LICHTENFELS/COBURG

Bis zu 3,5 Millionen minus im Klinikum Lichtenfels erwartet

Auch das Klinikum Lichtenfels schreibt rote Zahlen. Durch neue Strukturen will der Klinikverbund Regiomed wieder in die Gewinnzone kommen. Foto: Sascha Ott

Die finanzielle Schieflage der Regiomed-Kliniken GmbH ist größer als erwartet. Genau beziffern wollte der neue Hauptgeschäftsführer Alexander Schmidtke das Defizit des vergangenen Jahrs in einem Pressegespräch zusammen mit den Gesellschaftern und den Geschäftsführern am Freitag allerdings nicht. Für 2019 wird ein Defizit von 17,1 Millionen Euro prognostiziert. Auch das Klinikum Lichtenfels würde nach der Hochrechnung der ersten vier Monate ein Minus von 6,8 Millionen erwirtschaften. Dennoch zeigte sich Schmidtke zuversichtlich, durch ein Sanierungs- und Entwicklungsprogramm das Defizit aus eigener Kraft schrittweise abzubauen. Mit dem „Turn around“ sei in drei bis vier Jahren zu rechnen.

„Ich bin davon überzeugt, dass die wirtschaftliche Optimierung auch die medizinische Qualität und die Patientenzufriedenheit verbessern kann.“
Alexander Schmidtke, Regiomed-Hauptgeschäftsführer

Zuversicht vermittelte der neue Hauptgeschäftsführer nach seiner ersten Woche im Amt, in der er kaum 16 Stunden geschlafen habe. „Ich gehe davon aus, dass der Verlust im vergangenen Jahr höher ausgefallen ist als erwartet“, sagte er. Dank erster Sanierungserfolge hoffe er, dass sich das Defizit für 2019, das auf rund 17,1 Millionen Euro geschätzt wurde, auf 13,6 Millionen Euro begrenzen lasse.

Das Sanierungskonzept für die Regiomed-Finanzen erläuterte Hauptgeschäftsführer Alexander Schmidtke (Mitte) zusammen mit... Foto: Gerhard Herrmann

Das Klinikum Lichtenfels werde im Verbund wohl zusammen mit dem Coburger Haus die höchsten Verlust einfahren: Die Prognose von 6,8 Millionen Euro lasse sich voraussichtlich auf 3,5 Millionen Euro begrenzen, ergänzte Robert Wieland, Geschäftsführer der bayerischen Einrichtungen.

MUT („Machen und tun“) ist das Entwicklungsprogramm überschrieben, das Schmidtke und seine Geschäftsführerkollegen dem Aufsichtsrat vorgelegt haben. „Das Prinzip der Einfachkeit ist unser Ziel“, betonte er. Der Regiomed-Verbund, der aus 17 Tochtergesellschaften mit 40 verschiedenen Tarifvertragswerken und 20 Altersversorgungsmodellen besteht, solle schlanker werden.

„Der rote Faden wird immer der Patient sein, aber alles, was Infrastruktur ist, muss zentral geregelt werden“, betonte Schmidte. Dazu setzt der Hauptgeschäftsführer auf Standardisierung, Digitalisierung und die bessere Vernetzung sämtlicher Einrichtungen, die viel Personalaufwand einsparen könne. Teure externe Berater sollen künftig nur noch in unbedingt notwendigen Fällen herangezogen und stattdessen auf „innere Gesundung“ gesetzt werden: „Das dauert etwas länger, ist aber nachhaltig.“

An der Sanierung der Finanzen der Regiomed-Kliniken wird in der Coburger Hauptverwaltung gearbeitet. Foto: Gerhard Herrmann

„Ich bin davon überzeugt, dass die wirtschaftliche Optimierung auch die medizinische Qualität und die Patientenzufriedenheit verbessern kann“, betonte Alexander Schmidtke. So könnten etwa durch die bessere Organisation von Operationen – der teuerste Fachbereich – angefangen mit einem einheitlichen Operationsbeginn nicht nur die vorhandenen Kapazitäten besser genutzt, sondern auch die Verschiebung von Eingriffen vermieden werden. Davon profitierten die Patienten. Einsparungsmöglichkeiten bieten auch Einrichtungen wie das Lager der einzelnen Häuser – wirtschaftlicher wäre es, das Material zentral vorzuhalten und bei Bedarf zu liefern.

Keine Kündigungen, aber Einsatz in anderen Bereichen des Verbunds

„Es wird keine Kündigungen geben, wir werden die Fluktuation nutzen“, betonte Schmidtke. Außerdem solle das Personal verstärkt dort eingesetzt werden, wo es im Verbund benötigt wird. Dies könne durch Versetzungen in schlecht besetzte Bereiche oder durch Springer-Einsätze geschehen. Ein weiteres Ziel ist ein einheitlicher Tarifvertrag. „Man kann auch im Tarif des öffentlichen Dienstes wirtschaftlich arbeiten“, meinte er auf die Frage nach dem Niveau eines einheitlichen Gehalts.

„Es wird ein harter Weg, aber wir haben gute Chancen, weil der Verbund in seiner Größe viele Möglichkeiten bietet“, betonte Schmidtke So hätten die Wirtschaftsprüfer von Roland Berger ein Potenzial von 30 bis 40 Millionen Euro bei Regiomed attestiert.

Die wirtschaftliche Situation des Regiomed-Verbunds erläuterten Hauptgeschäftsführer Alexander Schmidtke (2. v. re.) sow... Foto: Gerhard Herrmann

Für den Erhalt der „deutschlandweit einmaligen Körperschaft“ sprachen sich Landrat Sebastian Straubel und Oberbürgermeister Norbert Tessmer (beide Coburg) aus: „Die kommunale Trägerschaft wird nicht in Frage gestellt.“ Auch ein Investor werde nicht gesucht.

Regiomed und das Defizit

Der bayerisch-thüringische Regiomed-Gesundheitsverbund versorgt mit mehr als 5000 Mitarbeitern in vier Kliniken pro Jahr rund 67 000 stationäre und 95 000 ambulante Patienten und betreut über 550 Senioren und behinderte Menschen.

Im Herbst 2018 wurde bekannt, dass Regiomed Verluste erwirtschaftet. Für das Geschäftsjahr 2019 werden folgende Verluste erwartet: • Klinikum Lichtenfels: Prognose 6,8 Millionen Euro minus (Wirtschaftsplanung: 3,5 Millionen minus), • Klinikum Coburg: 4 Millionen Euro (5 Millionen Euro), • Klinikum Sonneberg: 2,1 Millionen Euro (1,3 Millionen Euro), • Klinikum Neustadt: 1,3 Millionen Euro (1,6 Millionen Euro),

• Klinikum Hildburghausen: 2 Millionen Euro (2,2 Millionen Euro).

Schlagworte