LICHTENFELS/BAD STAFFELSTEIN

Tierische Konkurrenz: Die Angelsportler sind richtig sauer

Ehrungen für 20jährige Mitgliedschaft mit Vorsitzendem Horst Schramm (re.) und 2. Vorsitzenden Jürgen Hoffmann (li.). Foto: Andreas Welz

„Die Feinde unserer Zunft werden immer stärker“, befürchten die Angler am Obermain. Neben dem Kormoran jagt ihnen neuerdings auch der Fischotter die Beute ab. Der Ton des Vorsitzenden des Anglerclubs Lichtenfels-Staffelstein und Umgebung, Horst Schramm, wird schärfer. Bei der Hauptversammlung mit Ehrungen am Dreikönigstag im Lichtenfelser Schützenhaus griff er Behörden und die „Freunde vom Vogelschutz“ an: „Sie lassen nicht nach, uns das Leben schwer zu machen“.

Der Fischotter erlege im Jahr sechs Zentner Fische. Der Jagdtrieb sei so ausgeprägt, dass er auch 15-pfündige Karpfen tötet. Im Raum Lichtenfels seien schon mehrere Tiere mit der Wildkamera erfasst worden, so der Vorsitzende. Fischwirte berichteten, dass ihnen beim Abfischen der Teiche mehrere Zentner Karpfen fehlten. Fischzüchter überlegen, ihre Teiche aufzugeben. Schon jetzt seien die Preise von Besatzfischen um 50 Prozent gestiegen, stellte Schramm fest.

„Wer da noch von einer gefährdeten Wildart spricht, dem fehlen einige Hirnwindungen.“

Vorsitzender Horst Schramm

zum Thema „Kormorane“

Die Verfügung zur Vergrämung von Kormoranen seit vergangenem März in gewissen Gebieten sei zeitlich und örtlich begrenzt, aber in der Schutzzone am Hutweidsee in Redwitz sei weiterhin keine Vergrämung möglich. Aber gerade dort überwinterten bis zu 50 Exemplaren. Inzwischen hätten sich in Bayern 14 Kolonien Kormorane mit 575 Brutpaaren etabliert. Es gebe 140 Schlafplätze und es überwinterten über 6000 Vögel.

Neues Rückzugsgebiet geschaffen

„Wer da noch von einer gefährdeten Wildart spricht, dem fehlen einige Hirnwindungen, oder er verfolgt das Ziel, den Angelfischern, die Existenzgrundlage zu nehmen“, erzürnte sich der Vorsitzende. „Diese Träumer, die auf Kosten anderer Tiere den Wolf, Biber, Kormoran, Fischreiher und Fischotter einführen, müssten nicht die Konsequenzen für diesen Unsinn tragen“, schimpfte er. Die Schäden durch den Kormoran beliefen sich beim Anglerclub auf 10 000 Euro im Jahr.

Rund 8000 Euro seien im vergangenen Jahr für Baumaßnahmen investiert worden, so der Vorsitzende in seinem Jahresbericht. Der größte Aufwand war die Neuanlegung eines Altarms im Auslauf des Hutweidsees. Damit hätte man ein weiteres Rückzugsgebiet für Fische und Amphibien geschaffen. An der Mainstrecke bei Burgkunstadt habe die Maschinenfabrik Fischer mit dem Wasserwirtschaftsamt eine ökologische Ausgleichsmaßnahme finanziert. Oberhalb der Stauanlage auf der Burgkunstadter Seite seien große Gewässeraufweitungen ausgebaggert worden. Auch dieses Projekt diene als Laich- und Rückzugsgebiet für alle Fische und Kleinlebewesen, so Horst Schramm.

Zweifel angesagt

Kritisch beurteilte er die Neuregelung, dass Fischereierlaubnisscheine auch Online ausgegeben werden können. Dies werde Mitgliederschwund zur Folge haben, weil es dann einfacher werde, ohne Vereinsbindung eine Erlaubnis zu lösen. An die Angler appellierte der Vorsitzende, die Fangergebnisse korrekt zu protokollieren. Mit den Fangergebnissen sei er nicht zufrieden und es zwinge sich der Verdacht auf, dass es bezüglich der Fangbegrenzungen nicht mit rechten Dingen zugehe.

Hinsichtlich der Übernachtungen am Gewässer müsste eine neue Regelung eingetroffen werden. Die Verunreinigungen in den Uferbüschen durch Abfall oder Fäkalien habe zugenommen. Schramm machte deutlich, dass zur Zeit Übernachtungen nur mit der Genehmigung des Vorstandes möglich seien. Auch das Anlegen von Feuerstellen müsse in die Erlaubnis einbezogen werden. Die Einführung von eisernen Feuerschalen könnte zur Pflicht werden.

Schramm bezeichnete den Stand der Mitglieder mit 938 als stabil. 70 Neuanmeldungen standen 44 Abmeldungen und elf Ausschlüssen wegen Beitragsrückständen gegenüber. Durch das positive wirtschaftliche Ergebnis sei er auch mit der finanziellen Lage des Vereins zufrieden.

Welse nicht zurücksetzen

Gewässerwart Winfried Dicker-Glück berichtete von zahlreichen Arbeitseinsätzen an den Baggerseen. Zufahrtswege und Uferbereiche wurden freigeschnitten. Die Fangergebnisse im Jahr 2017 bezeichnete er als schlecht. Es seien nur 1722 Karpfen registriert worden, 1000 weniger als im Jahre 2014.

Auch der Ertrag an Raubfischen mit 60 Zandern hätte besser sein müssen. Schleien könnten kaum noch gefangen werden, obwohl sie regelmäßig nachbesetzt würden. Als Grund nannte der Gewässerwart die Zunahme von Welsen. Er verwies darauf, dass gefangene Welse nicht mehr zurückgesetzt werden dürfen.

Jugendwart Benjamin Kolb berichtete von zwölf Veranstaltungen für die rund 80 Jugendlichen des Vereins. Lob erhielten die Teilnehmer an einer Müllsammelaktion im Frühjahr. Interessant für sie seien Zeltlager oder Nachtangeln gewesen. Das Anglerglück war besonders Adrian Bornschlegel, Tom Tschetwiorkin und Michael Pohl Hold.

Die Geehrten

20jährige Mitgliedschaft: Thomas Bomert (Altenkunstadt), Rainer Dominik (Großheirath), Jürgen Faber (Birkach), Christian Fugmann (Maineck), Waldemar Geiger (Rödental), Horst Glasse (Glashütten), Karl Kachelmaier (Schottenstein), Helmut Kessel (Coburg), Steffen Krauß (Altenkunstadt), Egon Kühnert (Bad Staffelstein), Sascha Möller (Dörfles-Esbach), Edward Mrachatz (Ebersdorf), Kai Neugebauer (Coburg), Thomas Nötzelmann (Bad Staffelstein), Ute Skolaut (Weidhausen), Christian Vogel (Bad Rodach).

40 Jahre: Hermann Hahn (Kulmbach), Andreas Neubauer-Welscher (Kronach).

50 Jahre: Walter Fröhlich (Kronach), Günter Hofmann (Schney), Hans König (Burgkunstadt), Georg Bittroff (Altenkunstadt), Heinz Volk (Ebersdorf).

Glückwünsche für 40- und 50-jährige Mitgliedschaft (v. li.): 2. Vorsitzender Jürgen Hoffmann, Georg Bittroff, Andreas Ne... Foto: Andreas Welz

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