LICHTENFELS

Baubeginn fürs Archiv der Zukunft in Lichtenfels

Ein Leuchtturmprojekt für die Innenstadt soll das von der R+G Beteiligungs-GmbH geplante Archiv der Zukunft werden. So soll das von Architekt Peter Haimerl entworfene Gebäude am Marktplatz 2 aussehen. Foto: r+g Beteiligungs-GmbH

Um das Archiv der Zukunft zu errichten, geht's erst mal tief in die Vergangenheit. Im Keller des Anwesens Marktplatz 2 wird bereits gearbeitet, um die Grundlagen für den Entwurf des Architekten Peter Heimerl zu schaffen, mit dem die R+G Beteiligungsgesellschaft (Hofmann-Gruppe) ein Zentrum für innovatives Denken und 3-D-Druck errichten will. Der gläserne Pavillon unter einem Dach von stilisierten Weidenbäumen aus dem 3-D-Drucker soll bis zum Frühjahr 2021 fertiggestellt werden, wie Stefan Mehl, Geschäftsführer der R+G Beteiligungs-GmbH auf Anfrage mitteilte. Bis zum Ende dieses Jahres solle der Rohbau stehen.

Historischer Gewölbekeller wird originalgetreu wieder aufgebaut

Mit der endgültigen Baugenehmigung hat das Landratsamt in der vergangenen Woche den Weg für die Arbeiten freigemacht. Vorerst ist außer einem Bauzaun wenig zu sehen, denn gewerkelt wird im historischen Sandsteinkeller. Um das Gewölbe zu erhalten und ins neue Gebäude zu integrieren, müssen die Quader ausgebaut und nach Sicherung des Baugrunds originalgetreu wieder aufgebaut werden, erklärt Stefan Mehl. Vorgesehen ist eine Nutzung für Ausstellungen und Präsentationen.

Drei Meter unter dem Marktplatz sind Mitarbeiter der Zimmerei Friedrich aus Buch am Forst dabei, das historische Gewölbe mit einem kleinen Wald von Holzbalken und Spanplatten so abzustützen, dass das Gewölbe nicht einstürzen kann, wenn Fachleute die Steine abtragen, nummerieren und für den Wiederaufbau einlagern. Erschwert wird die Arbeit durch die geringe Höhe des Gewölbes, die an den Enden gerade mal einen Meter misst.

Wenn die Zimmerleute ihre Arbeit gemacht haben, werden Archäologen die Baugrube auf weitere Zeugen der Vergangenheit untersuchen. Die Tiefbauarbeiten für den neuen Keller und das Fundament sollen im Mai beginnen, wie Stefan Mehl erklärt. Mit Bohrpfählen werden die Wände des Kellers stabilisiert. Dazu muss schweres Gerät am Marktplatz aufgefahren werden. „Unser Ziel ist es, bis zum Korbmarkt die neue Decke fertiggestellt zu haben“, erklärt Mehl. Dennoch müsse die Baustelle während des Flechtfestivals dieses Jahr aus Sicherheitsgründen gesperrt werden.

Nach dem Korbmarkt sollen die Arbeiten für den Rohbau beginnen, der bis Jahresende stehen soll, damit im Winter die nächsten Schritte, wie die Glasfassaden, vorbereitet werden können. Die Weidenstruktur für das Dach soll parallel dazu entwickelt werden. Die Edelstahlkonstruktion, die in verschiedenen Farbtönen schillern soll, wird der aufwändigste und teuerste Teil des Gebäudes.

„Die Metallkonstruktion ist sehr kniffelig, weil die stilisierten Weidenbäume nicht nur Dekoration sind, sondern auch einen Sturm aushalten müssen.“
Stefan Mehl, R+G Beteiligungs GmbH

„Die Metallkonstruktion ist sehr kniffelig, weil die stilisierten Weidenbäume nicht nur Dekoration sind, sondern auch einen Sturm aushalten müssen“, betont Stefan Mehl. Daher habe man auch die ursprüngliche Idee verworfen, die Metallkonstruktion vor Ort aus dem 3-D-Drucker zu erstellen, verworfen und werde die fertigen Bauteile mit dem Tieflader anliefern. Stolz ist Mehl auch darauf, dass der Entwurf von Architekt Peter Haimerl mit dem Bayerischen Kulturpreis (vergeben vom Staatsministerium für Wirtschaft und Kunst und Bayernwerk) ausgezeichnet worden ist.

Um die Bürger an dem Projekt teilhaben zu lassen, wird die R+G Beteiligungs-GmbH den leerstehenden Laden in der Reitschgasse 1 mieten und dort nicht nur ein baubegleitendes Büro, sondern auch eine „virtual reality“ des Bauprojekts und Veranstaltungen anbieten.

Mit der 3-D-Brille das Gebäude virtuell begehen

So könnten Interessierte demnächst mittels 3-D-Brillen virtuelle Rundgänge durch das Gebäude unternehmen. Außerdem sollen dort Vorträge über Zukunftsthemen und andere baubegleitenden Aktionen stattfinden. „Wir wollen die Neugier auf die Dinge wecken, die wir machen“, sagt Mehl. Schließlich solle das neue Gebäude ein Forum für den Austausch über Zukunftsthemen und innovative Technik werden.

Die Wasserrinne wird heuer nicht sprudeln

Keine Probleme für Veranstaltungen auf dem Marktplatz sieht Sebastian Müller, Pressesprecher der Stadtverwaltung, durch die Bauarbeiten. Der Ablauf sei mit dem Bauamt sowie dem Wirtschafts- und Kulturamt abgestimmt. Wegen der Baumaschinen und des Krans, die an der Einmündung der Reitschgasse in den Marktplatz konzentriert werden sollen, werde die Wasserrinne heuer nicht sprudeln. Sie werde provisorisch gepflastert, damit dieser Bereich des Marktplatzes als Rettungsweg zur Reitschgasse genutzt werden könne. Das Sprudelbecken am Ende der Rinne werde entfernt, weil der Wasserlauf künftig in das am Archiv der Zukunft vorgesehene Becken münden soll.

Der historische Sandsteinkeller des Anwesens Marktplatz 2 wird von Mitarbeitern der Zimmerei Friedrich aus Buch am Forst gesichert, damit das Gewölbe Stein für Stein abgetragen werden kann. Foto: Gerhard Herrmann
Bauzäune zeigen, dass die Arbeiten am Archiv der Zukunft begonnen haben. Foto: Gerhard Herrmann
Die Sandsteinpfeiler des Kellergewölbes wurde bereits in der Vergangenheit notdürftig verstärkt. Foto: Gerhard Herrmann
Nur die Luke weist zurzeit auf den historischen Sandsteinkeller am Marktplatz hin. Foto: Gerhard Herrmann