LICHTENFELS

Europawahl: Mehr Wähler, weniger Prozente für Hohlmeier

Ihre Stimme für die Europawahl gab die oberfränkische CSU-Kandidatin Monika Hohlmeier am Sonntagmorgen in Bad Staffelstein ab. Foto: Hartmut Klamm

Mit einer Wahlbeteiligung von 57,7 Prozent (31 007 Wähler) haben die Bürger im Landkreis gezeigt, dass ihnen die Europäische Union wichtig ist. Vor fünf Jahren waren es noch schwache 39,9 Prozent gewesen. Verschoben hat sich dadurch auch die politische Landschaft. Die Grünen rücken zur zweitstärksten Kraft nach der CSU auf. Neben der CSU-Spitzenkandidatin Monika Hohlmeier werden damit voraussichtlich auch Malte Gallée (Grüne) und Sylvia Limmer (AfD) ins Europaparlament einziehen.

Während die CSU mit 47,5 Prozent (2014: 53,4 Prozent) einen leichten Dämpfer einstecken mussten, erlitt die SPD wie landesweit einen dramatischen Einbruch auf 10,0 Prozent (17,7). Davon profitieren vor allem die Grünen, die mit 12,5 Prozent (6.1) ihr Ergebnis verdoppeln. Die AfD ist mit 9,9 Prozent (7,0) unter den Prognose geblieben, schneidet aber im Landkreis deutlich besser ab als landesweit (7,9 Prozent). Deutlich zugelegt haben die Freien Wähler mit 5,9 Prozent (4,9).

„Das ist ein geniales Ergebnis, ich habe überall Gänsehaut vor Freude.“
Malte Gallée, Grüne

„Das ist ein geniales Ergebnis, ich habe Gänsehaut vor Freude“, kommentierte Malte Gallée den Erfolg der Grünen. Ob der Bayreuther Europaabgeordneter wird, stand bis Redaktionsschluss noch nicht fest, doch die Aussichten seien gut. Damit habe sich die Konzentration auf Themen wie den Klimaschutz ausgezahlt. Auf die thematische Arbeit wollen die Grünen auch im Europaparlament setzen– etwa bei der Entscheidung für Manfred Weber (CSU) oder Frans Timmermans (SPD) als Kommissionspräsident. Erfreulich sei, dass durch den Brexit und die Klimadebatte auch vielen jungen Leuten deutlich geworden sei, dass Europa in einer globalisierten Welt nur gemeinsam bestehen könne.

Hohlmeier: "Ein sehr gutes Ergebnis"

„Das ist insgesamt ein sehr gutes Ergebnis“, freut sich die CSU-Spitzenkandidatin Monika Hohlmeier. Dass die CSU mit 47,7 Prozent Prozent unter dem Ergebnis von 2014 liegt, führt sie auf die höhere Wahlbeteiligung zurück. Mit 14664 Stimmen habe die Partei sogar mehr Stimmen als 2014 erhalten (11513).

Besonders erfreulich sei, dass die CSU landesweit zugelegt habe. Die CSU könne mit ein bis zwei weiteren Abgeordneten in Brüssel rechnen (bisher waren es fünf). Jetzt gelte es durch gezielte Ansprache von Jugendlichen und Themen, die sie interessieren, zu erreichen, dass diese nicht nur zu den Grünen abwandern. Hier habe sich die CSU wegen der Diskussion um das Volksbegehren über die Bienen und die Agrarpolitik etwas schwer getan. Ein Erfolg sei es auch, dass es in Bayern gelungen sei, den Aufstieg der AfD zu bremsen, die landesweit auf sieben Prozent kam, während sie bundesweit und im Landkreis rund zehn Prozent erreichte: „In Bayern hat die Abgrenzungspolitik funktioniert, bundesweit nicht, das wird noch ein Thema für die Große Koalition.“

Enttäuschter SPD-Kandidat will dennoch wieder antreten

„Das Ergebnis ist enttäuschend, aber der Wahlkampf hat viel Freude gemacht“, sagte SPD-Spitzenkandidat Martin Lücke. „Wenn ich gesund bleibe, werde ich es in fünf Jahren noch mal versuchen.“ Die SPD habe das richtige Personal und die richtigen Themen gehabt, daher gelte es dies noch stärker herauszustellen. Gemeinsam mit den Sozialdemokraten aus anderen Ländern könne es durchaus noch gelingen, Frans Timmermans zum Kommissionspräsidenten zu wählen.

Für die AfD wird Sylvia Limmer (Bayreuth) ins Europaparlament einziehen. Das Wahlergebnis sei gut, auch wenn die Prognosen nicht ganz erreicht wurden. Dass der Höhenflug der populistischen Partei gebremst wurde, liege nicht an den Skandalen um Parteispenden oder den korrumpierbaren Spitzenleuten der österreichischen FPÖ, sondern am Umgang mit der AfD. „Ich habe im Wahlkampf gemerkt, dass es schwierig war, meine Wählerschicht zu erreichen, weil man mehr über uns spricht als mit uns“, sagt sie. Ihr erstes Ziel in Brüssel werde nicht die Personalpolitik, sondern der Klima- und Umweltschutz sein.

Die oberfränkische CSU-Kandidatin Monika Hohlmeier am Sonntagmorgen im Wahllokal in Bad Staffelstein.Hartmut Klamm Foto: Foto:

ÖDP profitiert nicht vom Volksbegehren

Enttäuscht ist ÖDP-Spitzenkandidat Thomas Müller aus Burgkunstadt, dass es der Partei zwar gelungen sei, den Stimmenanteil von 387 (1,8 Prozent) auf 673 fast zu verdoppeln, das aber nur für 2,2 Prozent reiche. Damit werde es wohl nicht gelingen, einen zweiten Sitz im Europaparlament zu erhalten, aber Professer Buchner werde mit der gewachsenen Fraktion der Grünen nun stärkeren Rückhalt bekommen. Obwohl es der ÖDP landesweit gelinge, die Menschen mit Volksbegehren zu mobilisieren, profitiere sie im Gegensatz zu den Grünen davon nicht an der Wahlurne.

Die kleinen Parteien

Die FDP kam mit 745 Stimmen nur auf 2,4 Prozent, die Linke mit 573 Stimmen auf 1,9 Prozent. Die Spaßpartei Die Partei erreichte 638 Stimmen (2,1 Prozent), die Tierschutzpartei holte mit 415 Stimmen 1,3 Prozent.

 

Schlagworte