LICHTENFELS/BAYREUTH

IHK-Gremium: Stabile Wirtschaftslage am Obermain

Zwiegespalten ist die Stimmung der Wirtschaft am Obermain, so das Ergebnis der aktuellen Konjunkturumfrage der IHK für Oberfranken Bayreuth. Während die aktuelle Geschäftslage weiterhin sehr positiv beurteilt wird, werden die weiteren Aussichten zurückhaltender beurteilt. „Wenn ich an Trump, Brexit, Italien, China und den Fachkräftemangel denke, überrascht mich diese Zurückhaltung nicht“, so Wilhelm Wasikowski, IHK-Vizepräsident und Vorsitzender des IHK-Gremiums Lichtenfels.

Über die Hälfte der Unternehmenslenker beurteilt die aktuelle Geschäftslage positiv, nur 14 Prozent sind mit ihr nicht zufrieden. Die Ergebnisse verharren damit auf dem hohen Niveau der letzten Jahre. Wasikowski: „Das ist ein schlagkräftiges Indiz dafür, dass sich die Unternehmen aus dem Raum Lichtenfels auch unter schwierigen Marktbedingungen behaupten können.“ Die rückläufige Entwicklung des Auftragsvolumens in den vergangenen Monaten macht das schwierige Marktumfeld deutlich. „Dass sich etwa die Industrie in den vergangenen Jahren so positiv entwickeln konnte, ist sicherlich nicht den Rahmenbedingungen zuzuschreiben. Hohe Unternehmenssteuern und die höchsten Energiepreise in Europa gefährden die Wettbewerbsfähigkeit deutscher Unternehmen“, kritisiert Wasikowski.

Zurückhaltung beim Blick nach vorne

Die kommenden zwölf Monate werden nach Einschätzung der Unternehmen aus dem IHK-Gremiumsbezirk Lichtenfels herausfordernd. Im Saldo erwartet die Wirtschaft eine leicht rückläufige Entwicklung der Geschäftslage, 22 Prozent rechnen mit einer Verschlechterung, 16 Prozent mit einer Verbesserung. Wasikowski: „Der Konjunkturmotor im Landkreis ist etwas ins Stottern gekommen. Die fetten Jahre sind offenbar vorbei, wir müssen uns im Moment wohl auf kleinere Wachstumsraten einstellen.“ In Oberfranken rechnen neben Lichtenfels nur die Unternehmen im Landkreis Kronach mit einer nachlassenden Geschäftslage.

Wasikowski: „Es droht ein ungeordneter Austritt Großbritanniens aus der EU, internationale Konflikte belasten den Welthandel, das chinesische Wirtschaftswachstum bleibt hinter den Erwartungen zurück, der freie Welthandel gerät zusehends unter Druck.“ Nicht überraschend, dass die Lichtenfelser Unternehmen bei ihren Investitions- und Personalplanungen für 2019 zurückhaltender geworden sind. Die Investitionsneigung der regionalen Unternehmen geht im Vergleich zur Herbstumfrage zwar zurück, bleibt aber im positiven Segment. Das heißt, dass auch künftig mehr Unternehmen ihre Investitionen steigern als senken wollen.

Die Politik ist gefordert

Größere Neueinstellungen werden, über die bekannten Planungen hinaus, nicht erwartet. „Jahrelang hat die deutsche Politik von der Substanz gelebt. Das rächt sich, wenn der Aufschwung nachlässt. Die Bundesregierung darf nicht warten, bis wir eine Rezession haben, sondern muss jetzt gegensteuern. Investitionen in die Infrastruktur und in Bildung, eine steuerliche Entlastung der Unternehmen und ein umfassender Bürokratieabbau sind das Gebot der Stunde“, betont der IHK-Gremiumsvorsitzende. Er nennt hier auch den Solidaritätszuschlag. „30 Jahre nach dem Mauerfall gehört dieser abgeschafft. Für alle. Das würde insbesondere Personengesellschaften helfen, die wie jeder Arbeitnehmer Einkommensteuer zahlen müssen.“ Es sei wichtig, die Grundlagen dafür zu legen, dass Deutschland auch in Zukunft wirtschaftlich erfolgreich bleibt.

Hinweis: Die Konjunkturbefragung der IHK für Oberfranken wird dreimal jährlich durchgeführt. Die letzte Befragung erfolgte zur Jahreswende 2018/2019, also vor der Ablehnung des Brexit-Abkommens durch das britische Unterhaus am 15. Januar. (red)

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