LICHTENFELS

Nach Urteil zu Trunkenheitsfahrt geht es in die Zelle

Im Amtsgericht in der Kronacher Straße in Lichtenfels wird Recht gesprochen. Foto: Markus Drossel

Mitunter kommt es vor, dass auch der eigene Verteidiger im Gerichtssaal düpiert wird. Im Falle eines wegen fahrlässiger Trunkenheit im Verkehr angeklagten 31-Jährigen war dem am Dienstag so.

Rechtsanwalt Björn Kleyhauer sprach es bald nach Sitzungsbeginn an: Mit seinem Mandanten gebe es ein „großes Problem“. Das bestand darin, dass dieser ein mehrfacher Straftäter und Bewährungsversager ist. Der 31-Jährige, der lange Zeit mit Montagediensten beschäftigt war und sich nun beruflich umorientieren will, war in den Morgenstunden des 10. Novembers 2018 mit 1,56 Promille unterwegs. Das kostete ihn den Führerschein.

Acht Tage später wurde er am Nachmittag bei Lichtenfels kontrolliert: als Fahrer ohne Schein im Auto sitzend. Immer wieder sollte Kleyhauer auf das „beruflich Hoffnungsvolle“ eingehen, mit welchem er für seinen Mandanten eine Lanze zu brechen suchte. Auch der 31-Jährige stellte seine Absichten in gutem Licht dar. So wolle er in Bälde im sozialen Dienst arbeiten, Kontakte und Gespräche hierzu gebe es und überhaupt sei er „gewillt, mein Leben in die Hand zu nehmen und in die richtige Bahn zu lenken“.

Ein Leben mit so mancher Verfehlung

Die Richtungen, die sein Leben bislang nahm, führten sogar mal in die Haft. Es war dem jungen Mann ein spürbares Anliegen, von Künftigem zu erzählen. Damit aber stieß er bei Richter Alexander Zenefels auch mal auf eine Wand. „Sie reden zu viel von der Zukunft, gehen Sie mal zurück zu dem Tag, wo Sie sich hinters Steuer gesetzt haben“, so der Richter auf den 18. November 2018 anspielend, jenem Tag, als man bei dem Altenkunstadter keinen Führerschein, wohl aber im Handschuhfach eine Pistole fand.

Zwar sei diese nur eine Druckluftpistole, aber von ihrer Existenz und Herkunft wollte der Angeklagte nichts gewusst haben. „Ich glaube, Sie bekommen viel nicht mit“, kommentierte Zenefels diese Einlassung. Und noch etwas dürfte gegen den Mann eingenommen haben: Die Zeugenaussage einer Polizistin, die von dem Angeklagten am 18. November zu hören bekam, dass es diesem ,egal' sei, ob der Führerschein eingezogen wird. Er werde „trotzdem weiter Auto fahren“. Auf die richterliche Frage, was er sich an dem 18. November gedacht habe, erklärte der junge Mann, dass es „kopftechnisch“ eine volle Katastrophe war, dass er aber damals seine Mutter und Großmutter habe pflegen und versorgen müssen, schlichtweg nervlich überfordert war.

Als Rechtsanwalt Kleyhauer hervorhob, dass sein Mandant ordentlich mit der Bewährungshilfe zusammenarbeite, erfuhr er allerdings Gegenteiliges. Die Rede kam darauf, dass der Bewährungshelfer schleppende Mitarbeit bemängelte. Ein Moment, der Kleyhauer durchaus peinlich schien, war ihm diese Information doch selbst neu und von seinem Mandanten nicht erwähnt worden. In seinem Urteil folgte Alexander Zenefels weitgehend der Forderung von Staatsanwalt Mario Geyer und verhängte wegen fahrlässiger Trunkenheit im Verkehr sowie vorsätzlichen Fahrens ohne Fahrerlaubnis eine sechsmonatige Haftstrafe. Nicht zur Bewährung.

Haftstrafe für Bewährungsversager

Denn: „Dass wirklich was draus werden könnte, davon ist das Gericht nicht überzeugt“, so der Richter auf die vom Angeklagten oft im Munde geführte Lebensumstandsverbesserung. „Irgendwann ist das System am Ende, irgendwann müssen auch mal Haftstrafen verhängt werden“, so Zenefels weiter.

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