LICHTENFELS

Jugendhilfe: Krisenintervention bis Familienunterstützung

Jugendhilfe: Krisenintervention bis Familienunterstützung
Landrat Christian Meißner (re.) und der Leiter der des Sachgebietes Jugend und Familie, Stefan Hahn (li.), verabschiedeten mit dem Dipl.-Psychologen Albert Kempf (Mi.) ein langjähriges beratendes Mitglied des Jugendhilfeausschusses. Foto: Alfred Thieret

Unter der Leitung von Landrat Christian Meißner tagte am Donnerstag der Jugendhilfeausschuss im großen Sitzungssaal des Landratsamtes. Gleich mit dem Jahresbericht des Sachgebiets Jugend und Familie für das Jahr 2018 und der Vorstellung des Jugendhilfe-Haushalts 2019, die jeweils der Jugendamtsleiter Stefan Hahn vortrug, standen zu Anfang die wichtigsten Programmpunkte auf der Tagesordnung. Er schilderte die vielfältigen Aufgaben seines umfangreichen und nicht einfachen Sachgebietes auch im Hinblick auf die finanziellen Auswirkungen.

So hätten sich zum 31. Dezember 2018 20 Kinder, Jugendliche und junge Volljährige in stationären Einrichtungen befunden, wobei im vergangenen Jahr acht neue Heimfälle zu verzeichnen waren, denen acht Abgänge gegenüberstanden. Bei elf Jugendlichen habe ein sogenannter Eingliederungshilfebedarf bei bereits vorliegender oder drohender seelischer Behinderung bestanden, der stationär abzudecken war. Für diese stationären Maßnahmen seien im vergangenen Jahr Kosten von 1 341 800 Euro entstanden. Die Heimerziehungskosten für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge bezifferten sich darüber hinaus auf 1 180 500 Euro.

Intensive Betreuung

Im Jahr 2018 erhielten bis zu vier Mütter, die aufgrund ihrer Persönlichkeitsentwicklung eine Unterstützung bei der Pflege und Erziehung des Kindes bedürfen, zusammen mit ihren Kindern eine Hilfe in einer Eltern-Kind-Einrichtung. 16 Kinder und Jugendliche seien durch eine Erziehungsbeistandschaft bei der Bewältigung von Entwicklungsproblemen unter Einbeziehung ihres sozialen Lebensumfeldes unterstützt und ihre Verselbstständigung gefördert worden. Die Sozialpädagogische Familienhilfe begleitete durch eine intensive Betreuung 13 Familien in ihren Erziehungsaufgaben. Der Fokus liege hier bei der Bewältigung von Alltagsproblemen und bei der Lösung von Konflikten und Krisen. Unter sonstige Maßnahmen fielen schließlich noch 26 Hilfefälle.

Stefan Hahn informierte auch über die vielen Zuständigkeiten des Allgemeinen Sozialdienstes (ASD). Zu dessen Aufgabenprofil gehöre unter anderem die Krisenintervention und der Kinderschutz einschließlich Gefährdungseinschätzung und Inobhutnahme, die sozialpädagogische Beratung in Fragen des Familienrechts, sowie die Mitwirkung in familien- und jugendgerichtlichen Verfahren (116 Fälle im Jahr 2018 im Vergleich zu 97 Fällen im Vorjahr). Bemerkenswert sei auch eine annähernde Verdoppelung der Notfälle auf 13 gewesen.

Erfreuliches gab es von der kommunalen Jugendarbeit zu berichten. Hervorzuheben seien hier besonders das umfangreiche Sommerferienprogramm, die mehrtägigen Ferienangebote, das Familienforscherspiel, das Spielmobil und die Beteiligung bei der Honorierung von besonderen Leistungen von Kindern und Jugendlichen.

Hohe Verantwortung

Der Landrat hob hervor, dass der Vortrag von Stefan Hahn die vielschichtige Arbeit des Kreisjugendamtes dokumentiere. Hinter jedem der zu bearbeitenden Fälle würden schließlich menschliche Schicksale stehen, was eine hohe Verantwortung für die Mitarbeiter mit sich bringe, wofür er ihnen seinen großen Respekt entgegenbrachte.

Stefan Hahn stellte dann den Haushaltsentwurf 2019 vor, der sich einschließlich der Verwaltungskosten von 1 350 900 Euro auf 7.500.800 Euro (Vorjahr 7 909 800 Euro) bezifferte. Dem standen Einnahmen von 1 652 400 Euro (Vorjahr 2 005 000 Euro) gegenüber, so dass sich ein Zuschussbedarf im Leistungsbereich des Verwaltungshaushaltes von 4 497 500 Euro (Vorjahr 4 581 000 Euro) ergibt.

Der Jugendamtsleiter erläuterte auch einzelne Ausgabesätze. So sind für die gemeinsame Unterbringung von Eltern und Kind 220 000 Euro, für Erziehungsbeistandschaften 140 000 Euro, sonstige Maßnahmen 155 000 Euro, für Heimerziehung 800 000 Euro, stationäre Eingliederungshilfen für seelisch behinderte Kinder und Jugendliche 822 000 Euro und an Hilfen für unbegleitete minderjährige Ausländer 60 000 Euro für Erziehungsbeistandschaften und 1 193 000 Euro für stationäre Hilfen eingeplant. Der Jugendhilfeausschuss stimmte dem Jugendhilfehaushaltsplan 2019 einstimmig zu und empfahl die Beschlussfassung durch den Kreisausschuss und den Kreistag.

Als Tagesordungspunkt 3 stand die Umbesetzung des Jugendhilfeausschusses auf dem Programm. Auf Vorschlag des Staatlichen Schulamtes wurde Stefanie Mayr-Leidnecker an Stelle von Tanja Groeschke als beratendes Mitglied und Dr. Karina Kräußlein-Leib als stellvertretendes beratendes Mitglied einstimmig bestellt.

590 Familien betreut

Mit dem Diplom-Psychologen Albert Kempf, dem Leiter der Beratungsstelle für Kinder, Jugendliche und Eltern des Kreiscaritasverbandes, verabschiedete schließlich der Landrat ein langjähriges beratendes Mitglied, für den der 28. Februar 2019 sein letzter Arbeitstag bei der Caritas war. Zum Abschied berichtete Albert Kempf noch kurz über seine Tätigkeit. So habe seine Beratungsstelle im vergangenen Jahr 590 Klientenfamilien mit 1483 Familienmitgliedern mit den unterschiedlichsten Problemen betreut.

Einstimmig verabschiedet wurde auch eine Vereinbarung zwischen dem Caritasverband für die Erzdiözese Bamberg und dem Landkreis Lichtenfels für die schon seit einigen Jahren bestehende Stütz- und Förderklasse an der St. Katharina-Schule des Heilpädagogischen Zentrums. Da eine Betreuung innerhalb der längeren Ferien die Schüler sinnvoll unterstützt, können entsprechend der Vereinbarung die sozialpädagogischen Fachkräfte der Stütz- und Förderklasse hierfür zusätzliche Stunden einbringen. Als angemessener Umfang werde von einer zusätzlichen Stundenzahl von zehn Stunden je Kind im Schuljahr ausgegangen.

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