COBURG

Gefährlicher Angriff: Mit Stange die Luft abgedrückt

Amtsgericht: Hiebe statt Liebe

Im Bezirksklinikum Kutzenberg ist es zu einer Schlägerei zwischen zwei Patienten gekommen. Die tätliche Auseinandersetzung, die bereits im Herbst 2017 stattfand, beschäftigt seit Montag das Coburger Landgericht. Angeklagt ist ein 41-Jähriger mit einem Alkoholproblem.

Der Beschuldigte soll nach den Worten von Oberstaatsanwalt Martin Dippold auf einen 64-jährigen Mitbewohner der Therapieeinrichtung losgegangen sein. Laut Anklage schlug er dem psychisch kranken Älteren erst mit der Faust ins Gesicht. Dann drückte er mit einem Stock seinem Opfer von hinten die Kehle zu. „Den bring ich um“, soll der Angeklagte dabei geschrien haben. Nur das Eingreifen eines anderen Patienten habe Schlimmeres verhindert.

„Streit hatte ich allerdings schon mit dem Herrn“, gab der 41-Jährige vor der Strafkammer unter dem Vorsitz von Richter Dr. Christoph Gillot zu. An die Tat könne er sich aber nicht mehr erinnern. Das sei so gekommen: Der 64-Jährige sei ihm schon seit einiger Zeit aufgefallen, weil er immer „Stress machte“. Schon in der Cafeteria des Klinikums habe sich der Ältere mit anderen Patienten gestritten. Der Angeklagte behauptete, von dem 64-Jährigen, der mit ihm im selben Haus untergebracht war, total genervt gewesen zu sein.

Im Supermarkt Alkohol besorgt

Um endlich Ruhe zu haben, beschloss der Angeklagte, der wegen seines Alkoholkonsums in Kutzenberg war, sich „bis zur Besinnungslosigkeit“ zu betrinken. Nach etwa 20-minütigem Fußmarsch erreichte er einen Supermarkt. Dort habe er sich einen 1,5-Liter-Wein-Tetrapack sowie eine 0,7-Liter-Flasche Schnaps gekauft. Schon vor seiner Rückkehr habe er fast alles ausgetrunken. Danach könne er sich kaum noch an irgendetwas erinnern, lediglich, dass er fixiert auf einem Bett in der geschlossenen Einrichtung des Bezirksklinikums zu sich gekommen sei.

Wie der Geschädigte erklärte, habe es spät in der Nacht an seiner Zimmertür geklopft. Kaum habe der 64-Jährige die Tür geöffnet, sei der Jüngere schon auf ihn losgegangen. Im Lauf der Auseinandersetzung habe der 41-Jährige den älteren Mann zu Boden gerungen. Dann habe er von hinten eine Stange um seinen Hals gelegt. Aller Wahrscheinlichkeit handelte es sich dabei um den Gehstock des 64-Jährigen. Bei der Verhandlung war aber auch von einem Besenstiel die Rede. So oder so blieb dem Älteren die Luft weg. Ein Mitbewohner habe die beiden am Boden ringenden Männer schließlich getrennt.

Polizei rückte zwei Mal an

„Ich dachte, mein letztes Stündlein hat geschlagen“, sagte der ältere Mann. Dass ihm der Beschuldigte einen Faustschlag ins Gesicht verpasst habe, daran konnte sich der nach wie vor in einer Therapieeinrichtung lebende 64-Jährige nicht mehr erinnern. Nach seiner Aussage entschuldigte sich der Angeklagte bei ihm.

Gegenüber der Polizei hatte ein Zeuge angegeben, dass das Opfer schon ganz blau im Gesicht gewesen sei. Wie ein Beamter schilderte, habe die Polizei in der Tatnacht zweimal zu der Unterkunft im Klinikum kommen müssen. Erst war es nur zu einem verbalen Streit gekommen, dann zu dem tätlichen Angriff. Ein Polizist erklärte, dass der Beschuldigte zwar mit einer verwaschenen Aussprache aufgefallen sei, sonst aber keine alkoholtypischen Ausfallerscheinungen gezeigt habe. In die geschlossene Abteilung habe er sich ohne großen Widerstand bringen lassen. Etwa 1,5 Promille Blutalkohol maßen die Beamten in der Tatnacht.

Die Verhandlung wird am Montag, 14. Januar, 9 Uhr, fortgesetzt.