LICHTENFELS

Aus dem Amtsgericht: Exhibitionismus als Ventil bei Stress?

An ihrem Geburtstag der Freundin die Nase gebrochen

Es wird einen Fortsetzungstermin geben. Dann wird die Frau zu Wort kommen, die in Erinnerung an den Juli 2018 von „Ekel und Scham“ sprach. In Saal 11 des Amtsgerichts kam am Freitag ein Fall von exhibitionistischen Handlungen zum Aufruf.

Gegen 21.45 Uhr soll der so weit geständige Angeklagte mehrmals mit seinem Auto an einer Fußgängerin vorbeigefahren sein und dabei für sie sichtbar an seinem Glied manipuliert haben. Viel zu sagen hatte der 45-Jähriger dazu nicht. Doch ob allein die Anklage für sich spricht, ist auch nicht klar. Denn lässt sich der Vorfall vom 15. Juli wirklich mit einem erschreckenden Vorfall aus der Vergangenheit begründen?

Zumeist äußerte sich die Rechtsanwältin des Angeklagten, Regina Taubert, auf die von Richter Alexander Zenefels und Staatsanwältin Tatjana Winterholer gestellten Fragen. Die drehten sich um die Vorgeschichte des 45-Jährigen. Der verbrachte wegen Suizidgefahr schon Zeiten in einem Klinikum. Den Grund dafür habe ein sich vor seinen Augen abspielender doppelter Todesfall gebildet, der auch ob seiner Grausamkeit traumatisierend gewesen sei. Aus dieser Vorgeschichte ergab sich die Frage, ob die Handlung, deren der Mann angeklagt war, in Stresssituationen womöglich eine Ventilfunktion hatte.

„Familiäre Gründe“ als Anlass

Was dies nahelegen mochte, war, dass der Mann schon einmal vor Jahren durch ähnliches Tun auffällig wurde und damals „familiäre Gründe“ als Anlass angegeben hatte. An dieser Stelle kam aber auch zur Sprache, dass der Angeklagte damals begutachtet wurde und ein Sachverständiger ihm bescheinigte, dass er die Tat nicht hätte begehen müssen. Aber der Mann attestierte auch, dass „keine Wiederholungsgefahr“ bestünde. An dieser Stelle hakte Richter Alexander Zenefels zu einem weiteren Punkt nach: „Der damalige Staatsanwalt hatte Sie gefragt, ob Sie sich behandeln lassen wollen – damals haben Sie abgelehnt.“ Auch Winterholer griff das auf und bescheinigte dem Angeklagten „dünne Antworten“.

Ein der Verhandlung beiwohnender Sozialpädagoge brach eine Lanze für den Mann, wenngleich auch er „schwer Zugang zu seinen Gefühlen“ habe. Auch auf dieser Aussage fußt der Entschluss des Gerichts, das Verfahren zunächst auszusetzen und den Angeklagten hinsichtlich einer „sexuellen Anpassungsstörung“ begutachten zu lassen. Ein Entschluss, der auch der Verteidigerin Taubert entgegenkam. Sie erklärte, dass sie ihren Mandant beim ersten Kennenlernen „in einem desolaten Zustand angetroffen“ habe. Er sehe mittlerweile die Notwendigkeit einer Behandlung.