BUCH AM FORST

Trauer um Andreas Welz: Lokaljournalist mit Leib und Seele

Trauer um Andreas Welz: Lokaljournalist mit Leib und Seele
Seiner Heimat am Obermain und vor allem Buch am Forst fest verbunden: Andreas Welz – hier an seinem 70. Geburtstag – im ... Foto: Roger Martin

Unverwechselbar in seiner barocken Erscheinung, gemütlich und jovial, ein höchst kompetenter und gewissenhafter Journalist, jahrzehntelang ein sehr zuverlässiger Mitarbeiter des Obermain-Tagblatts, ein sehr liebenswerter Mensch und Kollege: Das war Andreas Welz. Unerwartet ist er – wenige Wochen vor seinem 75. Geburtstag – in Buch am Forst gestorben.

„Andy“, wie er in der Redaktion gerne genannt wurde, war Lokaljournalist mit Leib und Seele. Er lebte und liebte das Recherchieren und Schreiben. Er war für uns ein freier Mitarbeiter, wie man ihn sich besser nicht wünschen kann.

Wenn Andreas Welz einen Auftrag für einen Termin erhielt, begnügte er sich nicht mit dem, was meist üblich ist. Es gehörte zu seinem Berufsethos, über einen Termin hinaus nachzurecherchieren, um mehr Klarheit zu schaffen – auch für sich. Er pflegte viele Kontakte und hatte stets tolle Ideen für Geschichten abseits von Terminen. All dies kam den Medien und deren Kunden zugute.

„Mich interessieren die Hintergründe“

Bemerkenswert war auch die direkte Art, mit der er bei Pressekonferenzen nachhakte, auch wenn es für Betroffene mitunter unbequem wurde. Dieses journalistische Prädikat konnte sich der „Andy“ mit zunehmender Berufserfahrung leisten.

Andreas Welz beherrschte das journalistische Handwerk und hielt dessen Grundregeln in Ehren. Sensationsjournalismus war ihm fremd. „Es geht mir nicht um Selbstdarstellung. Mich interessieren die Hintergründe“, hat er in einem Interview mit dieser Redaktion einmal gesagt.

Der Journalist aus Buch war an allen lokalen Themen interessiert. Er gab kaum einen Termin, den er nicht annehmen konnte oder wollte. Auch Kulturveranstaltungen wie klassische Konzerte nahm er wahr.

Anspruchsvolle und komplexe Themen reizten den Mitarbeiter mit dem Kürzel „sz“ besonders. Gerne kümmerte er sich zum Beispiel um die bäuerliche Land- und Forstwirtschaft am Obermain. In den vergangenen Jahren widmete er sich zudem Themen und Veranstaltungen rund um die Wallfahrtskirche und das Franziskanerkloster Vierzehnheiligen sowie das geistliche Leben dort. Ebenso hatte es ihm das große Lichtenfelser Schützen- und Volksfest angetan, von dem er regelmäßig berichtete. Schließlich machte er sich gerne auf die Spuren unserer Vorfahren und arbeitete Lokalgeschichte auf.

Buch als Dreh- und Angelpunkt

Andreas Welz berichtete aus dem gesamten Obermain-Gebiet, am liebsten aber aus seinem Heimatort Buch. Seit Mitte der 1980-er Jahre lebte er in dem Ort jenseits des Bucher Forsts nahe der Landkreisgrenze zu Coburg, zuletzt in einem Nebenhaus des dortigen Schlosses - dort, wo früher der Förster gewohnt hatte. Gemeinsam mit seinem Bruder verbrachte er freie Zeit damit, den Bau wieder instand zu setzen.

Als das Jubiläum 800 Jahre Buch am Forst näher rückte, wurde der Mann mit dem Blick für historische Zusammenhänge Initiator und war dann auch Mitgestalter für die Feier im Jahr 2015.

Seit 2014 war Andreas Welz Ortssprecher seiner Heimatgemeinde. In dieser Funktion brachte er regelmäßig Wünsche und Anregungen aus dem Lichtenfelser Stadtteil zur Sprache. In Ausschüssen brach er eine Lanze für „seinen“ Stadtteil, und er nahm an Sitzungen des Stadtrates teil.

Der „Andy“ war Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr in Buch. 40 Jahre gehörte er dem dortigen Ortsverband der CSU an und war jahrelang dessen 2. Vorsitzender. Für die Treue zu seiner Partei wurde er im Oktober vergangenen Jahres geehrt. „Franz-Josef Strauß kannte mich persönlich“, hat Andreas Welz er einmal gesagt.

Dem unermüdlichen Einsatz für seinen Heimatort verdanken die Menschen dort seit Jahrzehnten regelmäßige und breite Aufmerksamkeit in den lokalen Medien. So ist sein Tod nicht nur für uns Berufskollegen und –kolleginnen und für die Leserinnen und Leser am Obermain ein schmerzlicher Verlust. Die Bucher werden ihn besonders vermissen.

Spätberufener Lokaljournalist

Als der eingeschworene Junggeselle seinen 70. Geburtstag feierte, ließ er diese Redaktion tief in sein Leben blicken. Heraus kam damals eine vorjournalistische Vita, die außergewöhnlich und für Außenstehende überraschend war. Am 4. April 1944 erblickte Andreas Welz im damals ostpreußischen Königsberg das Licht der Welt. Seinen Geburtsort, auf den an diesem Tag Bomben fielen, hielt er in Ehren. So baute er den Ortsnamen in eine E-Mail-Adresse ein, die lange Jahre gültig war.

Der Vater war Pastor, die Mutter Sekretärin bei einer Wehrmachtsorganisation. Andreas hatte vier Geschwister. Nach Kriegsende floh die Familie über Hamburg und Hannover nach Berlin. 1965 entschied sich der junge Mann, zur Marine zu gehen. Für die Handelsmarine war er bis 1984 auf hoher See und kam so in der ganzen Welt herum.

Mit 43 Jahren stieg „Andy“ als Spätberufener in den Journalismus ein. Damals gab es keine Smartphones und Internet war für viele noch ein Fremdwort. 1989 absolvierte Andreas Welz ein Volontariat beim Obermain-Tagblatt. Von dort wechselte er zunächst zur Neuen Presse. Später und bis zu seinem Tode arbeitete er wieder für alle Zeitungen am Obermain.

Die Trauerfeier für den Verstorbenen findet am Freitag, 8. Februar, um 14 Uhr in der evangelisch-lutherischen Pfarrkirche St. Magdalena statt.

Lieber Andy,

wir haben all die Jahre gerne mit dir zusammengearbeitet. Wir, alle Kollegen des Obermain-Tagblatts, werden die Zeit mit dir nie vergessen.

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