LICHTENFELS/UNNERSDORF

Kraftfahrzeugmeister: Manfred Dürr feiert 80. Geburtstag

KfZ-Meister Manfred Dürr feiert 80. Geburtstag
Diesen Käfer hat Manfred Dürr vor dem Verschrotten gerettet. Der 1303er steht in der Garage seines Hauses in Unnersdorf. Foto: me

Als Manfred Dürr lernte, gab es all den Schnickschnack noch nicht, der in heutigen Autos verbaut ist. An diese elektronischen Helferlein hätte er damals, in den 1950-ern, nicht gedacht, als er eine Kfz-Mechaniker und kaufmännische Lehre machte. Was in heutigen Autos zu finden ist, hätte er sich damals nicht zu träumen gewagt – entsprechend ratlos schaut er, wenn er auf die Zukunft angesprochen wird. Was alles noch kommen mag und was sich von diesen Innovationen durchsetzen wird, kann sich Manfred Dürr nicht bis ins Detail ausmalen.

In- und auswendig kennt er seinen VW Käfer. Im Schlaf könnte er noch heute alle Baugruppen des Wagens reparieren. An diesem Fahrzeug hat er einst gelernt, als die Uhren der Welt noch im analogen Modus tickten. Sein erstes Auto, einen 1200-er Käfer, baute er sich selbst aus den Einzelteilen mehrerer Fahrzeuge zusammen. Einzige Schikane dieses Käfers: Man fuhr mit Zwischengas. Aber das war damals eher die Regel als die Ausnahme. „Zusammenbauen war in einer Werkstatt das A und O“, sagt Manfred Dürr, und wenn das entsprechende Ersatzteil nicht schnell genug zu beschaffen war, wurde eben improvisiert.

Das geht heute nicht mehr. Computer und Digitaltechnik haben Einzug gehalten in den Fahrzeugbau und fast alle Abläufe in den Werkstätten umgekrempelt – mit allen Vorzügen und Nachteilen. „Die Technik hat sich ungemein verändert, das war nicht vorauszusehen“, kommentiert Manfred Dürr den Wandel.

Die Tücken der Technik

An seinem nagelneuen VW Golf, den er nun ein Vierteljahr fährt, hat Manfred Dürr längst noch nicht durchschaut, wozu all die „1000 Knöpfla“ da sind. Der Golf sei gespickt mit technischen Innovationen. Ein wenig sarkastisch merkt Manfred Dürr an, dass das bei ihm zu Irritationen führen könne, weil ihm die Routine im Umgang damit noch fehle. Denn kaum saß Sohn David kurz in seinem Auto, ist auch schon vieles verstellt. Er brauche dann professionelle Hilfe, um alles wieder so einzustellen, dass er zurechtkommt.

Spaß beiseite. Ob ihn die Digitaltechnik überfordere, wollen wir wissen. „Jein“, lautet die zweideutige Antwort. Manfred Dürr gibt aber freimütig zu, dass es für ihn zunächst schon problematisch sei, wenn eines der Lämpchen im Golf aufleuchte. „Ja, was issn des scho? wieder?“, frage er sich dann selbst.

Was die Zukunft in Sachen Abgasreinigung bringen werde, ist dem früheren Inhaber des Lichtenfelser VAG-Autohauses Dürr schleierhaft: Derzeit sei noch sehr unklar, wie die gesetzlichen Rahmenbedingungen ausfallen und wie sie umgesetzt werden. Selbst jemandem, der sich zeitlebens für die Kfz-Branche interessiert hat, bleibe da ratlos.

Manfred Dürr kam am 10. Januar 1939 in Coburg zur Welt. Sein Vater Andreas hatte seit 1938 eine Fahrrad- und Zubehörhandlung in der Bamberger Straße in Lichtenfels. Nach dem Krieg wurden Motorräder und schließlich Volkswagen ins Sortiment aufgenommen. Irgendwann wurde die Niederlassung in der Bamberger Straße zu klein, so dass die Firma expandierte und sich am Breiten Rasen ansiedelte. In der Ausbildungszeit hatte sich Manfred Dürr seine automobilistischen Sporen anderswo verdient. In Nürnberg, Rothenburg, Duisburg und Dinslaken lernte er das Handwerk und sammelte Erfahrungen.

Rund 160 Lehrlinge hat Manfred Dürr eigenen Schätzung zufolge während seines Berufslebens ausgebildet. Ein wenig stolz ist er deshalb auf den goldenen Meisterbrief, den ihm die Handwerkskammer Bayreuth – unter anderem für seine Leistungen als Ausbilder – im Jahr 2004 verliehen hat. Seinen Hobbys blieb er treu: Den Männergesangverein Kösten führte er über viele Jahre, dem Philatelistenverein Lichtenfels gehört er noch immer an.

Obwohl er seinen funkelnagelneuen VW Golf nicht missen möchte, ist sein Resümee klar: „Das beste Auto, das ich je gehabt habe, war mein selbst gebauter Käfer.“ Ob der auch ein wenig frisiert war? Manfred Dürr schaut entrüstet drein: „Nein! So etwas haben wir früher nicht gemacht.“