LICHTENFELS

Geplanter Hort in der Kronacher Straße in Lichtenfels

Die Villa von Otto Bamberger, einst „Sonnenhaus“ genannt, liegt versteckt hinter Ahorn und Zypresse in der Kronacher Straße. Die Stadt will in den nächsten Jahren das Anwesen zu einem Kinderhort umbauen. Foto: Steffen Huber

Sie liegt an der Hauptstraße von Lichtenfels. Doch versteckt hinter Ahorn, Zypresse und Flieder, nimmt kaum eine Autofahrer oder Fußgänger die Villa richtig wahr. Dabei entpuppt sich bei näherem Hinsehen das Anwesen Kronacher Straße 21 als ein für Lichtenfels einzigartiges Schmuckstück, das architektonisch viel zu bieten hat. Seit diesem Frühjahr gehört das Haus der Stadt, die es für einen mittleren sechsstelligen Betrag erworben hat und es in den nächsten Jahren zu einem Hort umbauen möchte.

Stadtbaumeister Gerhard Pülz ist jedenfalls total begeistert von dem Gebäude. Erbaut wurde es in den Jahren 1914 bis 1920 von Otto Bamberger, dem Inhaber des damals größten Unternehmens der Korbstadt. Bambergers Familie stammt aus Mitwitz im Landkreis Kronach und hatte als einer der größten europäischen Lieferanten von Rohmaterial für die Korb- und Rattan-Möbelindustrie ein Vermögen gemacht.

Stadtbaumeister Gerhard Pülz in einem als Waschküche und auch als Schlachtraum genutzten und ausgestatteten Raum im Kell...

Architekt der unter Denkmalschutz stehenden Villa war Otto Berger, einer der wichtigsten Vertreter des Jugendstils in Coburg.

Treppenhaus und Bibliothek von Bauhausdesigner gestaltet

Das Innere des Gebäudes ließ Bamberger von Bauhaus-Designer Erich Diekmann gestalten, beispielsweise das prächtige Treppenhaus, eine Bibliothek und natürlich auch die Wohnräume. Noch heute zeugen original erhaltene und voll funktionsfähige Einbauschränke mit Intarsien von der hohen Qualität der Arbeiten. Diese wird auch in den Kellerräumen sichtbar.

„Im Heizungskeller sind noch die einst verbauten Fliesen erhalten“, sagt Stadtbaumeister Pülz und zeigt auf den Fußboden: „Wir haben hier noch das originale Parkett, 1920 im Keller verlegt und immer noch trocken!“ Man merkt Gerhard Pülz an, wie er in die über 100 Jahre alte Villa verliebt ist.

In den großen und hellen Räumen sollen in ein paar Jahren die Kinder des neuen Horts Hausaufgaben machen und spielen.

Es sind Details wie ein erhaltener Luftschutzkeller, ein Waschraum, der auch zum Schlachten verwendet worden ist, oder eine elektrische Gegensprechanlage, die in den 1920-er Jahren etwas Außergewöhnliches darstellte, die ihn vom Gebäude schwärmen lassen.

Ausstellung über Otto Bamberger ab dem 9. November

Das soll übrigens bis zum Herbst soweit hergerichtet werden, dass hier am Jahrestag der Reichspogromnacht am 9. November eine Ausstellung eröffnet werden kann. Darin soll an den großen Kunstmäzen Otto Bamberger erinnert werden, der wegen seiner jüdischen Abstammung 1933 von den Nazis in „Schutzhaft“ genommen wurde. Kurz nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis der braunen Schläger verstarb der glühende Pazifist und Sozialdemokrat allerdings im gleichen Jahr.

Das Treppenhaus gehört zu den Schmuckstücken des Anwesens Kronacher Straße 21, in das nach einer Sanierung ein Hort einz...

Nach dem Ende der Ausstellung soll laut Pülz mit dem Umbau der Villa zu einem Hort begonnen werden. „Der Platz dafür ist ideal gelegen zwischen Gymnasium und Grundschule“, erläutert der Stadtbaumeister. Natürlich, so betont der Chef des Stadtbauamtes, erfolgen diese Arbeiten – unter anderem soll an der Rückseite der Villa eine Treppe samt Lift geschaffen werden – in enger Abstimmung mit dem Denkmalschutzamt. Und natürlich sollen die Nachbarn des Anwesens mit ins Boot genommen werden, sodass es zu möglichst wenig Belastung durch den Bau und den zu erwartenden Lärm kommt.

Sogar einen Luftschutzkeller gibt es in dem Anwesen in der Kronacher Straße.

 

Diese Gegensprechanlage stammt aus den 1920-er Jahren.

 

 

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