SCHNEY

Zeitreise mit dem CHW zu den Herren von Schaumburg

Zeitreise mit dem CHW zu den Herren von Schaumburg
Es sieht ein wenig balancierend aus, was Thomas Schwämmlein da mit den Wappen der Familie tut, über die er sprach. Ausbalanciert war auch sein Vortrag, der über 600 Jahren Familiengeschichte Beachtung schenkte. Foto: Markus Häggberg

Bei Thomas Schwämmlein vermittelt sich leicht der Eindruck, dass da jemand ist, der in seinen Interessen aufgeht. Der Journalist hat sich der Familiengeschichte der Herren von Schaumburg angenommen. Am Donnerstag referierte er an dafür im Landkreis vorzüglichstem Ort: in Schney.

Ulrich Sünkel konnte es gar nicht oft genug betonen: Das CHW macht Fortschritte und hat nun 1758 Mitglieder. Damit sei das Colloquium Historicum Wirsbergense der größte bayerische Geschichtsverein. Eine Tatsache, die dem Lichtenfelser Bezirksgruppenleiter deutlich gefiel.

Mit Schwämmlein, der im Grunde Sünkels Kollege in Sonneberg/Neustadt ist, habe man zudem „einen Referenten, wie man keinen besseren finden kann“. Der Grund für Schwämmleins Begeisterung für die von Schaumburg, das wurde während des Vortrags und in einem nachträglichen Gespräch deutlich, liegt in all den Spuren, die sich innerhalb der Familiengeschichte in verschiedene Richtungen auslegten.

30 interessierte Zuhörer

Über 30 Personen betraten den Gemeinderaum der Kirche, sich auf die Geschichte einer Familie einlassend, deren Stammsitz im Schalkauer Land 1216 erstmals urkundlich erwähnt wurde. Sich im Süden Thüringens ausbreitend, setzte die Familie bald auch in Schney Zeichen. „Zwischen 1503 und 1706 war Schney ein Schaumbergisches Schloss, zwischen 1680 und 1690 wurde durch die Familie das noch heute erhaltene Hauptgebäude errichtet. 1503 erwarb Wilwolt von Schaumberg Schloss Schney – ein Lehen des Klosters Banz – vom Bruder seiner Mutter Kunz Marschalk“, so Schwämmlein, der nicht einfach nur chronologische Abläufe lieferte, sondern sich neben Anekdotischem auch auf die Hintergründe bei mancher Lebensführung verstand.

Da wäre beispielsweise ein Wilwolt von Schaumburg (1446 bis 1510) gewesen, ein Mann, dessen einzige Chance auf einen „auskömmlichen Lebensunterhalt“, da er ein Nachgeborener ohne Anspruch auf den Stammsitz war, im Kriegführen bestand. „Im Dienst Karls des Kühnen und Herzog Albrechts des Beherzten erwies er sich als talentierter Söldnerführer.“ Über 600 Jahre Familiengeschichte beleuchtete der Sonneberger Bezirksgruppenleiter Schwämmlein, setzte dabei auseinander, wie die Familie katholische und lutherische Zweige ausbildete und welche Folgen das hatte. Auch stieß er auf Zeugnisse ihrer Geschichte in Form eines bronzenen Epitaphs in der Lichtenfelser Stadtpfarrkirche. Und selbst dem Gestalter dieses Epitaphs ging er noch auf die Spur.

Was ist das Faszinierende

Doch was ist für ihn persönlich das Faszinierende an den von Schaumbergs? Der Mann lacht und sagt, dass diese Familie so herrlich „anschlussfähig“ sei, da sie „in viele Regionen“ gestreut hat. Also komme man in vielen Regionen auf sie zu sprechen. Seine erste Begegnung mit dem Adelsgeschlecht habe er schon als Schüler gehabt, immerhin sei es „in Sonneberg omnipräsent“.

Doch selbst Schwämmlein, der sich so eingearbeitet hat, musste zugeben, dass er aus dem Raum Weismain mit dem Hinweis auf Kleinziegenfeld als einstige Besitzung des Geschlechts überrascht werden konnte. Bald war „die Büchse der Pandora aufgemacht“ und die Lust auf Recherchevertiefung geweckt.

Rund 80 Minuten lang erzählte Schwämmlein anschaulich und vergnüglich von religiösen Spaltungen, dem leichtfertigen Umgang mit horrenden Schulden, Besitzverhältnissen und einem Mordfall in dieser Familie.