LICHTENFELS

Die Vergangenheit des Archivs der Zukunft

Jeden Stein des Kellergewölbes haben die Archäologen nummeriert. Es soll wieder originalgetreu und an Ort und Stelle einbaut werden. Foto: Stefan lommatzsch

Auf dem Weg zum Archiv der Zukunft am Lichtenfelser Marktplatz ging es in den vergangenen drei Wochen erst mal Richtung Vergangenheit. In dieser Zeit haben Archäologen das alte Kellergewölbe unter dem ehemaligen „Deichmann-Haus“ freigelegt und sind dabei auch auf einige besondere Fundstücke gestoßen.

So freute sich Grabungsleiterin Maria Messingschlager, als während der baubegleitenden Arbeiten ein kleines Pferdchen aus Keramik zum Vorschein kam. Dabei handelt es sich aller Voraussicht nach um ein Kinderspielzeug aus dem 12. Jahrhundert. Es ist mit einem Loch versehen und könnte als Kette getragen worden sein.

Aus der gleichen Zeit stammen vermutlich auch die gefundenen Messergriffe aus Knochen, Murmeln aus Keramik sowie die Kacheln eines Ofens. Diese Funde sind umso erfreulicher für die Archäologen, da der Keller noch bis vor einigen Jahren genutzt wurde. Es ist angedacht, die Fundstücke im Archiv der Zukunft der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Öfen im Keller entdeckt

Als sie das Kellergewölbe – es stammt wohl auch aus der genannten Zeit – Stein für Stein freilegten, entdeckten sie einen zweiten Kellereingang, der bisher nicht bekannt war. Außerdem fanden sich im unterirdischen Teil des Gebäudes auch die Reste alter Öfen, die womöglich aus noch älterer Zeit datieren. Zu welchem Zweck genau diese Öfen einst genutzt wurden, muss erst anhand weiterer Untersuchungen geklärt werden.

Weiterhin fanden die Experten verschiedene Mauerreste, die auf unterschiedliche Bauphasen hindeuten. Dennoch sei der komplette Grundriss des ursprünglichen Gebäudes noch nicht klar erkennbar, sagt die Grabungsleiterin. Der Grund hierfür: Zwei Abschnitte des ehemaligen Gebäudes, es handelt sich um den Marktplatz Richtung Oberem Tor und dem Nachbargebäude zugewandten, werden die Archäologen erst im weiteren Fortgang der Bauarbeiten genauer dokumentieren. Voraussichtlich soll dies im Juli der Fall sein.

Jeder Stein bekommt eine Nummer

Grabungsleiterin Maria Messingschlager zeigt eines der Fundstücke, ein Pferdchen aus Keramik.

Eine besondere Aufgabe bei den nun abgeschlossenen ersten Grabungsarbeiten hatte Linda Scherr zu bewältigen. Nachdem sie ihre Masterarbeit im Bereich der Denkmalpflege über die Historie des Gebäudes am Marktplatz 2 geschrieben hatte, lag es nun an ihr und einigen Kollegen, jeden einzelnen Stein des Sandsteingewölbes im Untergrund genau zu dokumentieren. Der Hintergrund: Um die Gründung des Archivs der Zukunft mittels Betonstelen einzubringen, muss das Gewölbe abgebaut werden. Der Clou: Es soll danach wieder an Ort und Stelle aufgebaut werden, wird also Teil des neuen Gebäudes sein. Damit beim Wiederaufbau jeder Stein wieder an seinen angestammten Platz kommt, wurden diese unter anderem einzeln mit Zetteln und einer Nummerierung versehen.

Bei einem ersten Fazit zu den Ausgrabungsarbeiten sagte Linda Scherr, dass der Abriss des Gebäudes aus städtebaulicher Sicht richtig gewesen sei. Daran habe auch sie anfänglich Zweifel gehabt. Nun habe sich aber bestätigt, dass das Gebäude im Laufe der Jahrhunderte sehr oft umgebaut worden sei. Auch bei den Ausgrabungen sei keine einheitliche architektonische Grundlage mehr zu erkennen gewesen.

So geht's weiter

• aktuell laufen die Vorbereitungen für die Tiefbauarbeiten

• ab Ende Mai: Beginn der Tiefbauarbeiten für die Gründung des neuen Gebäudes;

geplante Dauer: bis zirka Mitte/Ende Juli

• Ende Juli bis Mitte August werden die restlichen Grabungsarbeiten der Archäologen vorgenommen

• ab Mitte August erfolgt der Wiedereinbau des historischen Gewölbekellers

• nach dem Korbmarkt ab Mitte September bis Ende des Jahres sind dann die Rohbauarbeiten für das Archiv der Zukunft geplant.