LICHTENFELS/COBURG

Bewährungsstrafe: Rechts vom rechten Weg abgekommen

Schwarzfahrerei wurde zum Verhängnis

„Ich war ja so dumm“, zeigte sich am Mittwoch ein aus dem Landkreis Lichtenfels stammender 46-jähriger Arbeiter am Coburger Amtsgericht reumütig. Er sei ja ansonsten „ganz lieb“, selbst wenn er etwas getrunken habe.

Ganz so lieb war der Angeklagte im Lauf seines Lebens dann aber doch nicht. Elf Vorstrafen verlas Richterin Melanie Krapf, unter anderem wegen Körperverletzung und dem Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen, sprich von Symbolen des Nationalsozialismus. Wegen einem weiteren Fehltritt in die rechte Richtung saß der 46-Jährige jetzt wieder vor Gericht. Dazu kam eine ganze Reihe weiterer Vorwürfe der Staatsanwaltschaft.

Filmriss nach sechs, sieben Whiskey

Im August vergangenen Jahres wohnte der Mann mit seiner Lebensgefährtin in einem Mehrparteienhaus in Neustadt bei Coburg. Nach den Worten von Amtsrichterin Krapf ist dieses Haus durchaus dafür bekannt, dass es zwischen den Parteien immer wieder mal Zoff gibt. Seine Mitbewohner hätten ihn ständig provoziert, meinte der Beschuldigte. Wie er zugab, sei er „nach sechs, sieben Whiskey“ ausgerastet. An einzelne Handlungen könne er sich aber nicht mehr erinnern. „Ich hatte einen Filmriss.“ Erst als die Polizei gekommen sei, habe die Erinnerung wieder eingesetzt.

Laut Anklage hat der 46-Jährige erst eine türkische Nachbarin mit nicht druckreifen Worten beleidigt und ihr ins Gesicht gespuckt. Auf seine Lebensgefährtin soll er sogar mit einer Axt losgegangen sein. Eine Fensterscheibe soll er eingeschlagen haben. Nach diesen Ereignissen hat der Angeklagte laut Staatsanwaltschaft im Hof des Anwesens eine Flagge mit NS-Zeit Hintergrund gehisst und dazu lautstark den Song einer Rockband aus der rechten Szene abgespielt.

Der 46-Jährige, der ohne Verteidiger erschienen war, gab sich geständig – mit kleinen Einschränkungen. Auf seine „Verlobte“ würde er nie mit der Axt losgehen. „So aggressiv bin ich nicht, auch nicht, wenn ich was getrunken habe.“ Und das mit der Nazi-Flagge treffe auch nicht zu. Zum Rest der Anklagevorwürfe bekannte sich der Mann: „Okay, das war ich.“ Auch zum Lied der Rechtsrockgruppe habe er „halt mal mitgesungen“. Wie er es denn mit rechtem Gedankengut so halte, wollte die Richterin von dem 46-Jährigen wissen. Ja, da tendiere er dazu, räumte der Angeklagte ein, „aber nicht mehr so wie früher“. Nun musste die Richterin zwischen Geständnis und Vorstrafenregister abwägen. Einen Großteil der Vorstrafen hatte sich der 46-Jährige durch Fahrten ohne Führerschein eingehandelt. Mit Blick auf die Anklage galten sie also nicht als einschlägig. Zuletzt hatte der Angeklagte eine fünfjährige Bewährungszeit hinter sich gebracht, ohne straffällig zu werden.

Somit verurteilte Melanie Krapf den Mann zu einer fünfmonatigen Freiheitsstrafe, die sie aber zur Bewährung aussetzte. Die Bewährungsfrist beträgt drei Jahre. Darüber hinaus muss der 46-Jährige 1000 Euro an eine gemeinnützige Einrichtung zahlen. Er sei ja so dumm gewesen. Nie mehr werde ihm so ein Ausrutscher passieren, beteuerte der Mann erneut. Ja, den Auftritt vor Gericht hätte er sich ersparen können, wäre er nur nicht so impulsiv gewesen, gab ihm die Richterin auf den Weg.

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