LICHTENFELS

Schwarzfahrerei wurde zum Verhängnis

Sieben Mal wurde der Angeklagte bei Bahnfahrten ohne Fahrkarte erwischt. Nun muss er hinter Gitter. Foto: Markus Drossel

Sollte es ihm etwas ausgemacht haben, so versteckte der junge Mann beim Urteilsspruch sehr gut seine Enttäuschung. Gefasst nahm er am Mittwoch eine siebenmonatige Freiheitsstrafe hin. Ohne Bewährung. Sein Delikt: Schwarzfahren. Über alle Maßen allerdings, wie das Gericht klarstellte.

Erschleichung von Leistungen, so lautete die Anklage der Staatsanwaltschaft. Aus der Anklageschrift verlas Staatsanwalt Daniel Killinger, was Ermittlungen eindeutig ergaben. Zwischen Juni 2018 und Januar 2019 wurde der 30-jährige Landkreisbewohner sieben Mal ohne Fahrkarte auf der Bahnstrecke Lichtenfels-Hof erwischt. Er fuhr zu seiner Freundin oder kam von ihr. Berechnungsgrundlage für den der Bahn entstandenen Schaden war die Distanz, die er dabei zwischen Einstiegsbahnhof und dem Zeitpunkt bzw. Streckenhöhe der Kontrolle zurücklegte.

Insgesamt entstand der Bahn ein Schaden in Höhe von 34,60 Euro. Diesen hatte der Mann im Nachgang erstattet. „Ich hab' damals schon zugegeben, dass ich schwarzgefahren bin“, äußerte sich der Mann vor Richter Alexander Zenefels und Killinger. „Es war wahrscheinlich noch Geldmangel“, führte er zudem als Motiv an. Tatsächlich mochte der Mann damals Geldmangel erlebt haben und hinsichtlich dessen hat sich in seinem Leben etwas getan. War er damals ohne Job, so hat er heute einen. Dass sich damit seine Sozialprognose deutlich günstig gewandelt habe, bemerkte auch Verteidiger Wolfgang Bürckmann. Überdies sei es seitdem auch nie mehr zu ähnlichen Vorfällen gekommen. „Er hat kein Auto, sie hat kein Auto, er hat nicht verdient, sie hat nicht verdient“, so ein Sachverhalt kurz und knapp zusammengefasst. Dass es sich aber dennoch nicht um Gentleman-Delikt handelte, machten Killinger und Zenefels mehrmals deutlich.

Vor allem darum, weil der Schwarzfahrer zu den besagten Zeitpunkten unter Bewährung stand und er in einer vorherigen Verhandlung schon Besserung gelobte. Zu seinem aktuellen Lebenswandel ließ sich der 30-Jährige dahingehend ein, dass er früher gerne mal ausgegangen sei, „aber wenn du von früh bis abends arbeitest, dann ist man kaputt“. Das klang nach Solidität und nur ab und zu gönne er sich ein Feierabendbier.

Kaltschnäuzigkeit vorgeworfen

Doch Richter Zenefels kam auf einen Umstand zu sprechen, dem er eine gewisse Kaltschnäuzigkeit beimaß. Denn: „Einmal haben Sie es geschafft, auf der Hin- und Rückfahrt erwischt zu werden - Sie werden früh erwischt, und es hält Sie nicht davon ab, abends wieder schwarzzufahren?“ In seinem Plädoyer ging Killinger in Bezug auf ein deutlich zu forderndes Strafmaß darauf ein, dass es „in der Bevölkerung zu Irritationen kommen mag, wenn man so zulangt“. Aber die vom Angeklagten gezeigte Reue sei auch keine echte, eher ein Bedauern der Konsequenzen. Auch habe man es mit einem Mann zu tun, der schon in der Vergangenheit „durchweg mit Vermögensstraftaten zu tun“ hatte. Bei einer vergangenen Verhandlung sei für ihn noch Bewährung ausgesprochen worden.

„Er bekam Vertrauen geschenkt und darauf, dass man ihm vertraut hat, fährt er schwarz.“ Neun Monate Haft ohne Bewährung forderte Killinger, fünf Monate Haft auf Bewährung empfahl Bürckmann. Er erinnerte an „die fatalen Folgen“, die eine Haft für das nun endlich geglückte Berufsleben seines Mandanten bedeuten würde. „Ich hoffe, dass ich nochmal mit einem blauen Auge davonkomme“, erklärte der Angeklagte in den ihm zustehenden letzten Worten vor Urteilsverkündung selbst. Dieses Urteil sollte geringer als von Staatsanwalt Killinger gefordert ausfallen. Der junge Mann wurde zu sieben Monaten verurteilt. Allerdings doch ohne Bewährung. Vorherige Gerichtsprozesse hätten laut Zenefels „nicht einmal annähernd Eindruck beim Angeklagten hinterlassen“.

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