HOCHSTADT

Waldbesitzervereinigung: wieder in der Gewinnzone

Waldbesitzervereinigung: wieder in der Gewinnzone
Für vorbildliche Waldbewirtschaftung ehrten WBV-Vorsitzender Robert Hümmer (li.) und Forstdirektor Oliver Kröner (re.) Georg Zahner aus Unnersdorf (2. v. li. sowie die Stadt Burgkunstadt, vertreten durch Kämmerin Heike Eber und Forstwirt Hans Bornschlegel, mit der „Goldenen Heppe... Foto: Stephan Stöckel

Mit der Waldbesitzervereinigung (WBV) Lichtenfels-Staffelstein geht es wirtschaftlich wieder bergauf. Auf einen deutlichen Verlust von 10 000 Euro folgte im vergangenen Jahr ein leichter Gewinn von 1000 Euro. Dieser wäre sogar noch höher ausgefallen, wenn nicht die Insolvenz der „Genossenschaft Wald“, an der die WBV beteiligt gewesen war, den Waldbauern einen Strich durch die Rechnung gemacht hätte. Für Steuerberater Christoph Eube von der Steuerberatungsgesellschaft „Treukontax“ war sie der einzige Schönheitsfehler einer ansonsten makellosen Bilanz: „Sie hat uns das gute Ergebnis verhagelt. Ohne die Insolvenz läge der Gewinn bei 18 780 Euro.“

Was hat es mit der Genossenschaft auf sich, der die WBV 2011 beigetreten war? Vorsitzender Robert Hümmer klärte auf: „Sie entwickelte ein spezielles Computerprogramm. Auf einer Karte des Landkreises konnte man die Standorte für das gesammelte Lang- oder Kurzholz markieren und verwalten.“

Genossenschaftspleite wirkt sich auf die Waldbesitzervereinigung aus

Die Vereinigung hatte in Bayern 24 forstwirtschaftliche Vereinigungen als Mitglieder – zu wenig, um kostendeckend arbeiten zu können, wie Hümmer einräumte. Es kam zur Zahlungsunfähigkeit, die der Genossenschaft das Genick brach und bei der WBV den Gewinn reduzierte.

„Ein jährlicher Gewinn zwischen 10 000 und 20 000 Euro würde uns gut zu Buche stehen“, lautete Hümmers Losung für die nächsten Jahre.

Zwei Faktoren waren es gewesen, die 2018 bei der WBV für einen wirtschaftlichen Aufschwung sorgten. „Die 2017 beschlossene Erhöhung der Mitgliedsbeiträge hat voll durchgeschlagen“, nannte Eube den einen. Dem anderen hatte sich Geschäftsführer Hannes Sonnanini in seinem Geschäftsbericht ausführlich gewidmet.

Im vergangenen Jahr wurden seinen Ausführungen zufolge 22180 Festmeter Holz im Landkreis Lichtenfels über die WBV vermarktet. Im Jahre zuvor waren es nur 15370 Festmeter gewesen. „Der negative Trend der vergangenen Jahre ist gestoppt. Wir sind auf das Niveau des Jahres 2013 zurückgekehrt“, freute sich der Redner.

Waldbesitzer müssen ungeplante Baumfällungen bewältigen

Der Löwenanteil der vermarkteten Menge im Landkreis Lichtenfels entfällt auf die Nadelhölzer (in Klammern die Anzahl der Festmeter): An erster Stelle lag 2018 die Fichte (16485), gefolgt von der Kiefer (3950) und verschiedenen Laubhölzern (1745).

Die Steigerung sei dem Borkenkäfer zu verdanken, der sich aufgrund des trockenen Sommers ungebremst vermehrte. Das Schadinsekt zwang die Forstwirte zu ungeplanten Baumfällungen. „2018 hat im Schnitt jeder Besitzer zwei Mal verkauft. Es gab sogar einige, die bis zu zehn Mal Holz verkauften“, schilderte Sonanini die besondere Lage.

