GÖRAU

Kinderzauber: Wenn das magische Buch brennt

Markus Sperber schlägt ein Zauberbuch auf, murmelt kurz einen magischen Spruch und schon brennt das Buch. Foto: Stephan Stöckel

Markus Sperber schlägt ein besonderes Buch auf, murmelt beschwörend einen Zauberspruch und wie von Geisterhand züngeln Flammen empor. In seiner Garage in Görau ist der 44-Jährige in seinem Element. Sie ist die Eintrittspforte in sein Zauberreich. Hier kann der Justizangestellte seinem großen Hobby, der Magie, frönen.

„Simsalabim“, schon präsentiert der sympathische Familienvater den nächsten Trick „Man nehme einen Topf mit Zucker, Blütenblättern und Papierschnipseln, füge eine Prise Zaubersalz hinzu und zünde das Ganze an“, hallt es durch die Garage. Der Zauberkoch stülpt einen Deckel darüber, wartet einen Moment. Als er ihn hebt, liegen im Topf – „Abrakadra“ – leckere Zauberbonbons.

Ehe man sich's versieht, sind Sperbers Hände schon wieder in Aktion: Mit einer Handpumpe bläst er einen Luftballon auf, verformt ihn mit viel Fingerspitzengefühl, und fertig ist der rote Papagei.

„Meine Tochter Anna, mein 15-jähriger Sohn Jonas und meine Ehefrau Claudia sind meine schärfsten Kritiker.“
Markus Sperber, Kinderzauberer

Da huscht seine elfjährige Tochter Anna vorüber. Vor lauter Freude über Papas coole Tricks hat sie sich die überdimensionale Assistentenbrille auf die Nase gesetzt. „Meine Tochter Anna, mein 15-jähriger Sohn Jonas und meine Ehefrau Claudia sind meine schärfsten Kritiker, die nichts beschönigen. Ihnen zeige ich als allererstes meine Kunststücke.“ Als nächstes kommen Buben und Mädchen in Kindertagesstätten oder bei Kindergeburtstagen an die Reihe. Sperber ist nämlich in seiner Freizeit Kinderzauberer und Luftballonmodellierer.

„Meine Frau ist schuld daran, dass ich zaubere“, berichtet Sperber mit einem Strahlen im Gesicht. „Sie hatte mir 2013 zum Valentinstag eine Eintrittskarte für eine Veranstaltung mit dem bekannten Zauberer Rudolf Konthur aus Obersdorf geschenkt. Ich war so fasziniert, dass ich beschloss, selbst Zauberkünstler zu werden.“

Der Magier vom Jura ist Vorsitzender der Bamberger Zauberfreunde

Sein magisches Rüstzeug holte sich der Spätberufene bei den Bamberger Zauberfreunden, die Mitglied im Magischen Zirkel von Deutschland sind. Seit 7. Februar ist Sperber Vorsitzender des Vereins, der 1998 zusammen mit dem Stadtmarketing Bamberg das Festival „Bamberg zaubert“ ins Leben gerufen hatte. „Es ist eines der größten eintrittsfreien Zauberfestivals im deutschsprachigen Raum, zu dem alljährlich bis zu 200 000 Besucher kommen“, sagt der Görauer.

Alle 14 Tage trifft man sich in Unterhaid in der Gastwirtschaft „Gambrinus“ zum Zauberstammtisch. „Anfänger und Fortgeschrittene üben unter Ausschluss der Öffentlichkeit, denn schließlich sind unsere Tricks streng geheim.“

„Wie funktioniert eigentlich dieses Zauberkunststück?“ Dieser Frage schiebt Sperber, der seit 2016 Mitglied im magischen Zirkel Deutschlands ist, freundlich lächelnd, aber bestimmt, immer wieder einen Riegel vor. „Wenn jeder wüsste, wie ein Trick funktioniert, dann wäre die ganze Illusion zerstört“, betont er.

Seine Feuertaufe bestand er 2013 bei der 50-Jahr-Feier des Modschiedler Kindergartens. „Die Kinder waren begeistert von meinen Darbietungen.“ Doch dabei blieb es nicht. „Ich habe rund 50 bis 60 Auftritte im Jahr“, erzählt der Görauer, der sich in ganz Nordbayern und den neuen Bundesländern zum Liebling der Kinder entwickelt hat. Bei einem Wochenendseminar für Kinderzauberer im Kindererholungszentrum Hölzerner See bei Berlin wurde er bereits dreimal zum Publikumsliebling gekürt. Im Freibad kann es schon mal vorkommen, dass er von einem Dreikäsehoch erkannt wird. „Dann hallt mir ein ‘Schau Mal der Kinderzauberer!‘ entgegen.“

Magier am Herd: Man nehme einen Topf mit Zucker, Blütenblättern und Papierschnipseln, füge eine Prise Zaubersalz hinzu, ... Foto: Stephan Stöckel

Wie unterscheiden sich große und kleine Zuschauer? Kinder seien viel reaktionsfreudiger und spontaner, weshalb er sie immer wieder in seine Aufführungen mit einbeziehe, sagt Sperber. „Wenn sie etwas schlecht finden, dann sagen sie es frei von der Leber weg“, sagt der Hobbymagier, für den leuchtende Kinderaugen der größte Lohn sind.

Ein paar 1000 Euro hat er in den vergangenen Jahren schon für Requisiten ausgegeben: angefangen vom schwebenden Tisch über den springenden Stuhl bis hin zum Zauberstab, der zur Verblüffung der Kleinen immer länger, länger und länger wird. Um seinen kleinen Fans im Alter von vier bis zehn Jahren noch mehr zu bieten, hat sich Sperber das Modellieren von Luftballons angeeignet. Mit einer Handpumpe und viel Fingerspitzengefühl formt er flink und behände Giraffen, Papageien, Schmetterlinge und Armbänder, die aussehen wie niedliche Marienkäfer. „Piratensäbel sind derzeit der Hit bei den Kindern, weil sie damit herrlich spielen können.“

Mit einer Prise Comedy kommt die Show doppelt so gut an

Mit einem Familienprogramm will sich der Görauer ein weiteres magisches Standbein aufbauen. Auf Geburtstagen und Hochzeiten möchte er Alt und Jung zum Staunen und Lachen bringen. „Comedy ist heute ein wichtiger Baustein in der Show eines Illusionisten. Die Leute wollen lustig sein, da der Alltag schon ernst genug ist“, bringt es Sperber auf den Punkt.

Große Zaubergala

Die große Zaubergala der Zauberfreunde Bamberg findet am Samstag, 26. Oktober, in Zückshut in der Gaststätte „Rieneck“ statt. Um 15.30 beginnt das Kinderprogramm, um 18.30 Uhr die Zaubergala. Stargast ist der Bert Rex, der in renommierten Häusern wie dem „Admiralspalast“ Berlin Erfolge feierte.

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