LICHTENFELS/REDWITZ/BURGKUNSTADT

Stromtrasse: Neuer Ostbayernring kostet Waldstück

Stromtrasse: Neuer Ostbayernring kostet Waldstück
Enorme Dimensionen: Das Umspannwerk in Redwitz ist in den vergangenen Jahren immer wieder aufgerüstet worden. Es ist zentraler Stromverteiler in Nordbayern. Foto: Markus Drossel

Höchstspannung war am Montag im Kreisausschuss angesagt: Das Gremium untermauerte erneut die Absage an den Bau weiterer Stromtrassen durch den Landkreis. Dazu gibt es seit 2015 auch eine Resolution des Kreistages. Hintergrund war der geplante Neubau des so genannten „Ostbayernrings“, eine bereits bestehende Stromtrasse von Redwitz nach Schwandorf. Der Ausschuss erklärte sich mit dem Gemeinderat in Redwitz solidarisch, der jüngst diesen Neubau abgelehnt hatte.

Die Strombrücke nach Schwandorf muss aufgerüstet werden, um leistungsfähiger zu werden. Dieser – wohl kaum zu verhindernde – Ersatzneubau mit dann zwei 380-kv-Stromleitungen könnte laut dem Redwitzer Bürgermeister Christian Mrosek „Einfallstor“ für die viel diskutierte weitere Höchstspannungstrasse P 44 mod durch den Landkreis werden. Mrosek beschrieb das drohende Szenario am Montag im Kreisausschuss nochmals eindrücklich.

P 44 mod als Damoklesschwert

Solange die Entscheidung über die P 44 noch nicht gefallen sei, könne nicht ausgeschlossen werden, dass der neue „Ostbayernring“ als schlagendes Argument verwendet werden könnte, die P 44 mod parallel dazu zu bauen. Immerhin wird durch den mit dem Neubau fälligen Abriss des jetzigen Ostbayernrings eine Trasse frei.

„Es ist untragbar, dass stets nur scheibchenweise gebaut und abgebaut wird. Für das Umspannwerk in Redwitz gibt es seitens der Netzbetreiber kein Gesamtkonzept.“
Christian Mrosek, Erster Bürgermeister Redwitz

Im laufenden Planfeststellungsverfahren der oberfränkischen Regierung für den Ostbayernring war der Landkreis aufgefordert worden, eine Stellungnahme abzugeben. Der Kreisausschuss berücksichtigte bei seinem Beschluss – und entgegen des ursprünglichen Verwaltungsvorschlags – das Veto von Redwitz. Als Zusatz zum Beschluss steht die Forderung, dass die jetzige Trasse nach dem Abriss des „alten Ostbayernrings“ vollständig renaturiert werden müsse und somit nicht mehr bebaut werden könne. Michael Wutz, Abteilungsleiter im Landratsamt, verdeutlichte Ursache, Verlauf und Dimensionen des neuen „Ostbayernrings“. Die bestehenden 380/220-kv-Systeme müssten auf zwei 380-kv-Leitungen hochgerüstet werden. Dazu seien die jetzigen Mastkonstruktionen und Fundamente statisch nicht geeignet.

Die neue Trasse solle etwa 100 bis 110 Meter parallel zur jetzigen Stromleitung verlaufen. Sie überquere dabei drei Kreisstraßen – bei Ebneth, bei Obristfeld und bei Reuth. Der Abstand der Strommasten zu den Orten Obristfeld, Ebneth und Kirchlein sei nach der Anhörung aller Betroffenen vergrößert worden.

Allerdings muss nach jetzigem Planungsstand ein drei Hektar großer Waldbestand nahe Ebneth für die zugunsten der Energiewende geplanten Trasse geopfert werden. So äußerte sich Christian Mrosek am Montag im Ausschuss. Das gesamte dortige Waldgebiet werde „überspannt“, so Wutz weiter. Dies sei ein „unzumutbarer, weiterer Eingriff in die Natur,“ hatte der Redwitzer Bürgermeister bereits im dortigen Gemeinderat betont.

124 neue Masten, bis zu 100 Meter

Im Verlauf von 51 Kilometer Richtung Osten mündet der „Ostbayernring“ zunächst ins Umspannwerk Mechlenreuth und läuft von dort nach Schwandorf weiter. Für die Strecke nach Mechlenreuth sollen 124 neue Strommasten aufgestellt werden. Die Dimensionen der neuen Strommasten sind beeindruckend. Die meisten Masten seien zwischen 50 und 60 Meter hoch, so Michael Wutz. Es gebe aber auch kleinere Leitungsträger. Im Bereich des Ebnether Waldes werde die Höhe allerdings knapp 100 Meter betragen müssen, um den Wald überqueren zu können.

Sobald der neue „Ostbayernring“ bis Mechlenreuth gebaut sei, müsse der jetzige abgebaut werden, so Wutz. „Dies ist keine Soll-, sondern eine Muss-Bestimmung im Planfeststellungsverfahren.“ Die jetzige Strombrücke zwischen Redwitz und Schwandorf gibt es seit den 1970er Jahren.

Der neue „Ostbayernring“ sei als „reine Freileitung“ geplant, eine Erdverkabelung werde es nicht geben, so Michael Wutz. Dazu gebe es keine rechtliche Grundlage, so der Abteilungsleiter. Der Landkreis hatte dies im Rahmen eines Pilotprojektes für Abschnitte auf seinem Gebiet beantragt.

Deutliche Kritik an der Gesamtplanung für die Stromverteilung im Raum Redwitz äußerte Christian Mrosek ebenfalls. Der Rathauschef wörtlich: ,,Es ist untragbar, dass stets nur scheibchenweise gebaut und abgebaut wird. Für das Umspannwerk in Redwitz gibt es seitens der Netzbetreiber kein Gesamtkonzept,“ so der Rathauschef. Die Gemeinde fordere dazu auf, ein solches Konzept vorzulegen. Mrosek wies im Kreisausschuss zudem auf steigende Gesundheitsrisiken für die Bevölkerung hin, sollten im Raum Redwitz noch mehr Stromleitungen gebündelt werden.

Schlagworte