der Stadtverwaltung zu seinem Stellvertreter. Weinbeer wird nach sieben Legislaturperioden nicht mehr für ein Amt kandidieren und kann deswegen die Wahlleitung übernehmen.

 
 

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