LICHTENFELS

Staatssekretär Christian Hirte im Gespräch mit den Vertretern des hiesigen Handwerks

Staatssekretär Christian Hirte im Gespräch mit den Vertretern des hiesigen Handwerks
Der parlamentarische Staatssekretär beim Bundesminister für Wirtschaft und Energie, Christian Hirte, (3. v. li.) sprach mit Vertretern von HWK und der heimischen Handwerksbetriebe. Foto: Gerda Völk

Fachkräftemangel, überbordende Bürokratie, Digitalisierung, Ausweitung der Meisterpflicht in einigen Berufen oder die Frage nach Steuerentlastung für das Handwerk: Die Themen waren vielfältig, die den Vertreter des oberfränkischen Handwerks beim Besuch des Parlamentarischen Staatssekretärs beim Bundesminister für Wirtschaft und Energie, Christian Hirte, auf den Nägeln brannte. Neben seiner Funktion als Beauftragter für die neuen Bundesländer ist der CDU-Politiker auch Mittelstandsbeauftragter der Bundesregierung.

Bei der Novelle der Handwerksordnung 2004 hatte die damalige Rot-Grüne Bundesregierung die Meisterpflicht in 53 Gewerken abgeschafft. Jetzt soll das anders werden. „Wir haben uns im Koalitionsvertrag verpflichtet, die Meisterpflicht wieder auszuweiten“, erklärte Hirte. Allerdings verbiete europäisches Recht eine Berufsbeschränkung. Deshalb wurden zwei Gutachten in Auftrag gegeben, die diese Fragen prüfen sollen. In diesem Punkt werde man bis an die Grenzen des machbaren gehen, versprach der Wirtschaftspolitiker.

Der Soli muss weg

„Wann kommt eine Steuerentlastung für das Handwerk?“, fragte HWK-Vizepräsident Matthias Graßmann. Es gebe ganz wenig Steuern, über die der Bund selbst entscheiden könnte, bedauerte Hirte. Was das Thema Solidaritätszuschlag angeht, hatte der Parlamentarischen Staatssekretär gute Nachrichten. Hier herrsche uneingeschränkte Zustimmung, das der Soli weg muss. Laut Wolfgang Schubert-Raab würde es dem Handwerk schon helfen, wenn der Kunde größere Beträge bei den haushaltsnahen Dienstleistungen geltend machen könnte. In diesem Punkt zeige sich der Koalitionspartner die SPD wenig aufgeschlossen, da laut dieser nicht der Gärtner oder die Putzfrau begünstigt werden solle, antwortete Hirte.

Der Breitbandausbau war ein weiteres Thema, welches angesprochen wurde. Edith Memmel, Innungsobermeisterin Keramik, nannte die Länder Finnland und Norwegen vorbildlich, da der Staat die Ausbaukosten übernommen habe. Hier gab der Mittelstandsbeauftragte zu bedenken, dass es nicht am Geld für den Breitbandausbau scheitere, sondern sich vielmehr die Frage stelle, ob hohe Bandbreiten auch von allen genutzt werden. Einen Einwand, den Schubert-Raab nicht so stehen lassen wollte. Auch ein Fliesenleger arbeite heute nicht mehr nur mit Plänen, sondern er setze seinen Kunden eine Brille auf, damit sie sich vorstellen können, wie ihr Bad einmal aussehen könnte.

Fachkräftemangel

In den nächsten Jahren werden in Oberfranken 4000 bis 5000 Betriebe übergeben. Eine Zahl, die Karl-Peter Wittig aus Kronach, Vizepräsident der Handwerkskammer für Oberfranken nannte. Es stellte sich die Frage, wie man es fertigbringe jungen Leuten schmackhaft zu machen, selbst Unternehmer zu werden. Michael Limmer aus Altenkunstadt ist als Handwerkspate auch an den Schulen des Landkreises Lichtenfels unterwegs. Damit möchte das Unternehmen dem Fachkräftemangel entgegenwirken. Allerdings sahen sich die Diskutanten vor dem Problem gestellt, wie den Eltern klarmachen, dass eine Berufsausbildung gleichwertig mit einem Studium sei. Man beobachte schon lange eine komplette „Vergeistigung“ in der beruflichen Bildung. Weg mit der Akademisierung hin zur beruflichen Bildung, lautete die Forderung. Es spräche alles dafür, dass auch in Zukunft der Wettbewerb für Handwerksleistungen nicht einfacher werde, erklärte Hirte.

Aktuell habe die Bevölkerung das Gefühl, dass extrem gearbeitet wird, aber nichts bei ihr ankommt, klagte HWK-Vizepräsident Matthias Graßmann.