LICHTENFELS

Französin in Franken: Bio-Läden lockten, Klöße weniger

Französin in Franken: Bio-Läden lockten, Klöße weniger
Die Französin Catherine Lemoine kommt auch der bewussten Ernährung wegen nach Deutschland. Foto: Theresa Ehrl

1978 kommt die Französin Catherine Lemoine nach Deutschland. „Das sollte eigentlich ein Kurztrip werden. Jetzt ist es ein wenig länger geworden“, scherzt die Französin, während sie in ihrem Stammrestaurant „Vitamin X“ in Bamberg mit einer Gabel Salatblätter aufspießt. 41 Jahre ist es jetzt her, dass sie aus ihrer Heimatstadt Chartres nach Deutschland gezogen ist.

Gelockt hatten damals Reformhäuser, Bio-Läden und vegetarische Restaurants wie das, in dem sie gerade sitzt. Der Trend der bewussten Ernährung ist in den späten Siebzigern noch nicht wirklich in Frankreich angekommen. Umso begeisterter war die Vegetarierin, dass sie in der Bundesrepublik so viele Läden fand, die Optionen für sie anboten.

Die Schwelle hier zu bleiben war bei der Französin nicht sehr hoch. „Ich war 21. Mein Leben war absolut offen“, erklärt sie ein wenig melancholisch: In Frankreich hat sie bisher nur gejobbt, die Schule vor dem Abitur abgebrochen, eine Ausbildung noch nicht angefangen. Dann geht alles sehr schnell. Innerhalb von zwei Wochen hat sie einen Job und in Deutschland Fuß gefasst.

„Franzosen werden total gut empfangen in Deutschland. Ich bin mir vorgekommen wie ein Superstar“, erinnert sich heute die mittlerweile 62-jährige. Die junge Französin findet in Heidelberg sehr schnell sehr gute Freunde.

„Ich bin mir vorgekommen wie ein Superstar“
Catherine Lemoine, Sprachlehrerin aus Frankreich

„Unglaublich ist aber auch, wie schnell ich einen Job gefunden habe“, bemerkt sie. Nach 14 Tagen hatte sie die Stelle als Haushaltshilfe in einer Orthopädischen Klinik. Gefunden war die Arbeit schnell, allerdings durfte die Anwärterin den Arbeitsvertrag erst unterschreiben, nachdem sie eine Aufenthaltsgenehmigung bekommen hatte. Beim Amt hieß es dann aber, die bekäme sie erst, wenn sie eine Arbeit vorzuweisen hat. „Das war ein Ding!“, lacht Lemoine.

„Am wichtigsten sind nette Menschen um einen herum“, meint die Auswandererin ernst. Nett waren sie bestimmt, ihre Arbeitskollegen. Hätte sie sie nur genau verstanden. Deutsch hat sie zwar in der Schule gelernt, aber nur den Grundstock der Sprache. „Aber in Deutschland gibt es ja kein Deutsch. Es gibt viele Dialekte, aber die Sprache, die ich gelernt hatte, spricht man hier nicht“, erzählt sie lachend.

Die Kolleginnen aus dem Odenwald hätten wohl auch Chinesisch sprechen können. Zum Glück schließt die damalige Neubürgerin eine praktische Freundschaft mit einer Saarländerin, die perfekt französisch sprechen konnte. So musste sie nicht nur die verwirrenden Laute verschiedener Dialekte dechiffrieren, sondern konnte sich auch in ihrer Muttersprache unterhalten. „Obwohl ich vier Jahre in Frankreich Deutsch gelernt habe, habe ich hier noch einmal fünf Jahre gebraucht, um alles zu verstehen, wenn ich mich mit einer Gruppe von Menschen unterhielt“, gibt sie zu. Trotzdem möge sie die deutsche Sprache, wendet Catherine Lemoine ein. Sie findet sie so faszinierend, dass sie sich gerne den Podcast „Eins zu Eins. Der Talk“ auf BR2 anhört, nur weil sie es möge, wenn Menschen sich gut ausdrücken können.

„Im Deutschen ist es interessant, dass man so viele Kombinationsmöglichkeiten von Wörtern hat. In Frankreich gibt es das nicht. Trotzdem hört sich Französisch schöner an“, erklärt die 62-Jährige.

Familie und zwei Jobs

Und sie muss es wissen. Seit sie im Kreis Bamberg wohnt, gibt sie sowohl in Bamberg, als auch in Lichtenfels Französischkurse und beschäftigt sich somit mit den beiden Sprachen. Mittlerweile veranstaltet Lemoine noch Stadtführungen in Bamberg. Zwei Jobs sind schwer unter einen Hut zu bekommen. Da bleibt nicht viel Zeit für einen Urlaub, obwohl sie früher so gerne gereist ist.

„Ich habe immer so lange gearbeitet, bis ich wieder genügend Geld gehabt habe, um zu verreisen“, entsinnt sie sich. Das hat so funktioniert bis sie 40 war. Dann wurde sie schwanger und damit sesshaft. Mittlerweile studiert ihre Tochter in Wien und Lemoine lebt mit ihrem Lebensgefährten und Vater ihrer Tochter in Bamberg. „Seit 25 Jahren sind wir jetzt zusammen“, erwähnt die Französin.

Er scheint großartige Integrationsarbeit geleistet zu haben, denn bis heute sind seine Klöße die einzigen, die Lemoine mag. „Klöße. Wirklich furchtbar. Ich habe 20 Jahre gebraucht, um mich daran zu gewöhnen“, erschaudert die Sprachlehrerin. Ein weiteres Lebensmittel, das in die Kategorie Kulturschock fällt, sind die deutschen Salatsoßen. Zu süß findet sie die. „Wie viel Zucker macht ihr da denn rein?“, fragt die Wahl-Bambergerin. Nicht nur beim Zucker übertreiben wir Deutschen, so Lemoine: „Eine Hundesteuer? Wirklich?“