Das Zangentor auf dem Staffelberg ist größer als erwartet

LICHTENFELS

Das Zangentor auf dem Staffelberg ist größer als erwartet

Der Zeitplan für die Ausgrabung und Rekonstruierung des keltischen Zangentors am Staffelberg ist wohl nicht mehr zu halten. Auch wenn die Verzögerung weniger willkommen ist, sind die Gründe dafür freudiger Natur. Ein gewichtiger Aspekt, der am Donnerstag beim CHW-Vortrag in der ehemaligen Synagoge zur Sprache kam.

Ungewöhnlich viele Bad Staffelstseiner saßen im Publikum. Irgendwie ist es ja gerade ihr Thema, was seit 2018 am Staffelberg ausgegraben wird. Die ursprüngliche Absicht, die Ausgrabung des keltischen Zangentors 2018 abzuschließen und es in diesem Jahr zu rekonstruieren, wird sich wohl bis 2020 verschieben. „Jetzt wird erst mal bis Mai gegraben“, erklärte Regionalkoordinatorin Andrea Musiol vom Landratsamt.

„Die Ausgrabungen haben meine Erwartungen um 250 Prozent übertroffen.“
Markus Schußmann, Archäologe

Entsprechend gespannt waren die knapp 120 Zuhörer darauf, was der mit dem Projekt betraute Chef-Archäologe Markus Schußmann berichten würde. Ein keltisches Zangentor ist schließlich eine archäologische Seltenheit. Als künftige Landkreis-Attraktion hätte es Strahlkraft für den Tourismus.

Doch man hatte sich die Anlage kleiner vorgestellt. Die Dimensionen dessen, was die Kelten in ihrer Siedlung Menosgada am Staffelberg bis zum Jahr 30 vor Christus errichtet hatten, sind weit umfangreicher als erwartet. Das versöhnt mit der Überschreitung des Zeitplans. „Na ja, lieber etwas Zeit lassen und dafür was gescheit's“, kommentierte ein Zuhörer. Als Markus Schußmann an die Leinwand projizierte wie groß die Anlage ist, machte sich Überraschung breit. Die Ausgrabungsfläche wird sich wohl um die 70 Prozent vergrößern. Auch das Tor war wohl höher als früher angenommen. Ging man einst von einer Wallhöhe bis zu 3,5 Metern aus, so legen neue Erkenntnisse nahe, dass diese wohl fünf Meter hoch waren. Das Torgebäude wurde erstreckte sich über eine Fläche von ehr als 60 Quadratmetern.

Schon bei den Kelten galt Rechtsverkehr

Die Konstruktion war wehrtechnisch sehr wirkungsvoll, weil Angreifer von drei Seiten aus abgewehrt werden konnten. Und in der immer schmaler werdenden Gasse hätten sie sich kaum noch geordnet zurückziehen können. Doch Angriffe haben sich am Staffelberg vermutlich nicht ereignet, sonst hätten die Ausgrabungen Spuren davon zu Tage gebracht. Man habe „keine gesplitterten Schwerter oder ähnliches“ gefunden, betonte der Archäologe. Dafür aber einen Fußabdruck eines der keltischen Arbeiter, die das Tor errichtet haben. Und die Fahrrinnen der Wagenräder liefern „einen frühen Beleg für Rechtsverkehr“.

Die Ausgrabungen hätten seine Erwartungen um 250 Prozent übertroffen, erklärte Schußmann. Überraschend war für ihn vor allem die Mauertechnik des Tors, die bislang nur links des Rheins aufzufinden war, also eher in Gallien. Aufwändig auch die Zapfenverbindungen für die in die Mauer integrierten Pfähle und Mauerpfosten. Möglicherweise habe es sogar eine Bauschmiede auf dem Staffelberg gegeben. Noch offen ist, wie viele Mitarbeiter, für die Restaurierung benötigt werden, erklärte Andrea Musiol im Gespräch mit dieser Redaktion. Das Grabungsteam zählt derzeit rund neun Personen. Die Arbeiten werden noch bis Mai andauern. Dann erst wird es ans Restaurieren gehen. Es wird wohl kleiner Schlepper und Maschinen bedürfen, denn das Gelände rund um das Zangentor steht unter Naturschutz.