LICHTENFELS/BURGKUNSTADT

Aktionsbündnis: Es betrifft nicht nur die Bienen

Damit das Volksbegehren „Rettet die Bienen!“ erfolgreich sein kann, konstituierte sich ein lokales Aktionsbündnis mit (v. li.) BN-Kreisvorsitzendem Anton Reinhardt, Kreisrat Mathias Söllner von B90/Die Grünen Lichtenfels, dem Kulmbacher Imkervereinsvorsitzenden Peter Griesbach, A... Foto: red

Auf großen Zuspruch stieß die Versammlung zur Gründung eines landkreisübergreifenden Aktionsbündnisses für einen besseren Schutz der Artenvielfalt in Bayern. Thomas Müller, der Bezirksvorsitzende der ÖDP (Ökologisch Demokratische Partei), hob in seinen Begrüßungsworten hervor: „Es ist eine historisch einmalige Chance und wir sind nur noch einen Schritt ins Rathaus davon entfernt, diese Chance zu nutzen.

Beim Volksbegehren „Rettet die Bienen!“ geht es vor allem darum, in ganz Bayern einen Biotopnetzverbund zu schaffen und das Ausbringen von Pestiziden einzudämmen. Nicht nur, um Bienen, Schmetterlingen und Vögeln bessere Überlebenschancen zu verschaffen, ist dies vonnöten, sondern um dem gesamten Artenreichtum in unserem Land auf die Sprünge zu helfen.“

Die Situation ist dramatisch

Ein dramatisches Artensterben in den letzten Jahrzehnten sei wissenschaftlich belegt. Thomas Müller mahnte: „54 Prozent aller Bienen sind bedroht oder bereits ausgestorben. 73 Prozent aller Tagfalter sind verschwunden! Über 75 Prozent aller Fluginsekten sind nicht mehr da. In Bayern leben nur noch halb so viele Vögel wie vor 30 Jahren!“ Diese Entwicklung müsse gestoppt werden. Beispielsweise dadurch, dass an den Gewässern Uferrandstreifen verpflichtend vor Pestizid- und Düngeausbringungen geschützt werden sollen. In mehreren Artikeln solle das Bayerische Naturschutzgesetz direktdemokratisch so verbessert werden, dass unsere Lebensgrundlagen stärker gesichert werden und gefährdeten Arten geholfen wird. In der landwirtschaftlichen und forstlichen Ausbildung sollen die Gründe und Abhilfemaßnahmen des dramatischen Artenschwunds der letzten Jahrzehnte zum Lehrinhalt gemacht werden. Auch für den Ausbau der biologischen Landwirtschaft solle es gesetzlich festgelegte Ziele geben. „Das wirksamste Naturschutzgesetz in Europa ist mit dem Volksbegehren in greifbare Nähe gerückt“, meinte Thomas Müller.

„Wir brauchen dringend Bereiche, wo Natur noch Natur sein darf!“
Anton Reinhardt, BN-Kreisvorsitzender

Von den 42 Anwesenden meldeten sich bei der kurzen Vorstellungsrunde einige Bündnispartner mit kurzen Redebeiträgen zu Wort. BN-Kreisvorsitzender Anton Reinhardt machte den grassierenden Flächenverbrauch mit dafür verantwortlich, dass die Biodiversität stark abgenommen habe und forderte: „Wir brauchen dringend Bereiche, wo Natur noch Natur sein darf!“ Er stellte, um Missverständnissen vorzubeugen, klar: „Das Volksbegehren ist keine Initiative gegen die Landwirtschaft. Die bäuerlich arbeitenden Familienbetriebe sind vielmehr genauso Leidtragende einer verfehlten Agrarpolitik, die sie in ein System des „Wachsen oder Weichen“ drängt und zu einem gigantischen Höfesterben geführt hat. Wir wollen die bäuerliche, kleinräumig arbeitende Landwirtschaft mit dem Gesetz stärken und ihr eine neue Perspektive geben.“

Die Kreisvorsitzende des Landesbund für Vogelschutz, Marion Damm, sagte: „Immer mehr sogenannte Allerweltsvogelarten, wie Feldsperlinge, Mehlschwalben und Feldlerchen gehen im Bestand stark zurück oder landen schon auf der Roten Liste der gefährdeten Arten.“ Fritz Stehl vom Bayerischen Jagdverband beklagte den Rückgang der Lebensräume für das Niederwild und insbesondere des Rebhuhns. Berufsimker Henrik Arndt sorgt sich um seine 100 Bienenvölker. Ihm ist das Volksbegehren ein besonderes Anliegen und er erklärte sich deshalb spontan bereit, beim nächsten Treffen des Aktionsbündnisses am 23. Januar im Gasthof „Drei Kronen“ in Burgkunstadt einen Vortrag zur Bedeutung der Honigbiene zu halten.

Viele Unterstützer für ein Ziel

Neben den ödp-Mitgliedern zeigten sich auch Sebastian Müller, der Kreisvorsitzende der SPD, Kreishandwerksmeister Mathias Söllner und Dagmar Keis-Lechner von Bündnis 90/Die Grünen sowie Arno Pfaffenberger von der Partei „mut“ mit etlichen ihrer Mitglieder bereit, bei der Durchführung des Volksbegehrens aktiv mitzuhelfen.

Vom 31. Januar bis zum 13. Februar 2019 hat das Innenministerium die 14-tägige Eintragungsfrist festgesetzt, während der sich zehn Prozent der bayerischen Wahlberechtigten (eine Million Menschen) in den Rathäusern eintragen müssen. Erst wenn auch diese Hürde übersprungen ist, kommt es zum eigentlichen Volksentscheid. Reinhard Englert von der ödp appellierte deshalb an die Bürgermeister der Städte und Gemeinden: „Bitte veranlassen Sie bürgerfreundliche Öffnungszeiten der Rathäuser über das gesetzliche Mindestmaß hinaus, so dass auch Berufstätigen die Eintragung für das Volksbegehren erleichtert wird. Beispielsweise könnte man in den Mittagspausen oder abends sowie einige Stunden samstags und sonntags während der zweiwöchigen Eintragungsfrist den Bürgern entgegenkommen. Einige Kommunen haben dies bereits positiv entschieden.“

Thomas Müller freute sich über die vielen konstruktiven Vorschläge, die von den Anwesenden vorgebracht wurden, um das Volksbegehren erfolgreich werden zu lassen.

Nicht nur Bienen profitieren von einer artenreichen und blühenden Landschaft, sondern auch viele Schmetterlingsarten wie... Foto: red

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