Kehrseite der Medaille: Es wurden vor allem kleine Holzmengen verkauft. Sie hätten, so der Fachmann, 25 Prozent der Vermarktungsmenge dargestellt, aber 75 Prozent der Arbeitszeit für den Holzverkauf verbraucht.

Hümmer appellierte an die Forstwirte, Käfer-Bäume so schnell wie möglich zu fällen und zu entrinden. Forstdirektor Oliver Kröner vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten freute sich darüber, dass viele aktiv gegen den Schädling vorgingen. Den schwarzen Schafen unter ihnen drohte er mit Zwangsgeld.

Die WBV zählt inzwischen über 2360 Mitglieder

Zum 31. Dezember 2018 zählte der Verein 2363 Mitglieder. 44 Neuzugängen standen laut Sonanini 36 Abgänge gegenüber.

Vor dem Hintergrund des Klimawandels geriet Oliver Kröners Rede zu einem Plädoyer für den Waldumbau. Laubbäume, wie die Traubeneiche hätten ein geringeres Anbaurisiko als die jetzt noch vorherrschende Fichte, betonte der Experte.

„Brauchen wir fremdländische Baumarten im Wald angesichts des Klimwandels?“, fragte Dr. Gregor Aas vom Ökologisch-Botanischen Garten Bayreuth. Der Experte gelangte zu der Erkenntnis, dass die Schaffung von Mischwäldern mit heimischen Arten oberste Priorität haben müsse. „Nur in einem gewissen Umfang sollten versuchsweise exotische Bäume, wie die Libanon-Zeder, angepflanzt werden“, sagte er.

Vorschläge für bessere Preise bei Holzvermarktung gemacht

Jörg Ermert, Geschäftsführer der Forstwirtschaftlichen Vereinigung Oberfrankens, sprach sich für eine Bündelung der Holzmengen aus, um bessere Preise zu erhalten. BBV-Kreisobmann Michael Bienlein sieht in der Schaffung von Ausgleichsflächen im Wald und der damit verbunden Zahlung von Kompensationsgeldern, eine Chance für den Waldumbau.

Der neue Leiter des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Coburg, Harald Weber, stellte sich den Waldbauern vor. Max Zeulner, zweiter Bürgermeister von Hochstadt, und stellvertrender Landrat Helmut Fischer lobten den vernünftigen Umgang der WBV mit dem Rohstoff Holz.

Verdient gemacht um den Waldumbau haben sich die Stadt Burgkunstadt, die 200 Hektar Wald ihr Eigen nennt, und Georg Zahn aus Unnersdorf, dem vier Hektar Wald gehören. Seit Jahren pflanzen sie in ihren Wäldern Laubbäume, die dem Klimawandel trotzen.

Für diese vorbildliche Waldbewirtschaftung zeichneten die WBV und das Amt für Landwirtschaft, Ernährung und Forsten den 56-jährigen Landwirt sowie Kämmerin Heike Eber und Forstwirt Hans Bornschlegel von der Stadt Burgkunstadt mit dem Waldpreis „Die Goldene Heppe“ aus.

Vorstand

Vorsitzender Robert Hümmer (Woffendorf), Stellvertreter Achim Schnapp (Frauendorf) und Dieter Popp (Lichtenfels), Kassier Matthias Hatzold (Görau), Schriftführer Benno Fries (Maineck). Beiräte: Robert Eiermann (Birkach), Sebastian Huth (Herzoglich Bayerisches Forstgut Neubanz), Markus Kraus (Spiesberg), Georg Kunzelmann (Bojendorf), Gerhard Lutter (Michelau), Jakob Müller (Großziegenfeld), Anton Wagner (Bojendorf) und Florian Will (Thelitz). Kassenprüfer: Hans-Georg Warmuth aus Tiefenroth und Günter Knorr aus Mainroth.

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