LICHTENFELS

Gerichtsverhandlung: Rentner muss jetzt Vorräte anlegen

Amtsgericht: Hiebe statt Liebe

Wegen unerlaubten Entfernens vom Unfallort flatterte einem 83-jährigen Rentner aus dem östlichen Landkreis im vergangenen Jahr ein Strafbefehl ins Haus. Die Ansage war klar: 1625 Euro Bußgeld sowie die Weisung, sich zwei Monate lang nicht hinters Steuer zu setzen. Besonders dagegen richtete sich der Einspruch des Rentners, und so traf man sich am Donnerstag im Saal 14 des Amtsgerichts.

Zwei Einspruchsschreiben lagen dem Gericht vor, jeweils mit der Bitte, das Fahrverbot nicht auf diese zeitliche Länge festzusetzen. Mit der Geldstrafe selbst zeigte sich der Angeklagte einverstanden, so wie er überhaupt häufig erwähnte, dass es eine Dummheit von ihm gewesen sei, nicht lange genug auf den Fahrer des Autos gewartet zu haben, das er an einem Einkaufsmarkt in Burgkunstadt anfuhr. Auf den Vorwurf des Richters Alexander Zenefels, dass er zudem nicht bei der Polizei gewesen sei, entgegnete der Burgkunstadter auf eine noch verzeihlich witzige Weise schlagfertig: „Die Polizei war ja dann bei mir!“

„Ich habe den Tatort nicht fluchtartig verlassen, weil ich festen Glaubens war, es ist nichts passiert.“
Angeklagter

Der Mann hatte am 25. Juli 2018 vor 19 Uhr einen Parkplatz angesteuert und war mit einem geparkten Wagen kollidiert. Auf 1242 Euro wurde der dadurch entstandene Schaden am parkenden Fahrzeug beziffert. Doch anstatt den Wagen abzustellen und das andere Auto in Augenschein zu nehmen beziehungsweise auf den Besitzer zu warten, soll er sich wieder in seinen Wagen gesetzt haben und losgefahren sein. An diesem Punkt protestierte der Rentner, der angab, das angefahrene Auto sehr wohl begutachtet zu haben. Doch er habe nichts feststellen können. Bei seinem eigenen Auto hingegen seien ein paar Punkte und eine millimeterdünne Linie zu bemerken gewesen. „Ich habe den Tatort nicht fluchtartig verlassen, weil ich festen Glaubens war, es ist nichts passiert.“

Er bat um Milde in Bezug auf die Dauer des Fahrverbots: „Die Bestrafung seh' ich ein, aber bitte net so rabiat.“ Er und seine Frau seien in ihrem Alter wegen Einkäufen und Arztterminen auf das Auto angewiesen. „Die Einschränkung wäre sehr, sehr hart.“ Als Richter Zenefels ins Gespräch brachte, dass man das Fahrverbot auf eine gewisse Distanz auslegen könnte, entgegnete der Rentner in fragendem Ton etwas schelmisch: „Lassen wir es doch ganz fallen?“

Den Unfall beobachtet

Von Interesse war nun noch die Aussage einer Zeugin, der Frau, deren Auto angefahren worden war. Die 45-Jährige erklärte, von jenseits des Parkplatzes beobachtet zu haben, wie der Angeklagte ihr Auto anfuhr. Auf die richterliche Frage, wie lange sie das Auto des Rentners habe stehen sehen, antwortete sie: „fünf Minuten“. Eine Aussage, die durchaus geeignet war, Fragen aufzuwerfen. Denn weshalb ging sie dann nicht zu dem Parkenden und wies ihn auf die Kollision hin? Diese Frage stellte auch der Rentner der Frau und erhielt als Entgegnung lediglich den Satz: „Also, ich habe das gemacht, was ich für richtig gehalten hab.“

Für richtig hielt es das Gericht am Ende, den Strafbefehl etwas einzudampfen. Zwar blieb es bei den 1625 Euro, aber das Fahrverbot wurde auch durch Anregung von Staatsanwalt Matthias Jakob um einen Monat verkürzt. Nun muss sich der Rentner behelfen oder behelfen lassen. Einen Lösungsansatz nannte er selbst: „Man kann ja Vorratswirtschaft betreiben.“