LICHTENFELS

Geldstrafe nun doch gezahlt: „Reichsbürger“ ist wieder frei

Nähe zu «Reichsbürger»-Szene - Bayern entlässt zwei Polizisten
Der „Reichsbürger“, der zu einer Großfahndung geführt hatte und letztlich im Landkreis Lichtenfels verhaftet wurde, ist wieder auf freiem Fuß. Er gibt sich nach Angaben seiner Heimatgemeinde reumütig und habe sogar einen Ausweis beantragt. Foto: SymbolJochen Lübke/dpa

Der „Reichsbürger“, der nach monatelanger Großfahndung in einer selbst gegrabenen Behausung in einem Steinbruch im Landkreis Lichtenfels festgenommen wurde und damit bayernweit für ein großes Presse-Echo sorgte, ist wieder auf freiem Fuß: Das bestätigte Alexander Czech, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Oberfranken, auf Nachfrage dieser Redaktion. „Durch Zahlung einer Geldstrafe konnte er die Haft abwenden.“

Einen Ausweis beantragt

Doch damit nicht genug: Wie das OT vom Bürgermeister seiner Heimatgemeinde erfuhr, distanzierte er sich vor Zeugen vom Reichsbürgertum. Er sei schwer enttäuscht worden und möchte mit diesen nichts mehr zu tun haben. Im Rathaus beantragte er sogleich einen Ausweis nebst gespeicherten Fingerabdrücken und versprach, sich einen Job suchen zu wollen. Die Gemeinde möchte ihm helfen.

Nachbarn reagieren allerdings skeptisch auf seine schnelle Läuterung, wollen ihm aber eine Chance geben.

Strafbefehl für Beleidigungen

Den Vollstreckungshaftbefehl hatte ein Rechtspfleger der Staatsanwaltschaft Coburg ausgestellt. Grund war ein rechtskräftiges Urteil des Amtsgerichts Lichtenfels. Wie Ulrike Barausch, Direktorin des Amtsgerichts, erläutert, war der „Reichsbürger“ per Strafbefehl vom 14. Juni 2018 wegen Beleidigung in drei Fällen zu einer Geldstrafe von 2700 Euro verurteilt worden. Und diese Summe blieb er schuldig, weshalb die Fahndung veranlasst wurde. Zur „Beitreibung einer Geldstrafe“, wie es im Juristendeutsch heißt.

Beim Zugriff waren auch Spezialkräfte und eine Hubschrauberstaffel eingebunden. Wo genau der Gesuchte hauste, möchte das Polizeipräsidium nicht preisgeben. Um einen Pilgerstrom von Neugierigen zu verhindern. Der Mann ist Vater zweier minderjähriger Kinder, die ein halbes Jahr nicht zur Schule gingen. Sie sind auch der Grund, warum diese Redaktion bewusst nicht den Wohnort des Mannes nennt. Das Jugendamt nahm sich der Kinder an.

Mit der Zahlung der Summe (und vermutlich einiger Säumniszuschläge) erkannte der (einstige?) „Reichsbürger“ letztlich den Staat, den er nicht akzeptiert, nun also doch an. Ebenso mit dem Beantragen des Ausweises.

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