LICHTENFELS

Müll: 214 Kilo sind ein trauriger Spitzenwert

Die Vermeidung von Abfall war eines der zentralen Themen in der jüngsten Sitzung des Umweltausschusses des Landkreises Lichtenfels. Foto: Markus Drossel

Eigentlich sollte der „Obermain Becher“ der Abfallvermeidung dienen. „Aber er wird wenig nachgefragt“, lautete das Fazit des Leiters der Umweltstation, Michael Stromer, im Umweltausschuss. Die allermeisten greifen auch acht Monate nach Einführung des Pfandbechers zur bequemeren Wegwerfvariante. Auch an den Schulen steht der Becher nicht gerade hoch im Kurs. Bei der Sitzung des Umweltausschusses am Dienstag in kleinen Sitzungssaal des Landratsamtes war Müllvermeidung und Ressourcenschutz ein zentrales Thema.

An den weiterführenden Schulen des Landkreises will die Umweltstation Weismain in einer Doppelstunde den Schülern der fünften bis achten Klasse das Thema Müll nahebringen. Anhand des anfallenden Mülls eines normalen Vierpersonen-Haushalts sollen den Schülern die Aspekte der Müllvermeidung, Mülltrennung und der Verschwendung von Lebensmittel nahegebracht werden. Unter dem Stichwort „Walking for future“ soll an beiden Gymnasien des Landkreises im Rahmen eines P-Seminars ein nachhaltiger Stadtrundgang entwickelt werden, in dessen Verlauf sich die Schüler mit den negativen Folgen und den globalen Effekten des lokalen Konsums auseinandersetzen sollen.

Stationen des Stadtrundgangs könnten der Wertstoffhof, Supermärkte, Bekleidungsgeschäfte, Reisebüro, Kläranlage, Mobilfunk-Masten, Solaranlage oder ein Großparkplatz sein. Ebenfalls ein Projekt der Umweltstation ist die im nächsten Schuljahr stattfindende Aktion „100 000 wilde Bienen“. Dabei wird es laut Stromer nicht nur Informationen geben, sondern auch eine einfache Nisthilfe für Insekten gebaut werden. Der Leiter des Bereichs Abfallwirtschaft am Landratsamt, Wolfgang Schneider, informierte über die Entwicklung der Abfallmengen im Gebiet des Zweckverbandes für Abfallwirtschaft in Nordwest-Oberfranken. Dem Zweckverband gehören die Stadt Coburg und die Landkreise Coburg, Kronach und Lichtenfels an. Statistisch gesehen hatte jeder Bürger im Landkreis Lichtenfels im Jahr 2018 ein Restmüllaufkommen von 214 Kilogramm, nur übertroffen von den Bewohnern der Stadt Coburg, die 217 Kilogramm auf die Waage brachten.

Deutlich geringer fiel dagegen das Restmüllaufkommen in den Landkreisen Coburg und Kronach mit je 180 Kilogramm aus. Erhebliche Unterschiede gibt es auch beim Sperrmüllaufkommen. Mit 40 Kilogramm je Einwohner stand auch im vergangenen Jahr wieder die Stadt Coburg an der Spitze des Sperrmüllaufkommens, gefolgt von den Landkreisen Coburg (21) und Kronach (26) und Lichtenfels (29). Im Landkreis Lichtenfels fielen im Jahr 2018 insgesamt 1909 Tonnen an Sperrmüll an. Zum Thema Restmüll kam ein Vorschlag aus dem Gremium. Man solle nicht nur an den Schulen über Abfallvermeidung informieren, sondern auch an Seniorennachmittagen. Das Ausschussmitglied führte das Beispiel eines alleinstehenden Witwers an, der sich sein Mittagessen mittels einer großen Plastikbox beim Metzger holt und dafür eine 220 Liter Mülleimer benötigt. Das neue Verpackungsgesetz (gültig ab 1. Januar 2019) bringt für die Bürger keinerlei Veränderungen. „Nach wie vor sind die Dualen Systeme und nicht der Landkreis für die Sammlung und Verwertung von Verkaufsverpackungen zuständig“, erklärte Schneider. Auch weiterhin wird es den Gelben Sack, Iglus für Glasverpackungen und die Grüne Tonne für Papier, Pappe und Karton geben. Landrat Christian Meißner („mich regt er auch auf“) konnte allen „Gelben Sack“ geplagten einen Hoffnungsschimmer geben.

Der Gelbe Sack wird ab 2020 vom Material her etwas dicker sein. Noch stärker geht nicht, weil dann die Leerung Schwierigkeiten machen würde. Keine Hoffnungen konnte Meißner auf eine Gelbe Tonne als Sammelbehälter machen: „Wir haben getan was wir konnten.“ Durch den Internethandel hat auch der Anteil an Verpackungen in den Grünen Tonnen zugenommen, wie Schneider erläuterte. Lag der Anteil in den 1990er Jahren an noch bei 21 Prozent liegt er heute bei knapp 29 Prozent.

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